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Bewegungsapparat



Ausgewählte Erkrankungen des Bewegungsapparates

Arthritis

Definition:

Gelenkentzündung mit Schmerzen, Schwellung, Überwärmung und Bewegungseinschränkung. Es kann auch ein Gelenkerguss (= seröse Arthritis) oder ein Gelenkempyem (= eitrige Arthritis) entstehen.

 

Die Einteilungen sind uneinheitlich und erfolgen u. a.

  • nach Anzahl der betroffenen Gelenke (Monarthritis, Oligoarthritis, Polyarthritis)
  • gemäß dem Verlauf* (akut, subakut, chronisch)
  • nach den Ursachen (z. B. infektiös, rheumatoid, kristallinduziert bei der Gicht, begleitend (z. B. bei Endokarditis), bei der Bluterkrankheit = Hämophilie, nach Verletzungen, Unfällen etc.

 

Die Symptome einer Arthritis können auch bei Fieberschüben, Grippe und zahlreichen weiteren Infektionskrankheiten beobachtet werden.

 

*) Die akute Arthritis verheilt nach kurzer Dauer und nach Abklingen der Ursprungskrankheit, die chronische Arthritis kann nach Wochen oder Monaten ebenfalls vollständig ausheilen, ohne Degenerationen zu hinterlassen, oder jahrelang bestehen bleiben.

 

  • DD: Typisch ist die Verschlimmerung der Symptome bei Belastung, Kälte lindert.

 

 

Arthrose

Definition:

Degenerative Gelenkerkrankung mit einem Missverhältnis zwischen Zustand und Belastung des betroffenen Gelenks.

 

Auch hier sind die Einteilungen uneinheitlich; z. B. nach Ursachen:

  • primär: Sport, Übergewicht, Schwerstarbeit, Alterung, Stoffwechselstörungen, Trauma
  • sekundär: nach nicht ausgeheilter akuter Arthritis, durch rheumatische Gelenkleiden, bei Wachstumsstörungen (Luxation, Beckenschiefstand),  Synovitis, Knorpelerosion

 

Das Gelenk degeneriert und eine Verbesserung des Gewebes (Knochen, Knorpel, Synovia) ist in der Regel nur durch erhebliche Veränderung von Lebensgewohnheiten erzielbar (gesunde Ernährung, geeignete Belastung, Yoga, Entspannung, Fasten, ...)

 

 

  • Differentialdiagnose: Bei Arthrose wird der typische „Anlaufschmerz“ beschrieben und die Beschwerden lassen unter Belastung nach, bis ein Maximalpunkt erreicht wird, ab dem sie wieder stärker werden. Dauerschmerzen, Gelenkgeräusche und Wülste oder Knochenwucherungen können auftreten. Wasseranwendungen (Kneipp; Prießnitz) und Umschläge werden oft als wohltuend empfunden, Wärme lindert.

 

Rheumatische Erkrankungen, Rheumatischer Formenkreis, Rheumatismus

„Rheuma“ bedeutet „fließen, strömen“, womit nur die Symptomatik beschrieben wird. Wie die Beschwerden oft nicht kategorisierbar sind, ist es auch die Erkrankung „Rheuma“ nicht. Da die Diagnose „Rheuma“ Angst auslöst (ähnlich wie die Diagnose „Krebs“) sollte der Begriff mit Bedacht gewählt werden. Viele „Rheumatiker“ sind keine, glauben aber daran, weil ihnen ein Arzt diese Verlegenheitsdiagnose gestellt hat und sie seit dem auch zusätzlich mit Antirheumatika behandelt werden.

 

Die Diagnose „Rheuma“ gilt heute als veraltet und ungenau! Ersatzbezeichnungen in Ermangelung einer sicheren Diagnose sind daher oft „rheumatische Erkrankung“, „rheumatoid“ usw.

 

Unterschieden werden u. a.

  • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen mit Immunreaktionen eines Gewebes (Arthrose, Spondylose, Spondylarthrose, Osteochondrose, etc.)
  • Degenerativ-rheumatische Erkrankungen mit Veränderungen des Gewebes (Sehnen, Bänder, Knochen, Gelenke, Knorpel, Bandscheiben)
  • Extraartikuläre rheumatische Erkrankungen (früher: Weichteilrheumatismus) wie Tendinose, Fibromyalgie, Gichtknoten, etc

 

Auf Grund des Durcheinanders bei den Bezeichnungen hat die Internationale Rheumaliga an Stelle älterer Einteilungen eine umfangreiche rheumatologischen Nomenklatur für die  WHO festgelegt. (Siehe medizinische Nachschlagwerke.) Es werden 150 bis 450 verschiedene Krankheiten aufgelistet, die unter die Sammelbezeichnung „Rheuma“ fallen.

 

 

 

 

 

Morbus Bechterew

Definition:

Der lateinische Name definiert die Symptomatik: Spondylitis ankylosans = Entzündung der Wirbelgelenke mit Versteifung.

 

Ursachen:

Die Ursache für eine Entzündung und spätere Versteifung der Wirbelsäule ist bisher völlig unbekannt und häufiger bei Männern zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr!

 

 

Symptome:

Beginn meist mit morgendlicher Steifigkeit und nächtlichen Schmerzen im Bereich der LWS, nicht selten auch verbunden mit einer Arthritis der Gelenke der unteren Extremitäten. Fortschreitende Einschränkung der Beweglichkeit von Wirbelsäule (sog. Schober-Zeichen) und des Brustkorbes. Im Endstadium folgt eine völlige Versteifung der gesamten Wirbelsäule mit  schwerer Kyphose.

 

Therapie:

Lebenslange Krankengymnastik, Cortison

 

 

Scheuermann-Krankheit

Definition:

Krümmung der Wirbelsäule des Heranwachsenden nach vorne.

 

Es kommt zu Wachstumsstörungen an den sogenannten Wirbelköper-Bandscheiben-Grenzen mit späterem Einbruch der Deckplatten.

 

Ursachen:

Als Ursachen werden hormonelle, konstitutionelle und vererbte Faktoren vermutet.

 

Die Zeichnung zeigt diesen Einbruch der Deckplatten schematisch.

 

Therapie:

Bewegung, Schwimmen, aber auch Schonung

 

Halswirbelsäulen-Syndrom, Lendenwirbelsäulen-Syndrom,          Schulter-Arm-Syndrom, ...

Diese und viele weitere Diagnosen sind Verlegenheitsdiagnosen, die nur das wiedergeben, was der Patient vorher beschrieben hat. Daher sind diese Begriffe als echte Diagnose untauglich und sollten nur für die Anamnese verwendet werden.

 

Bestehen derartige Beschwerden über eine längere Zeit oder sind sie wetterabhängig, mal stärker und mal schwächer auftretend und womöglich sogar an verschiedenen Stellen im Körper lokalisiert, ist die Diagnosestellung „Rheuma“ schon fast gewiss.

 

 

 

Prolaps vertebralis, Diskusprolaps, Bandscheibenprolaps

Definition:

Vorfall; wörtlich von lapsus = ausgleiten, fallen, Fehler

  • Folgt zu der Diagnose „Prolaps“ keine weitere Angabe, ist der Bandscheibenvorfall gemeint. Der Anulus fibrosus (gallertartiger Kern) ist aus der Zwischenwirbelscheibe hervorgetreten.

 

Meistens ist die Lendenwirbelsäule betroffen.

 

Symptome

  • Vielerlei Schmerzen (mit großem Potential an Fehldiagnosen!)
  • Sensibilitätsstörungen
  • Bewegungseinschränkungen
  • Schonhaltung
  • Querschnittslähmung

 

Therapie:

Angemessene Bewegungsübungen

 

 

Lumbago

Definition:

Als Hexenschuss allgemein bekannt. Fast jeder hatte schon mal einen. Da die Schmerzen wie beim Prolaps sind, sollte bei andauernder Symptomatik an einen solchen gedacht werden!

 

Ursache ist eine plötzlich auftretende Verspannung der Muskulatur „aus dem Nichts heraus“ (à „wie verhext“), die aber in der Regel schon lange vorher unbemerkt bestanden hat.

 

  • Therapie: Jede konservative Therapie sollte Linderung und Heilung bringen. Tritt keine Linderung ein, sollte weiter diagnostiziert werden.

 

 

Schleudertrauma

Heute durch Verkehrsunfälle nicht selten auftretendes „Peitschenschlagphänomen“ mit Verletzungen im Bereich der HWS.

 

Symptome:

  • Typischer Weise treten die Beschwerden erst eine Weile (ggf. Tage) nach dem Unfall, Fall oder Stoß auf und können Symptome wie Nackensteife, Kopfschmerzen, Tinnitus, Schwindel, Übelkeit etc. hervorrufen.
  • Einige dieser Symptome können jahrelang über die organische Abheilung hinaus bestehen bleiben und erst durch Auflösung des psychischen Traumas abklingen.
  • Es können durch permanente Muskelverspannung, Gelosen etc. auch neue chronische Folgekrankheiten entstehen, die wiederum als „Rheuma“ fehldiagnostiziert werden könnten.

 

 

Borreliose = Lyme-Borreliose

Definition:

Durch Borrelien (schraubenförmige Bakterien) verursachte Erkrankung.

 

Ursachen:

Infektionskrankheiten, die durch Borrelien verursacht und durch Läuse (auch Kleiderlaus) und Zecken übertragen werden.

 

Symptome:

  • Nach einer Inkubationszeit von ca. einer Woche kommt es rasch zu einem schweren Krankheitsbild mit Kopf-, Glieder- und Rückenschmerzen sowie Übelkeit und hohem Fieber (41 °C), Milz- u. Leberschwellung sowie ggf. sogar leichtem Ikterus.
  • An der Eintrittstelle kommt es zu einer Rötung mit dem typischen Hof, der größer wird.
  • Nach Tagen oder Wochen hört die Rötung wieder auf, verschwindet und heilt sogar ab. Das Bakterium ist außerordentlich beweglich und bleibt nicht am Ort, also nicht im Zentrum des Einstiches. So kommt es zur Hofbildung.
  • Bei weiterer Wanderung der Erreger kommt es zu rheumatischen Beschwerden, Gehirnhautentzündung und ständigem Krankheitsgefühl.

 

Therapie:

Antibiotika

 

Komplikationen:

  • Kreislaufschäden (da die Erreger durch die Wände der Blutgefäße wandern)
  • Gelenkbeschwerden
  • Nierenschädigungen
  • Pneumonie
  • Nervenschädigungen

 

 

Differentialdiagnose:

Bei Borreliose kann leicht die Fehldiagnose „Rheuma“ oder „Polyarthrose“ gestellt werden, was eine sinnvolle Therapie verhindert oder hinaus zögert. Der Nachweis muss im nativen Blut gemacht werden.

 

 

 

 

Osteoporose

Definition:

Verminderung oder Verlust der Knochensubstanz und Struktur mit erhöhter Knochenbruch-Gefahr. (poros = löcherig). Das Verhältnis zwischen Mineralien und organischen Elementen bleibt dabei unverändert.

 

Ursachen:

·         Einige Medikamente erzeugen in genügender Dosis und bei langer Einnahme eine Osteoporose (insbesondere Cortison).

·         Ebenso nimmt bei andauerndem Bewegungsmangel die Knochendichte ab (Bettlägerigkeit, ständig sitzende Tätigkeiten).

  • Auch gibt es hormonelle Krankheiten, welche die Knochen angreifen (Cushing, Hyperthyreose, ...)

 

Viele weitere Ursachen sind umstritten. Reiner Kalzium-Mangel führt nicht zur Osteoporose, sondern zur Osteomalazie. Das Klimakterium führt, entgegen anderer Behauptungen, nicht zur Osteoporose, kann aber zeitgleich auftreten.

 

 

Symptome:

  • Schmerzen
  • Es kommt leichter zu Knochenbrüchen, insbesondere zu Spontanfrakturen

 

 

Osteomalazie

Definition:

Mangelhafter Einbau von Mineralstoffen mit erhöhter Verbiegbarkeit der Knochen. (malacia = Weichlichkeit). Das Verhältnis zwischen Mineralien und organischen Elementen ist gestört. (Mineralisationsdefekt)

 

 

Ursachen:

  • Rachitis (= gestörte Mineralisation durch Mangel an Kalzium, Phosphat, Vitamin D)
  • Stoffwechselstörungen (Morbus Crohn, Leberzirrhose und andere)
  • Chronische Fehlernährung

 

Es muss davon ausgegangen werden, dass die Osteomalazie heute deutlich häufiger unerkannt vorliegt als erkannt wird.

 

 

Symptome:

  • Diffuse Skelettbeschwerden
  • Unbeweglichkeit