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Erkrankungen der Gefäße


Krankheiten der Arterien

Arteriosklerose = Atherosklerose

Definition:

Wichtigste und häufigste krankhafte Veränderung der Arterien mit Verhärtung, Verdickung, Elastizitätsverlust und Lichtungseinengung.

(Bei Obduktionen findet man heute bereits bei rund 60% aller Jugendlichen eine begonnene Arteriosklerose.)

 

Ursachen:

  • Schlechte Lebensweise wie Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Hypertonie, Diabetes, Ernährungsfehler, ...
  • Kurz gesagt: „The modern Way of Life“.

 

Die Ursachen gelten heute als umstritten. Offizielle Ursachen (nach Virchow) sind:

  • Endothelschäden durch Stoffwechselstörungen, Diabetes, Fehlernährung, Rauchen, Drogen, Kaffee und vieles mehr
  • Veränderung der Intima mit Bildung von thrombotische Plaques an der Gefäßwand
  • Erhöhung des Blutdrucks
  • ... und dadurch weitere Endothelschäden, ...

 

Symptome:

  • Keine
  • Durchblutungsstörungen bis hin zum Gefäßverschluss

 

Therapie:

Noxen ausschalten, Vitamine, insbesondere Vitamin C

 

Komplikationen:

Herzinfarkt, Schlaganfall

 

Einteilung der Arteriosklerose gemäß der WHO.

 

 

 

 

 

Homocystein:
In den letzten Jahren bekommt das Homocystein mehr Aufmerksamkeit, da sich herausgestellt hat, dass die Säure Homocystein mit einer
beschleunigten Alterung der Gefäße und vielleicht auch mit Altersdemenz in Verbindung gebracht werden muss.

Es ist damit ein wesentlicher Risikofaktor für Arteriosklerose und Herz-Kreislauferkrankungen geworden. Erhöhte Werte werden oft durch
einen Mangel an Vitamin B6, B12 und Folsäure verursacht.

Aufbau:
Homocystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die im normalen Stoffwechsel anfällt, in höheren Dosen jedoch toxisch auf die Gefäße und
das Gehirn wirkt. Der Normalwert beträgt unter 10  mol/l im Blut.

Homocystein wird durch Vitamin B6, B12 zu den essentiellen Aminosäuren Cystein und Methionin abgebaut (vereinfachtes Schema).

Ursachen:
Eine fördernde Ursache ist wahrscheinlich chronische Fehlernährung, chronisch schlechte Nahrungsresorption im Darm und insbesondere
chronischer Vitaminmangel.

 

Morbus Raynaud

Definition:

In Zehen oder Fingern plötzlich auftretende Gefäßkrämpfe, die genauso plötzlich wieder verschwinden.

 

Ursachen:

  • Allem voran gilt die Ursache als „unbekannt“
  • Vielleicht eine rheumatische Erkrankung?
  • Vielleicht durch Arzneimittelvergiftungen?

 

Symptome:

  • Weiße „Leichenfinger“
  • starke Schmerzen zu Beginn und am Ende oder auch über die ganze Zeit während des Anfalls.
  • Meist sind junge Frauen betroffen.

 

Therapie:

  • Wärme: Handschuhe, Taschenwärmekissen
  • Rauchen einstellen
  • Bewegungsübungen
  • Eine ursächliche Therapie gibt es nicht.

Aneurysma

Definition:

Sackförmige Ausweitung eines arteriellen Blutgefäßes

 

Ursachen:

  • Angeborene Fehlentwicklungen
  • Rheumatisches Fieber (Besiedelung der Gefäßwände mit Streptokokken)
  • Syphilis
  • Arteriosklerose

 

 

 

 

Symptome:

  • Ein geschlossenes Aneurysma verhält sich in der Regel unbemerkt (= stumm).
  • Kommt es zur Ruptur (= reißt es auf), kommt es von kleinen, schmerzhaften Blutungen bis hin zu lebensbedrohlichen Massenblutung, ggf. massiven organischen Störungen.
  • Vergleiche hierzu auch à Schlaganfall.

 

 

 

Therapie:

  • Beim geschlossenen Aneuyrisma wird (i. d. R.) nichts unternommen.
  • Beim großen, eingerissenen Aneuyrisma ist eine Notoperation die einzig mögliche Therapie.
  • Lebensweise ändern? Vitamin E?

 

 

Komplikationen:

  • Schmerzen, Hämatome
  • Rasches inneres Verbluten

 

 

Embolie

Definition:

Akuter Verschluss einer Arterie oder Vene durch einen verschleppten Thrombus = Embolus

 

Ursachen:

Ein abgelöster Thrombus (= Gerinnsel) wird mit dem Blutstrom mitgerissen und bleibt an der nächsten Verengung der Gefäße liegen. Schlagartig ist die dahinter liegende Durchblutung abgesperrt.

 

Symptome:

Je nach Lokalisation sind die Symptome sehr unterschiedlich.

  • Eine Hirnembolie führt zum Schlaganfall mit Halbseitenlähmung
  • Eine Mesenterialembolie führt zum „Akuten Bauch“ mit Darmlähmung oder kolikartigen Bauchschmerzen
  • Eine Arm- oder Beinembolie erzeugt eine wachsbleiche, kalte, gefühllose Extremität

 

Therapie:

Notfall: sofort ins Krankenhaus! Entweder werden dort sofort gerinnungsfördernde Medikamente gegeben (ASS, Marcumar, Heparin), oder es wird operiert. – Embolieschutzfilter.

 

Komplikationen:

Bleibende Schäden durch Gewebsuntergang (Nekrose).

 

Differentialdiagnose:

Koliken im Bauch durch Gallensteine oder Nierensteine.

 

Lungenembolie

Definition:

Plötzliche Verlegung einer Lungenarterie durch einen Embolus (= Thrombus, der aus einem anderen Gefäß kommt). (Hier rot dargestellt. Blau sind die Arterien der Lungen!) Der Ursprungsort des Embolus ist im venösen System, meist in den Venen der Beine.

 

Es handelt sich um eine häufige Erkrankung. Während größerer Operationen ist die Lungenembolie sehr gefürchtet.

 

Untersuchungen an Verstorbenen haben ergeben, dass rund ein Drittel eine Embolie gehabt hat.

 

Embolien können unbemerkt verlaufen, aber sie können auch fehlinterpretiert werden kann.

Symptome:

Je nach Größe des Embolus:

  • Keine Symptome oder nur spätere Atemnot z. B. beim Treppensteigen
  • Plötzliche akute Atemnot!
  • Kreislaufschock
  • Tod

 

 

Therapie:

  • Es kommt mehr oder weniger zu einem Rückstau des Blutes in das rechte Herz und damit zum Cor pulmonale.
  • Jede große Lungenembolie kann nur stationär behandelt werden. Es werden thrombusauflösende Medikamente gegeben.
  • Herz und Kreislauf müssen gestützt werden.
  • Je nach Lage wird ggf. versucht, den Embolus operativ zu entfernen. Dieser Eingriff ist jedoch stets ein großes Risiko!

 

 

Prophylaxe:

  • Bettlägerige und Menschen, die im Flugzeug lange sitzen, tragen Thrombosestrümpfe, um die Gefahr der Bildung von Thromben zu vermindern.
  • Antikoagulantien: ASS (Aspirin u. a.), Heparin, Marcumar
  • Ernährungsumstellung: vegetarische Kost

 

Krankheiten der Venen

Venenthrombose, Thrombophlebitis, Varikosis

 

Definition:

Je nach Lage und Zustand der betroffenen Venen in den Beinen wir die Krankheit unterschiedlich bezeichnet:

·         Venenthrombose: teilweiser bis vollständiger Verschluss von Venen

·         Varikosis: Knotige Aufweitung der Venen mit Schlängelung, die auf der Haut sichtbar ist: Varizen, „Krampfadern“

·         Thrombophlebitis: durch einen Thrombus ausgelöste Entzündung der Venen (phleb = gr., Vene)

 

 

Ursachen:

  • Medikamente, Fehlernährung, mangelnde Bewegung, Veranlagung
  • Rückstau des Blutes durch sitzende Tätigkeit, vieles stehen (Verkäuferin)
  • Rückstau der Lymphe
  • Stauungen im Darmbereich, speziell Kolon
  • Störung der Intima der Venen (siehe Arteriosklerose)
  • Frauen sind häufiger betroffen als Männer

 

 

Symptome:

  • Meist beginnen die Erkrankungen im Wadenbereich
  • Oberflächlich: kosmetische Störungen, Varizen werden als hässlich empfunden, machen aber keine Beschwerden
  • Tief: Schmerzen in den Beinen, wie ein Brennen, tiefer Schmerz wie beim Muskelkater. Die Schmerzen können zunehmen.

 

Therapie:

  • Medikamentöse Auflösung oder Prophylaxe: Heparin, ASS
  • OP (kosmetisch bei Varizen, Strippen bei tiefer Venenthrombose)
  • Verbesserung der Situation in den Verdauungsorganen
  • Umstellung der Ernährung
  • Bewegung: Yoga, Massage, Spaziergänge, Gymnastik
  • Thrombosestrümpfe

 

Komplikationen:

Lungenembolie

 

 

Krankheiten der Lymphgefäße

Lymphödem

Definition:

Nicht schmerzhafte Schwellung durch Rückstau der Lymphe

 

Ursachen:

  • Verlegung der Lymphbahnen durch Operationen (z. B. nach Entfernung der Lymphknoten)
  • Nach Unfall: Wasseransammlung im Gewebe
  • Rückstau durch allgemeine Lymphabflussbehinderungen im ganzen Körper
  • Verspannungen im Schulterbereich
  • Kranker Darm
  • Übersäuerung des Gewebes
  • Veranlagung: familiäre Häufungen werden beobachtet
  • Parasiten[1]
  • Metastasen: Verstreute Tumorzellen setzen sich in Lymphknoten fest und wuchern dort weiter
  • Schwangerschaft

 

Symptome:

  • Frische Lymphödeme sind eindrückbar und hinterlassen in der Regel keine Delle
  • Langanhaltende Ödeme sind fest und hart
  • Eine Sonderform ist die Elephantiasis: extreme Schwellung eines Beines
  • Ödeme können grundsätzlich schmerzfrei bis sehr schmerzhaft sein

 

 

Therapie:

  • Ursachen beseitigen
  • Bandagen
  • Massagen, Bewegung (wie oben)
  • Ernährungsumstellung: entwässernd wirken Kartoffeln und Reis
  • Oft werden „Wassertabletten“ verordnet

 

Komplikationen:

  • Bewegungseinschränkungen
  • Bei extremen Ödemen: Schädigung von Gelenken

 

 

Morbus Raynaud

Definition :

Durch Gefäßkrämpfe bedingte, anfallsweise auftretende Ischämiezustände meist an den Arterien der Finger.

 

Ursachen:

Meist ist die Ursache unbekannt. Frauen sind weit häufiger betroffen als Männer (4:1). Da die meisten Frauen relativ jung sind, werden hormonelle Zusammenhänge vermutet. Kälte, Chemikalien und mechanische Belastungen können fördernd wirken. Schilddrüsenerkrankungen und SLE können eine Rolle spielen. (SLE: Systemischer Lupus erythematodes; eine rheumatische Erkrankung.)

 

Symptome:

Ein Anfall beginnt in der Regel mit Blässe der Finger, dann folgt eine Blauverfärbung auf Grund einer Zyanose („Leichenfinger“) und endet mit einer meist schmerzhaften Wiederdurchblutung. (Zitat einer Betroffenen: „Die Finger werden erst weiß, dann blau und rot.“)

 

Therapie:

Sind die Ursachen ermittelbar: Noxen meiden. Ursache behandeln.

Es keine spezifische Therapie bekannt. Wärme lindert.

 

Komplikationen:

Bei längerem Bestehen treten Schädigungen der Gefäße mit Nekrose und Gangrän auf.

 

 

 

Migräne

Kopfschmerzen und Migräne sollten eigentlich zu den neurologischen Krankheiten gegliedert werden. Da es sich aber oft um Durchblutungsstörungen handelt, die ähnlich wie beim Morbus Raynaud zu heftigen Schmerzen führen können, werden sie teilweise schon an dieser Stelle besprochen.

 

  • Rund 70% der Bevölkerung geben an, unter Kopfschmerzen zu leiden!

 

Definition:

Anfallsweiser, meist halbseitiger starker Kopfschmerz mit Übelkeit, Sehstörungen und Lichtempfindlichkeit.

 

Ursachen:

Wenngleich keine wirklichen Ursachen bekannt sind, kann eine familiäre Häufung in 50% der Fälle beobachtet werden.

Auslösende Faktoren können sein: Wetteränderung, psychische Belastungen oder Entlastung (z. B. „Wochenend-Migräne“), Alkohol, Wirbelsäulenveränderungen, Medikamente incl. der „Pille“, Menstruation.

 

Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

 

 

Symptome:

Ein Migräneanfall kann mit einer kurzen Phase depressiver Verstimmung, Reizbarkeit, Unruhe und Appetitlosigkeit beginnen. Bei 10-20% der Patienten kommt es zu einer sogenannten Aura, einer Art „Wahrnehmungsstörung“ oder erweiterter Wahrnehmung.

 

Üblicherweise folgen die Symptome dem unter „Definition“ schon beschriebenen Muster, außer dass der Halbseitenkopfschmerz die Seite wechseln kann. Die Attacken können täglich oder auch im Abstand von mehreren Monaten auftreten.

 

Therapie:

  • Auslösende Faktoren ermitteln und möglichst meiden.
  • Halswirbelsäule prüfen.
  • Naturheilkundliche Therapien helfen in der Regel besser als Schmerzmittel.
  • Leber unterstützen.
  • Entspannungstechniken üben.

 

Analgetikakopfschmerz

An einer Migräne Leidende entwickeln oft durch regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln sogenannte Analgetikakopfschmerzen (Analgetika = Schmerzmittel).

 

Schon 8 Gramm Paracetamol (10 bis 15 Tabletten) oder 50 Gramm Acetylsalicylsäure (Aspirin, 50 bis 100 Tabletten) monatlich können hierfür ausreichen, wenn diese über mindestens 3 Monate in Folge eingenommen wurden.  Paracetamol ist zudem in hohen Dosen lebertoxisch.

 

 

 

 

 

Clusterkopfschmerz

Cluster = Gruppe, da dieser Kopfschmerz typischer Weise in einem fest umschriebenen Rahmen halbseitig oder in einem Teil der Stirn wahrgenommen wird.

 

Diese Sonderform des Kopfschmerzes hat eine Dauer von ¼ bis 3 Stunden, mit heftiger Intensität und läuft in bis zu 8 täglichen Attacken ab.

 

Symptome:

  • Heftigste Kopfschmerzattacken in Abhängigkeit mit bestimmten Auslösern (siehe Ursachen).
  • Begleitsymptome: Tränenfluss, Augenrötung, Schwitzen im Gesicht.

Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

 

Ursachen:

  • Alkohol selbst in kleinsten Mengen
  • In der Phase des Aufwachens
  • Wetterwechsel
  • Viele Menschen mit Clusterkopfschmerz beobachten, dass ihr Leiden durch Chemikalien in der Nahrung ausgelöst werden, unter anderem durch Glutamat.

 



[1] Wucheria bancrofti, eine Fadenwurmerkrankung, die durch Mücken in den Tropen übertragen wird. Benannt nach Otto Wucherer, einem brasilianischem Arzt und Joseph Bankroft, einem australischen Arzt. Beide um 1850.