Menu
P

Haut und Schleimhäute


Haut und Schleimhäute

 

Die Haut (lat. Cutis; gr. Derma) hat eine Fläche von knapp 2 m2 und umgibt den Körper als schützende Hülle. Sie ist als ein eigenständiges, lebenswichtiges Organ anzusehen und ist eine Schranke zwischen Umwelt und innerem Milieu.

 

Die Haut

  • schützt Organe und innere Gewebe vor chemischen, physikalischen und insbesondere mechanischen Schädigungen sowie vor dem Eindringen von Mikroorganismen
  • verhindert eine zu starke Austrocknung, lasst aber gleichzeitig eine gewisse physiologische Wasserverdunstung zu
  • ist in geringem Maße zur Aufnahme von Sauerstoff und Abgabe von Kohlendioxid befähigt
  • wirkt durch Verengung und Erweiterung der Blutgefäße als Wärmeregulator
  • ist ein multiples Sinnesorgan und vermittelt zahlreiche Sinnesreize
  • produziert unter UV-Licht Vitamin D für den Knochenaufbau.

 

 

 

 

Man unterscheidet

  • die äußere Haut (Cutis) zur Umhüllung des Körpers
  • die Anhangsorgane der Haut: Nägel, Haare, Drüsen der Haut
  • die inneren Schleimhäute (Mucosae) zur Auskleidung von Hohlräumen, Hohlorganen etc.: Verdauungsorgane, Lungen, Harnableitende Wege, Geschlechtsorgane

 

Die Haut besteht aus mehreren Schichten:

  • Cutis, bestehend aus
    • Oberhaut = Epidermis
    • Lederhaut = Dermis
  • Subcutis = Unterhautgewebe

 

 

 

 

Aufbau der Haut

Die Haut (Cutis) setzt sich aus Oberhaut (Epidermis) und Lederhaut (Corium)  zusammen. Beide Schichten sind deutlich voneinander abgegrenzt und durch zapfenartige Vorsprünge der Lederhaut fest miteinander verbunden. Die Lederhaut geht ohne scharfe Begrenzung in die fettreiche, wesentlich dickere Unterhaut (Subcutis) über.

 

Die Oberhaut setzt sich wiederum aus zwei Schichten zusammen:

  • der unteren, aus lebenden Zellen gebildeten Keimschicht
  • der oberen Hornschicht mit abgestorbenen Zellen.

Während die Hornschicht abschubbert wird, bildet die Keimschicht ständig neue Zellen und ersetzt so den Verlust der Hornschicht. In der Keimschicht befinden sich Pigmentzellen, die mit dem Farbstoff Melanin einen Schutz vor UV-Strahlung bieten und die Hautfärbung sowie die Hautfarbe bestimmen.

 

Die Unterhaut enthält reichliche Fetteinlagerungen. Diese Fettschicht dient als Druck- und Temperaturschutz. Weiterhin ist Fett ein Energiespeicher. Die Fettverteilung in der Unterhaut ist geschlechtsspezifisch.

 

 

 

Die Hautanhangsorgane:

Haare sind biegsame, zugfeste Hornfäden mit einer Dicke von 5 bis 200 mm und kommen mit Ausnahme der Hand- und Fußflächen am ganzen Körper vor.

 

Ein Haar ruht mit seiner Haarwurzel in der Wurzelscheide, dem Haarbalg. Am kolbigen Ende der Haarwurzel umfasst die Haarzwiebel die Haarpapille mit der ernährenden Blutkapillare. Die Haarpapille ist für die Neubildung des Haares beim Haarwechsel verantwortlich. Die Haarbalgdrüse fettet das Haar ein und hält es geschmeidig. Der Haarbalgmuskel kann das Haar aufrichten. Dabei entsteht die sogenannte Gänsehaut.

 

 

Nägel: Die Finger- und Fußnägel sind leicht gebogene Nagelplatten, die im Nagelbett aus der Nagelwurzel heraus wachsen. Ist die Nagelwurzel zerstört, kann kein Nagel mehr nachwachsen.

 

Talgdrüsen liegen meistens neben den Haaren und sezernieren Öl, welches dann zu Talg zerfällt. Haut und Haare werden so mit einer schützenden Fettschicht überzogen.

 

Duftdrüsen produzieren ein alkalisches Sekret und sind nur an wenigen Stellen der Haut vorhanden, z. B. im Genitalbereich, in den Achselhöhlen und rund um die Brustwarzen.

 

Ca. 2 Millionen Schweißdrüsen sind über die ganze Körperoberfläche verteilt und regulieren unter anderem den Wärmehaushalt.

 

Die weiblichen Brustdrüsen (Mammae) sind die größten Hautdrüsen. Milchbläschen sind lappenförmig in der Mamma angeordnet und münden mit ihren Ausführungsgängen in der Brustwarze. Die Form der Mamma ist weitgehend durch Fettgewebe bestimmt. Die Größe der weiblichen Brust steht nicht in Abhängigkeit zur Menge der Milchproduktionsfähigkeit.

 

 

 

Altersvorgänge der Haut

Wie alle Organe unterliegt auch die Haut natürlichen Alterungsvorgängen. Die Hautdurchblutung nimmt ab, das Bindegewebe wird schwächer, die Talg- und Schweißsekretion lässt nach, so dass die Haut dünn, schlaff, faltig und trocken erscheint. Altersflecken und Alterswarzen treten häufig auf, ebenso Juckreiz (= Pruritus senilis).

 

 

 

Schleimhäute

Schleimhäute kleiden die Hohlräume des Verdauungstraktes, des Atemtraktes, der harnableitenden Wege und zum Teil der Geschlechtsorgane aus. Sie produzieren durch spezielle Drüsen Schleim.

 

Schleimhäute sind den Aufgaben der unterschiedlichen Organe sehr spezifisch angepasst. So sind Schleimhäute im Darm zur Sekretion spezieller Verdauungsenzyme für die Resorption von Nahrungsbestandteilen und zum Oberflächenschutz (Mucos) befähigt. Die Schleimhäute des Atemtraktes können zum Beispiel Fremdkörper mit ihren Flimmerhärchen aus den Atemwegen hinausbefördern.

 

 

 

 

Sinnesorgane der Haut

Die Haut ist ein eigenständiges und sehr großes Sinnesorgan mit zahlreichen Wahrnehmungsmöglichkeiten. Bei der Oberflächensensibilität der Haut werden hierbei unterschieden:

  • Der Tastsinn
  • Der Temperatursinn
  • Das Schmerzempfinden (der Schmerzsinn)

 

 

Freie Nervenendigungen jeweils entsprechender Sensoren sind in der Lage, verschiedene Eindrücke zu unterscheiden wie:

  • Berührungen  durch Meißner-Körperchen, wobei sehr schwache Eindrücke als Kitzeln wahrgenommen werden
  • Drücke von Nadelstichklein bis zu großen, flächenhaften Wahrnehmungen (Bekleidung)
  • Vibrationen durch Pacini-Körperchen
  • Warm- und Kaltempfinden durch Warm- und Kaltrezeptoren, wobei zwischen 310C und 360C eine neutrale Kalt-Warmempfindung stattfindet. Über 450C entsteht eine schmerzhafte Hitzeempfindung, unter 170C entsteht Kälteschmerz.

 

 

Die bedeutendsten und insbesondere ersten Wahrnehmungen eines kleinen Kindes zur Entdeckung der Welt und ihrer Eigenarten geht über die Sinnesorgane der Haut. So bald im Laufe der Entwicklung die anderen Sinnesorgane in den Vordergrund treten, erscheinen die Hautsinne weniger wichtig, nehmen aber weiterhin einen großen Teil der unterschwelligen Wahrnehmung ein. Blinde bemühen sich wesentlich stärker, diese Wahrnehmungen auszuwerten als Sehende, die geneigt sind, fast ausschließlich dem Sehsinn zu vertrauen.

 

 

 

 

 

Einige Zahlen zur Haut:

 

  • Gewicht: ca. 16% des Körpergewichts
  • Fläche: 1,8 bis 2 m2
  • Zellenzahl: 3 Millionen pro cm2
  • Schweißdrüsen: ca. 100 pro cm2 mit extrem unterschiedlicher Verteilung
  • Kältesinnesorgane (Hand): 5 pro cm2
  • Wärmesinnesorgane (Gesicht): 25 pro cm2
  • Tastsinnesorgane (Hand innen): 25 pro cm2
  • Talgdrüsen: 15 pro cm2 ebenfalls mit sehr unterschiedlicher Verteilung
  • Schmerzpunkte: 50-200 pro cm2

 

 

 

 

Grundsätzliches zur Wärmeregulation im Körper:

Die normale Körpertemperatur liegt bei ca. 37 °C. Sie unterliegt dabei leichten Tagesschwankungen. In den frühen Morgenstunden ist sie etwas tiefer, nachmittags etwas höher.

 

Der Körper bildet vor allem in der Leber und der Muskulatur Wärme durch Abbau von Nährstoffen. Das Blut verteilt diese Wärme auf den gesamten Körper.

 

Um die Kerntemperatur konstant zu halten, steigert der Körper die Wärmebildung bei Kälte durch Stoffwechselsteigerung in der Muskulatur: man friert, die Zähne klappern und beginnt zu zittern. Insgesamt hilft Bewegung, um die Körpertemperatur bei Kälte zu halten.

 

Die Haut unterstützt den Körper dabei, indem sich ihre Blutgefäße zusammenziehen (Vasokonstriktion). Dadurch gelangt weniger Blut an die Körperoberfläche und der Wärmeverlust ist geringer. Die Haut wird blass.

 

Bei übermäßiger Wärme von außen bzw. bei Wärmeproduktion durch schwere körperliche Arbeit erweitern sich die Hautgefäße (Vasodilatation). Die Haut wird nun vermehrt durchblutet und kann Wärme besser abgeben. Die Haut ist dabei gerötet. Gleichzeitig wird vermehrt Schweiß gebildet, der dem Körper durch Verdunstung zusätzlich Wasser entzieht.