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von Sebastian Bartning

 

Mit Säuren und Basen im Gleichgewicht leben

 

Im Normalfall sollte der Säure-Basen-Haushalt des menschlichen Körpers vollständig harmonisch und autonom funktionieren. Doch bei falscher Lebensweise und durch konsequent falsche Ernährung kann dieses feine Zusammenspiel ganz schön aus dem Gleichgewicht geraten. Allgemeines Unwohlsein, Depression und körperliche Erkrankungen aller Art können die Folgen davon sein.



Säuren, Basen und der pH-Wert

In jedem lebenden Organismus sind Säuren und Basen vorhanden; ohne dem gäbe es kein Leben. Und in allen tierischen Organismen, also auch im Menschen, besteht ein leichter Überschuss zu Gunsten der Basen. Alles andere wäre mit dem Leben nicht mehr vereinbar.

Säuren enthalten stets positiv geladene Wasserstoffionen. In Basen dagegen überwiegen die negativ geladenen Teilchen, die aus einem Wasserstoff- und einem Sauerstoffatom bestehen. Der Säure- bzw. Basengehalt wird mit dem so genannten pH-Wert angegeben. Gemessen wird dabei die Konzentration der Wasserstoffionen. Die Skala reicht von 0 bis 7 im sauren und von 7 bis 14 im basischen Bereich.

Beim pH-Wert 7 sind die positiv und negativ geladenen Teilchen im Gleichgewicht. Je nach Organ gibt es im Körperinneren unterschiedliche pH-Werte. Die Magensäure ist typischer Weise sauer, denn hier wird Salzsäure produziert. Im Speichel und im Zwölffingerdarm sollte besser ein basisches Milieu bestehen, sonst kommt es zu Entzündungen. Und im Blut liegt der gesunde ph-Wert zwischen 7,35 und 7,45. Das zeigt, dass die Säure-Basen-Bilanz des Blutes von einem ausgeklügelten System reguliert wird und bereits geringe Abweichungen zu Komplikationen führen können, starke Abweichungen müssen sogar intensivmedizinisch behandelt werden.

Säuren entstehen stets im Körper, wenn Eiweiß verdaut wird: die Harnsäure. Bei gepökeltem Fleisch kommen noch Phosphorsäure und Salpetersäure hinzu. Und bei jedem Stoffwechsel in den Körperzellen werden wiederum Säuren freigesetzt: Zitronensäure und Milchsäure.

Zu wenig Bewegung behindert leider den Abtransport dieser Säuren und sie werden vorrangig im Bindegewebe zwischengelagert. Allerdings gibt es auch genetisch- oder krankheitsbedingte Störungen des Säure-Basen-Haushaltes, zum Beispiel ein eingeschränktes Funktionieren der basensteuernden Organe wie der Bauchspeicheldrüse, der Gallenblase oder der Leber. Magen- und Nierenerkrankungen können ebenfalls zur Übersäuerung führen. Leider fördern auch Säureblocker die Übersäuerung des Gewebes.



Eine gute Atmung reguliert den Säure-Basen-Haushalt

Der Körper setzt drei Kontrollmechanismen ein, um den Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht zu halten. Überschüssige Säuren werden über die Nieren ausgeschieden. So genannte pH-Puffer im Blut sorgen dafür, dass bei plötzlichen Säurefluten das innere Milieu harmonisch bleibt. Und schließlich wird durch die Ausatmung dafür gesorgt, dass Säuren ausgeschieden werden: Kohlensäuren verlassen den Körper in Form von Kohlendioxid. Das Atemzentrum im Gehirn und die Lungen kontrollieren den pH-Wert des Blutes permanent, indem sie die Tiefe und die Frequenz der Atmung an die Notwenigkeit der Säureabatmung anpassen. Bei vertiefter Atmung sinkt der Kohlendioxidgehalt des Blutes und es wird relativ basischer. Wird die Atmung flacher, steigt der Kohlendioxidgehalt des Blutes und es wird wieder saurer.



Gicht und Rheuma

Einige Erkrankungen, die auf Störungen des Säure-Basen-Haushaltes zurückgehen, sind seit langem bekannt, wie zum Beispiel die Gicht. Sie entsteht durch die Einlagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken und im Gewebe, welche sich entzünden und dann schmerzen können. Gichtknötchen bilden sich. Das Zipperlein, wie der Volksmund diese Krankheit auch nennt, gilt als ausgesprochene Wohlstandskrankheit, weil der Harnsäurespiegel durch dem Verzehr von zu viel Fleisch und Wurst ansteigen kann.

Harnsäure entsteht, wenn tierische Eiweiße abgebaut werden. In Kombination mit Alkohol steigt die Harnsäure noch weiter an, ganz gleich, ob der Alkohol getrunken oder in einem kranken Darm durch Autodestille selbst gebildet wird. Bei Vegetariern dagegen ist die Gicht fast unbekannt. Das liegt daran, dass pflanzliche Eiweiße den Körper kaum belasten. Dennoch setzt sich in der Medizin die Idee, dass eine chronische Übersäuerung der Gelenke und des Bindegewebes die Folge einer falschen Lebensweise ist, nur sehr langsam durch.



Ständig „sauer“?

Auch ohne Gicht oder die Veranlagung dazu trägt eine ständige unterschwellige Übersäuerung dazu bei, dass man sich unwohl fühlt oder sogar krank wird. Zu viele Säuren reichern sich im Bindegewebe an und beeinträchtigen dort die Durchblutung und die Selbstheilung erheblich.

Ist der Speicherplatz im Bindegewebe gefüllt, lagern sich die überschüssigen, nicht ausgeschiedenen Säuren in Gelenken und in den Organen ab. Damit gehören Muskelverspannungen, Rücken- und Nackenschmerzen zu den deutlichsten Symptomen. Häufiges Sodbrennen, Magenschleimhautentzündungen, ständige Erschöpfung oder Schlafstörungen können Folgen der Übersäuerung sein. Abhilfe schafft auf längere Sicht eine konsequente Ernährungsumstellung auf basenreiche Nahrung, moderate Bewegung, gutes Atmen und angemessene Ruhe. Ziel sollte es sein, eine Balance zwischen säure- und basenbildenden Lebensmitteln zu schaffen.

Dazu ist es hilfreich, sich einen Überblick über die unterschiedlichen Eigenschaften der verschiedenen Lebensmittel zu verschaffen.



Vier Gruppen von Nahrungsmitteln (Beispiele):

1. Basenlieferanten sind:

  • Biologisch angebautes Gemüse und insbesondere Kartoffeln
  • Vollreif geerntetes Obst
  • Brauner Reis, Hirse, Mais, Amaranth, Quinoa etc.
  • viele Kräuter

2. Neutrale Lebensmittel sind:

  • Nativ gepresste Öle (veraltete Bezeichnung: kalt gepresste Öle)
  • Butter
  • Zahlreiche Nüsse
  • Gutes, unbelastetes Wasser ohne Kohlensäure

3. Säurebildner sind die Lebensmittel, die selbst keine Säuren enthalten, jedoch im Stoffwechsel Säuren bilden:

  • Jeder weiße Zucker und alle zuckerhaltige Süßigkeiten
  • Brot und Brötchen aus Weißmehl
  • Nudeln und Teigwaren aus weißem Mehl
  • Polierter Reis
  • Kaffee und schwarzer Tee
  • Alkohol

4. Säurelieferanten sind:

  • Fleisch
  • Fisch
  • Eier
  • Alle Geflügel
  • Alle Milchprodukte wie Trinkmilch, Quark, Jogurt, Käse aller Art




Gut gekaut ist halb verdaut

Die meisten Menschen ernähren sich heutzutage säureüberschüssig. Diese ungesunde Ernährungsweise wird noch dadurch verstärkt, dass viele Lebensmittel und Nahrungsmittel zu hastig gegessen und nicht richtig gekaut werden. Denn die Verdauung beginnt tatsächlich bereits mit dem Zerkauen im Mund.

Die Speichelflüssigkeit ist normaler Weise leicht basisch und beim gründlichen Zerkleinern der Nahrung wird viel Speichel gebildet. Säuren können so besser gepuffert werden. Dazu kommt, dass eine Mischung von Halbverdautem und Unverdautem zu Sodbrennen und Übersäuerung im Magen führt. Weiterhin entstehen Gärungsgase im Darm. Die Bildung von Fuselalkoholen ist die Folge, die Leber wird unnötig belastet.

Wer daher der Säurestarre in seinem Körper vorbeugen will, sollte sich zum größeren Teil von basenreichen Lebensmitteln ernähren. Und natürlich stets gut kauen.



Basenbildner halten jung

Inzwischen hat herumgesprochen das eine ausgeglichene Säure-Basen-Balance auch jung und frisch hält. Das Leben macht mehr Spaß, man ist leistungsfähiger, hat mehr Ausdauer und Reserven. Das seelische Sauer-sein kommt ebenfalls von einer säurefördernden Lebensweise. Ärger, Wut und Stress fördern den Aufbau von Säuren: Adrenalin wird ausgeschüttet, Milchsäure wird gebildet, der Körper mobilisiert seine Reserven, koste es, was es wolle.

Viel Bewegung, die den Abtransport von überschüssigen Säuren und Giftstoffen aus dem Körper unterstützt, gehört ebenso dazu wie der Verzicht auf ein zu spätes Abendessen, um die Bildung von den oben genannten Gärungsgasen zu vermeiden.



Biologisch angebaute Lebensmittel sind gesünder

Eine ruhige und ausgeglichene Lebensweise senkt nicht nur beim Autofahren Ihren Spritverbrauch und mindert damit den sauren Regen, sie verbessert auch den Zustand im Gewebe, schont die Emotionen und fördert einen ruhigen, ausgeglichenen Geist. Hierdurch werden die Selbstheilungskräfte im Körper besser eingesetzt und die Entstehungswahrscheinlichkeit von Krankheiten wie Rheuma, Gicht, Krebs und Allergien kann deutlich gemindert werden.

Bevorzugen Sie biologisch angebaute Lebensmittel. Die Gesundheit fängt nicht auf dem Teller an, sondern beim Anbau. Lassen Sie es sich gut schmecken. Denn gesunde Nahrung schmeckt nicht nur gut, sondern sie ist auch gesund für die Umwelt: eine basenüberschüssige Lebensweise ist praktizierter Umweltschutz in jeder Beziehung.