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Herzpatho, Schrittmacher, Insult


Herz- und Kreislauferkrankungen

 

Grundsätzliches:

Es gibt eine Reihe allgemeiner und auch typischer Symptome, die den Verdacht auf Herz- und Kreislaufkrankheiten nahe legen. Da das Herz der zentrale Motor des Kreislaufs und damit der ganzen Versorgungssituation des Körpers ist, können Symptome zu erwartender Weise über den ganzen Körper verstreut auftreten:

 

  • Schmerzen in der Brust, ggf. bis in den Arm
  • Atemnot
  • geschwollene Füße oder Unterschenkel
  • Herzklopfen, Herzschmerzen, unregelmäßiger Puls
  • Schwächegefühl, unklares Fieber
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit
  • allgemeines Unwohlsein, Schwindel, Erschöpfung
  • Blaufärbung der Lippen
  • schlechte Durchblutung der Haut

 

Weiterhin gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die grundsätzlich das Herz und die Gefäße schwächen oder schädigen können. Die wichtigsten sind:

 

  • Rauchen, Alkohol, Kaffee
  • diverse Arzneimittel, Chemikalien, sonstige Drogen
  • diverse Infektionskrankheiten
  • Bewegungsmangel, Übergewicht, Stress
  • chronische Fehlernährung

 

 

Hypertonie = Bluthochdruck

Definition:

Von einem hohen Blutdruck spricht man derzeit definitionsgemäß ab (ständigen) Werten von 140 : 95 mmHg. Befindet sich der diastolische Wert ständig über 115 mmHg, liegt eine schwere Hypertonie vor.

 

Ursachen:

Zahlreiche Risikofaktoren fördern die Entstehung des hohen Blutdrucks, auch wenn die Ursachen in den meisten Fällen ungeklärt bleiben. Dazu gehören alle oben bereits allgemein genannten Faktoren.

·         In 95% der Fälle gilt die Ursache als unbekannt: Essentielle  Hypertonie = Primäre Hypertonie.

·         In 5% der Fälle ist die Ursache bekannt. Meistens liegt es an einer Nierenkrankheit, der Einnahme von Medikamenten (z. B. Cortison,  Anti-Baby-Pille), Schilddrüsenerkrankungen und sonstigen Ursachen. Lakritze in großen Mengen und der Konsum von Milchprodukten über lange Zeit können ebenfalls eine Hypertonie verursachen.

 

Symptome:

  • Meist liegen keine Symptome vor. Der hohe Blutdruck ist dann ein sogenannter Zufallsbefund.
  • Ansonsten: Kopfschmerzen, Schwindel, gerötetes Gesicht, Nasenbluten, Übelkeit, Sehstörungen, Ruhelosigkeit.

 

 

Therapie:

Je nach den möglichen Ursachen:

  • Gewicht reduzieren, Ernährung umstellen, Lebensweise ändern, Rauchen einstellen, Noxen meiden.
  • Bekannte Ursachen behandeln.
  • Medikamentös:
    • Betablocker: blockieren die b-Rezeptoren des Herzens
    • Diuretika: schwemmen Flüssigkeit und damit auch Mineralien aus
    • ACE-Hemmer: hemmen das Converting Enzyme der Lungen à Dilatation der Blutgefäße.

 

Komplikationen:

Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Linksherzhypertrophie, Niereninsuffizienz, Sehstörungen, Erblinden durch Netzhautblutung, Gangrän.

 

Differentialdiagnose:

Beachte, dass sich der Blutdruck unter zahlreichen Umständen stark ändern kann. Während einer intensiven Behandlung kann er steigen, was als normale Reaktion anzusehen wäre. Körperliche Aktivitäten erhöhen den Blutdruck (mindestens 15 Minuten lang nach Treppensteigen), morgens ist er höher als abends, Kleinkinder haben einen niedrigeren Blutdruck als Erwachsene.

 

Hypotonie = Niedriger Blutdruck

Definition:

Systole unter 110 mmHg (Â) bzw. unter 100 mmHg (À), Diastole unter 60 mmHg.

 

Ursachen:

In der Regel scheint ein niedriger Blutdruck anlagebedingt zu sein.

 

Bis auf akutmedizinische Ursachen (wie Blutverlust, Herzrhythmusstörungen) sind keine bekannt. Im englischsprachigen Raum wird Hypotonie im Gegensatz zum deutschsprachigen Raum nicht als Krankheit angesehen.

 

Symptome:

Schwindel, Ohnmacht, Verdauungsstörungen, Antriebsschwäche

 

Therapie:

Flach hinlegen, Beine hoch lagern. Ansonsten ursächlich behandeln.

Corodin, ätherische Öle, Schwarztee, Kaffee.

 

Komplikationen:

Menschen mit niedrigem Blutdruck neigen dazu, bei raschen Lageveränderungen mit Schwindel, „Schwarzwerden vor den Augen“ oder Ohnmacht zu reagieren.

Ansonsten leben Menschen mit niedrigem Blutdruck im Allgemeinen länger.

 

Differentialdiagnose:

Unterfunktion der Schilddrüse

Erkrankungen des Herzens

 

Das normale Herzgewicht variiert mit dem Körpergewicht und der Körpergröße, es liegt bei ca. 300 - 350 g bei Männern und bei 250 - 300 g bei Frauen. Die Dicke der linken Kammerwand schwankt zwischen 13 und 15 mm, die der rechten zwischen 3 und 5 mm.

Das Herz pulsiert ab dem 4. Schwangerschaftsmonat. Am Ende wird mit dem entgültigen Ausbleiben des Herzschlages der Tod gleichgesetzt.

 

Täglich fördert das Herz bei einer Auswurffaktion von je rund 70 ml über die beiden Kammern jeweils etwa 6.000 Liter, beide Kammern zusammen also rund 12.000 Liter Blut. (Pro Tag!)

 

 

Normales EKG: mit P, Q, R, S und T-Welle als an der Körperoberfläche abgeleitetes elektrisches Abbild der Herzaktion.

 

 

 

Das Herz passt seine Schlagzahl und Schlagkraft den äußeren Erfordernissen äußerst flexibel an. Dieser außergewöhnlichen, meist unbemerkten Leistung wird man gewöhnlich erst dann gewahr, wenn das Herz an Funktionsfähigkeit einbüßt, sei es z. B. durch Unregelmäßigkeiten (Arrhythmien) oder Leistungseinbuße = Herzinsuffizienz (Insuffizienz = Schwäche).

 

Folgende krankhafte Bedingungen führen zu einem Verlust der gesunden Herzleistung und damit zu einem Absinken des Herzzeitvolumens (HZV):

  • Insuffizienz der Muskulatur (Myokardinsuffizienz)
  • Insuffizienz der Klappen (Klappeninsuffizienz)
  • Reizleitungsinsuffizienz
  • Angeborene Klappenfehler

 

 

Herztöne und Herzgeräusche

Türen zuschlagen macht krach. Bei der Auskultation des gesunden Herzens hört man die Anspannungstöne der Kammern und den Schließton der Klappen:

  • 1. Herzton = dumpfer Ton: Anspannung der Kammermuskulatur vermischt mit den Schließtönen der Segelklappen.
  • 2.  Herzton = Schluss der Taschenklappen.

Diese nennt man Herztöne.

 

Treten pathologische Befunde auf, werden diese als Herzgeräusche bezeichnet. Je nach vorliegender Störung kann es zu zahlreichen Geräuschen kommen wie Veränderungen des Rhythmus, Strömungsgeräuschen, Spaltung der Herztöne etc.

 

 

 

Merke daher:

  • Gesundes Herz = Herztöne
  • Krankes Herz = Herzgeräusche

 

 

 

Tachykardie = Herzjagen

Herzrhythmusstörung mit einem Anstieg der Herzfrequenz auf über 100 Schläge pro Minute.

 

Extreme Formen der Tachykardie sind das

  • Kammerflattern mit 200 bis 350 Schlägen pro Minute
  • Kammerflimmern mit 350 bis 500 Schlägen pro Minute.

Während beim Kammerflattern der Puls noch tastbar ist, findet beim Kammerflimmern kein Blutauswurf aus dem Herzen mehr statt, es gibt keine Pulswelle mehr. Das Kammerflimmern ist mit einem Herzstillstand gleichzusetzen und muss intensivmedizinisch wie ein solcher behandelt werden.

 

 

Bradykardie

Sinkt die Herzschlagfolge auf unter 60 Schläge pro Minute ab, so spricht man von einer Bradykardie. Hält dieser Zustand über längere Zeit an, wird heute oftmals ein Herzschrittmacher eingesetzt.

 

Häufige Auslöser der Bradykardie sind nicht selten Herzmedikamente, die den Blutdruck senken sollen.

 

Gut durchtrainierte Leistungssportler haben oft eine Bradykardie (Puls z. B. um 40), ohne dass dies als pathologisch anzusehen wäre.

 

Arrhythmie = Herzrhythmusstörung

Unregelmäßiger oder fehlender Rhythmus des Herzens. Auch Extrasystolen gehören mit dazu.

 

Hält die Arrhythmie über lange Zeit an und beeinträchtig die übrige Gesundheit, wird ein Herzschrittmacher (à Herzschrittmacher) eingepflanzt. Hierzu werden eine oder zwei Elektroden in das Herz vorgeschoben, welche mit einem Impulsgenerator die Herzmuskulatur zur geregelten Kontraktion anregen.

 

Bei einigen Menschen ist der Herzrhythmus von der Atmung abhängig. Hier spricht man von einer atemabhängigen Arrhythmie, was jedoch keine pathologische Störung darstellt.

 

In der Regel kommen auf einen Atemzug ca. 4 Herzschläge[1].

 

Herzinsuffizienz

Definition:

Unzureichende Leistung des Herzens, womit meistens eine Schwäche des Herzmuskels = Myokardinsuffizienz gemeint ist.

 

Ursachen:

  • Häufiger liegen die Ursachen für eine Insuffizienz außerhalb des Herzens als im Herzen selbst!

 

  • Kranke Gefäße, kranke Lungen, eine kranke Leber, ein kranker Darm und speziell ein kranker Dickdarm (à Roemheld-Syndrom; siehe Verdauungsorgane) sind die häufigsten externen Ursachen für eine Herzinsuffizienz.

 

  • Weiterhin können Blutkrankheiten, Schilddrüsenkrankheiten und die Folgen eines Schocks ebenfalls das Herz chronisch belasten.

 

  • Weitere sehr häufige Ursachen sind Medikamente. Dazu gehören leider nicht selten Herzmedikamente, die entweder zu hoch dosiert oder zu lange eingenommen wurden oder beides.

 

  • Kardiale Ursachen der Herzinsuffizienzen:

o        Im Endokard: Klappeninsuffizienz und / oder Klappenstenose

o        Im Myokard: Herzmuskelentzündung = Myokarditis

o        Im Perikard: Panzerherz durch Perikarditis

o        In den Herzkranzgefäßen: koronare Durchblutungsstörungen bis hin zum Herzinfarkt

o        Reizleitungsinsuffizienz durch Blockade reizweiterleitender Muskelfasern oder Bindegewebe im Herzen.

 

Symptome:

Allgemeine Symptome sind Herzstechen, Herzrasen, Unwohlsein, Übelkeit, Verdauungsstörungen, Blutdruckkrisen, Schmerzen in den Armen und / oder in der Brust sowie eine herabgesetzte Belastbarkeit.

 

Es können aber auch über lange Zeit gar keine Symptome auftreten, was meistens dann fehlinterpretiert wird. Wenn nun obendrein bei der klinischen Untersuchung „alle Herzwerte sind o. k.“ festgestellt wird, wird eine wichtige Phase, in der das Herz zwar stark angeschlagen, organisch aber noch intakt ist, für die Therapie verpasst.

 

Therapie:

  • So vielfältig, wie die Ursachen sein können, sollte sich jegliche Therapie hauptsächlich auf die Heilung oder Beseitigung dieser Ursachen konzentrieren, und nicht die Symptome am Herzen verdecken.
  • Die medikamentöse Therapie:
    • Nitroglycerin, Herzglycoside, Betablocker, ACE-Hemmer, ...
    • DDD: Digitales, Diuretika, Diät (= salzarme Kost)
    • Weißdorn und Strophantin zur Heilung des Herzmuskels

 

Linksherzinsuffizienz

Definition:

Kontraktionsschwäche der linken Herzmuskulatur mit unzureichender Leistung des linken Ventrikels. Die Vorstufe ist praktisch regelmäßig eine Linksherzhypertrophie mit anschließender Gefügedilatation, die Folge ist eine Volumenüberlastung des kleinen Kreislaufs. 

 

Ursachen:

Alle Krankheiten des Herzens, koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Hypertonie, Herzfehler.

 

Symptome:

Atemnot insbesondere im Liegen, Lungenstauung, Zyanose, Reizhusten (!), Asthma cardiale, Lungenödem, schaumiger Auswurf.

 

Therapie:

Die übliche Therapie ist medikamentös. Siehe Herzinsuffizienz.

 

Komplikationen:

Ein Herzinfarkt kann eine akute Linksherzinsuffizienz mit schlagartig entstehendem Lungenödem hervorrufen. Es entsteht Todesangst, hochgradige Atemnot, schaumiger Auswurf und Herzrasen.

 

 

 

Rechtsherzinsuffizienz

Definition:

Unzureichende Leistung des rechten Ventrikels, die zu einem Rückstau des Blutes im großen Kreislauf führen kann.

 

Ursachen:

Linksherzinsuffizienz, Herzinfarkt, Cor pulmonale, Lungenembolie, Herzmuskelkrankheiten, Herzfehler

 

Symptome:

Stauungen: Ödeme an den Füßen und Beinen, die nach dem Eindrücken bleiben, gestaute Beine, Stauungsleber, Nykturie (!)

 

Therapie:

Die übliche Therapie ist medikamentös. Siehe Herzinsuffizienz.

 

Komplikationen:

Linksherzinsuffizienz, globale Herzinsuffizienz

 

 


Angina pectoris

Definition:

Vorübergehende Insuffizienz der Koronargefäße

 

Ursachen:

  • Es besteht ein akutes Missverhältnis zwischen Sauerstoffangebot und Sauerstoffbedarf in der Herzmuskulatur.
  • Häufigste Ursache: Arteriosklerose

 

Symptome:

Engegefühl in der Brust. Typische Schmerzlokalisation!

 

Therapie:

Medikamentös: Nitroglycerin, Betablocker. Meist sind bis zur Notaufnahme die Symptome schon verschwunden. Daher ist „Ruhe bewahren“ oft die bessere Therapie, sofern man sich seiner Sache sicher ist, denn ...

 

 

Komplikationen:

Jeder Angina pectoris-Anfall ist grundsätzlich als Vorbote eines Herzinfarktes zu betrachten!

 

Differentialdiagnose:

Herzinfarkt.

 

Herzinfarkt

Definition:

Nekrose eines Teils der Herzmuskulatur

 

Ursachen:

Wie beim Angina pectoris Anfall

 

Symptome:

Wie beim Angina pectoris Anfall. Jedoch verschwinden die Symptome nach Einnahme von Nitroglycerin nicht.

 

Therapie:

  • Notfall! Krankenhaus. Dort werden Medikamente gegeben oder injiziert.
  • Herzschrittmacher

 

Komplikationen:

Tod durch Herzversagen.

 

Differentialdiagnose:

Angina pectoris


Herzschrittmacher

Unter diesem Begriff versteht man

1.          den physiologischen Herzschrittmacher Sinusknoten, der als Erregungsbildungszentrum des Herzens arbeitet,

2.          einen künstlichen Schrittmacher, der als elektronischer Impulsgenerator das Myokard stimuliert:

Ballonkatheter

Zur mechanischen Aufweitung einer arteriosklerotischen Arterie oder eines Herzkranzgefäßes wird ein Stent (= Gefäßstütze) in das betroffene Gefäß geschoben.

 

Anschließend wird der Ballon aufgeblasen und der Stent presst und die umliegenden Plaques in die Gefäßwand. Ein Filter verhindert, dass abgelöste Embolie tiefer in die Gefäße eindringen.

 

 

Schlaganfall, Herzinfarkt, Lungeninfarkt, Schockniere, Raucherbein

Grundsätzlich kann es in jedem Organ zum plötzlichen Gefäßverschluss oder, als entgegen gesetztes Phänomen, zu einer Massenblutung kommen.

 

Je nach Dauer, Stärke und Lokalisation kommt es dabei zum Untergang von Gewebe, und zwar „schlagartig“, „aus heiterem Himmel“, „unvorhersehbar“. Die Ursachen liegen aber oft schon Jahre zurück, Vorzeichen wurden missachtet.

 

 

  • Beim Herzen ist das der Herzinfarkt, verursacht durch einen plötzlichen Gefäßverschluss = Myokardinfarkt.

 

 

 

  • Beim Gehirn ist das der Schlaganfall = Insult[2]
    • Ischämischer Insult bei akuter Mangeldurchblutung der Blutgefäße im Gehirn (häufiger)

 

    • Hämorrhagischer Insult bei einer Massenblutung durch einen Gefäßriss (Gefäßruptur) (seltener).

 

 

 

 

  • Ein Embolus aus den Venen (meist aus einem Bein stammend) kann Teile der Lungengefäße plötzlich verschließen: Es folgt die Lungenembolie und dann der Lungeninfarkt.

 

 

 

 

  • Bei den Nieren ist das die Schockniere: akutes Nierenversagen bei hypovolämischem Schock

 

 

 

 

  • Bei der Entzündung mit Verschluss in einem arteriellen Gefäß im Oberschenkel ist das das Raucherbein (so benannt, da das Rauchen diesen Verlauf extrem begünstigt).


[1] Da es Anzeichen gibt, dass alle Tiere eine gleiche Anzahl von Atemzügen und damit auch Herzschlägen von der Geburt bis zum Tod haben, könnte jede pathologische Beschleunigung der Atemfolge bzw. der Herzschläge eine Verkürzung des Lebens zur Folge haben – und umgekehrt. - So werden Vermutungen angestellt, das jedes Tier (und so auch der Mensch) nach ca. 3 Milliarden Herzschlägen bzw. knapp 800 Millionen Atemzügen stirbt.

[2] engl. = stroke