Erkrankungen des Bewegungsapparates

Arthritis

Definition

Sammelbegriff für Entzündungen der Gelenke. Es gibt über 100 verschiedene Arten von Arthritis.

 

Die häufigsten Formen sind

  • Osteoarthritis: Verschleiß des Gelenkknorpels; häufig betroffen sind Knie, Hüfte und Wirbelsäule.
  • Rheumatoide Arthritis: Autoimmunerkrankung; meist sind Gelenke wie Finger-, Hand-, Fußgelenke betroffen.
  • Gicht: Ablagerung von Harnsäurekristallen; meist im Großzehgrundgelenk, Sprung-, Knie-, oder Handgelenk.

 

Symptome

  • Gelenkschmerzen, Steifheit, Schwellung, Rötung
  • eingeschränkte Beweglichkeit
  • begleitend können Fieberschübe und grippeähnliche Symptome auftreten

 

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach der Art der Arthritis

  • Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente
  • Physiotherapie, Massagen, Polarity-Therapie, Craniosacral-Therapie
  • Wickel, Umschläge, Retterspitz, Heilerde, AION A-Heilgestein

Ruhephasen zur Unterstützung der Heilung

 

Arthritis wird unterschiedlich klassifiziert

  • nach Ort oder Anzahl der betroffenen Gelenke
    • Gonarthritis: Kniegelenk[1]
    • Monoarthritis = Monarthritis: ein Gelenk betroffen
    • Polyarthritis: viele Gelenke betroffen
  • nach den Ursachen wie infektiös, rheumatoid, Gicht, nach Verletzungen oder Traumata
  • gemäß dem Verlauf
    • akute Arthritis: plötzlich auftretend mit starken Schmerzen und Schwellung
    • subakute Arthritis: zwischen akut und chronisch
    • chronische Arthritis: über 6 Wochen bis Jahre anhaltend

 

Akute Arthritis

verheilt nach kurzer Dauer

Chronische Arthritis

kann nach Wochen vollständig ausheilen, ohne Degenerationen zu hinterlassen, aber auch Jahre bis jahrzehntelang bestehen bleiben

 

Differentialdiagnose

  • Kälte lindert, daher kühle Gelkissen, Pferdesalbe, kühles Wasser
  • Typisch ist eine Verschlimmerung der Symptome bei Belastung

Arthrose

Definition

Chronische, degenerative Gelenkerkrankung mit fortschreitendem Verschleiß des Gelenkknorpels.

 

Symptome

  • Schmerzen mit Steifheit und eingeschränkter Beweglichkeit der Gelenke
  • Dauerschmerzen, Gelenkgeräusche oder Knochenwucherungen können auftreten
  • häufig betroffen sind Knie, Hüfte, Hände, Wirbelsäule

 

Ursachen und Entwicklung

  • Überlastungen oder Verletzungen
  • Alterungsprozesse, Bewegungsmangel, Fehlbewegung

 

Einteilungen ebenfalls uneinheitlich; nach Ort oder Ursachen

  • Gonarthrose[2] eines Gelenks
  • primäre Arthrose: Sport, Übergewicht, Schwerstarbeit, Alterung, Stoffwechselstörungen, Traumata
  • sekundäre Arthrose: nach nicht ausgeheilter akuter Arthritis, durch rheumatische Gelenkleiden, Wachstumsstörungen, Knorpelerosionen

 

Das Gelenk degeneriert. Eine Verbesserung der Gewebe wie Knochen, Knorpel, Synovia sind in der Regel nur durch erhebliche Veränderung von Lebensgewohnheiten wie gesunde Ernährung, veränderte Belastung, Yoga, Entspannung und Fasten erzielbar.

 

Therapie

  • Wasseranwendungen wie Kneipp- oder Prießnitz-Wickel
  • Weißkohlwickel, Retterspitz-Wickel
  • Heilerde-Wickel, AION A-Wickel
  • Yoga, Bewegung, Bewegungstherapie
  • Physiotherapie, Massagen, Wassergymnastik
  • Polarity-Therapie, Cranio-Sacral-Therapie
  • Teufelssalbe heiß durchwärmt stark[3]
  • künstliches Gelenk = Endoprothese; Knorpelzüchtung

 

Differentialdiagnose

  • Wärme lindert, daher warme Gelkissen, warmes Wasser, Umschläge, durchwärmende Salben oder Wärmflasche
  • Verschlimmerung der Schmerzen nach Ruhepausen
  • typischer Anlaufschmerz
  • die Beschwerden lassen unter Belastung nach, bis ein Maximalpunkt erreicht wird, ab dem sie erneut zunehmen

 

Arthritis

Bewegung verschlimmert

Arthrose

Bewegung verbessert bis zu einem Maximalpunkt

Rheumatische Erkrankungen
Rheuma, Rheumatismus, Rheumatischer Formenkreis

 

Definition

Der Begriff Rheuma stammt aus dem Griechischen (fließen, strömen) und beschreibt ursprünglich nur Symptome, nicht aber spezifische Erkrankungen. Moderne Begriffe wie rheumatische Erkrankungen umfassen entzündliche, degenerative und andere Formen rheumatischer Beschwerden.

 

Der Begriff Rheuma stellt keine präzise Diagnose dar.

 

Die Diagnose Rheuma wird heutzutage als veraltet und ungenau angesehen. Sie kann bei Betroffenen Ängste auslösen, ähnlich wie die Diagnose Krebs, weshalb der Begriff mit Bedacht verwendet werden sollte. In der Praxis wird er öfters als Verlegenheitsdiagnose genutzt, was zu Missverständnissen und auch Fehlbehandlungen führen kann.

 

Moderne Bezeichnungen wie rheumatische Erkrankungen oder rheumatoide Erkrankungen werden bevorzugt, da sie die Vielfalt und Komplexität dieser Krankheitsbilder vielleicht etwas präziser bezeichnen. Sie umfassen sowohl entzündliche als auch degenerative rheumatischer Erkrankungen, die jeweils spezifische Diagnosen und individuell angepasste Behandlungsansätze erfordern.

 

Klassifizierung

  • entzündlich-rheumatische Erkrankungen
  • rheumatoide Arthritis
  • degenerativ-rheumatische Erkrankungen wie die Arthrose
  • extraartikuläre rheumatische Erkrankungen wie Fibromyalgie

Aufgrund des Durcheinanders bei den Bezeichnungen hat die Schweizer Rheumaliga an Stelle älterer Einteilungen eine rheumatologische Nomenklatur festgelegt. Dort werden 16 Basis-Krankheiten aufgelistet, die unter die Sammelbezeichnung Rheuma fallen.

 

Therapie

Es gelten therapeutisch dieselben Ansätze wie bei Arthritis und Arthrose.

 

 

Morbus Bechterew = Spondylitis ankylosans

Definition

Chronisch entzündliche Erkrankung der Wirbelgelenke mit fortschreitender Versteifung der Wirbelsäule.

 

Ursachen

Die Ursachen für Entzündungen und spätere Versteifungen der Wirbelgelenke sind unbekannt. Überwiegend sind junge Männer betroffen, seltener Frauen.

 

Symptome

  • nächtliche Schmerzen und Morgensteifigkeit im Bereich der Lendenwirbelsäule
  • fortschreitende Einschränkung der Beweglichkeit bis zur völligen Versteifung mit Kyphose
  • Schober-Zeichen positiv [4]

 

Therapie

  • Physiotherapie und Krankengymnastik zur Erhaltung der Beweglichkeit
  • medikamentöse Behandlung, oft Cortison
  • eine Heilung ist nicht möglich

 

Morbus Scheuermann

Definition

Wachstumsstörung der Wirbelsäule im Jugendalter mit übermäßiger Kyphose.

 

Symptome

  • Rückenschmerzen und Bewegungseinschränkungen
  • es können sowohl Mädchen als auch Jungen betroffen sein; Jungen erkranken jedoch häufiger als Mädchen
  • ausgeprägter Rundrücken

 

Ursachen

  • unbekannt
  • die Erkrankung bleibt nach Abschluss des Wachstums bestehen
  • hormonelle, konstitutionelle und vererbte Faktoren werden vermutet

 

Verlauf

Es kommt zu Wachstumsstörungen an den Wirbelköper-Bandscheiben-Grenzen mit späterem Einbruch der Deckplatten.

 

 

Therapie

  • Physiotherapie, Krankengymnastik, Atemübungen
  • Schmerzlinderung
  • bei Bedarf Korsettunterstützung
  • Schwimmen
  • keine schweren Gewichte tragen, Belastungen meiden

 

Halswirbelsäulen-Syndrom
Lendenwirbelsäulen-Syndrom
Schulter-Arm-Syndrom

 

Definition

Alle diese Diagnosen sind Verlegenheitsdiagnosen, die lediglich wiedergeben, was die Klientin oder der Klient vorab beschrieben hat. Daher sind derartige Begriffe als echte Diagnosen eher wenig tauglich, können aber für die Symptombeschreibung in der Anamnese, also für die Erhebung der Krankheitsgeschichte, gut verwendet werden.

 

Bestehen Schulter- und Rückenbeschwerden über längere Zeit oder treten sie wetterabhängig auf, mal stärker und mal schwächer, und womöglich an verschiedenen Stellen im Körper, kommt es schnell, vielleicht sogar vorschnell, zur Diagnosestellung HWS-, LWS- oder Schulter-Arm-Syndrom.

 

Diskusprolaps
Bandscheibenprolaps, Bandscheibenvorfall

 

Definition

Vorwölbung des gallertartigen Kerns der Bandscheibe durch den Faserring.[5]

 

Folgt auf die Diagnosebenennung Prolaps keine weitere Angabe, ist der Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) gemeint. Hierbei ist der gallertartige Kern (Nucleus pulposus) aus der Zwischenwirbelscheibe (Anulus fibrosus) hervorgetreten.

 

Lokalisation

  • meist in der Lendenwirbelsäule
  • alle Bandscheiben können betroffen sein

 

Symptome

  • Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in Beine, Arme, Füße, Hände
  • Sensibilitätsstörungen bis hin zu Lähmungen
  • Bewegungseinschränkungen, Schonhaltungen
  • halb- bis beidseitige Querschnittslähmung

 

Therapie

  • konservative Therapie wie Bewegungsübungen
  • Physiotherapie, Ergotherapie
  • Gewichtsreduktion, Bewegungsbäder
  • OP

 

Differentialdiagnose

  • Lumbago (Hexenschuß)
  • Polyneuropathie
  • alle Ursachen für Rückenschmerzen

 

 

 

Lumbago = Hexenschuss

Definition

Leichte bis bewegungseinschränkende Schmerzen durch muskuloskelettale Verspannungen.

 

Ursachen

  • schlechtes, falsches Sitzen
  • berufliche Fehlhaltungen wie bei zahnärztlichen Tätigkeiten
  • Verletzungen nach Sturz
  • Übergewicht, Schwangerschaft
  • chronischer Stress
  • Inaktivität, Bettlägerigkeit
  • plötzlich auftretende Verspannungen der Muskulatur „aus dem Nichts heraus“ (wie verhext), die aber in der Regel schon eine längere Vorgeschichte hatten
  • Prolaps
  • Skoliose 

 

Therapie

  • Wärme, Massagen, Polarity-Therapie
  • Schmerzmittel
  • jede konservative Therapie sollte zumindest lindern
  • tritt keine Linderung ein, sollte weiter diagnostiziert werden

 

Differentialdiagnose

  • Diskusprolaps
  • alle Ursachen für Rückenschmerzen

 

Schleudertrauma = Peitschenschlag-Phänomen

Verletzungen im Bereich der HWS, meist durch Verkehrsunfälle. Auf Grund vieler passiver Sicherheitsmaßnahmen abnehmend.[6]

 

Symptome

  • typischerweise treten Beschwerden erst Tage nach dem Unfall, Sturz oder Stoß auf
  • Nackensteife, Kopfschmerzen, Tinnitus, Schwindel, Übelkeit
  • einige dieser Symptome können jahrelang über die organische Abheilung hinaus bestehen bleiben und erst durch Auflösung des psychischen Traumas abklingen
  • permanente Muskelverspannungen und Gelosen können neue chronische Folgekrankheiten hervorbringen

 

Therapie

  • Wärme, Massagen, Polarity-Therapie
  • OP oder konservative Begleitung

 

Borreliose = Lyme-Borreliose

Definition

Sammelbegriff für eine Gruppe von Infektionskrankheiten, die durch Bakterien der Gattung Borrelia verursacht werden. Diese Bakterien gehören zur Gruppe der Spirochäten. Sie sind schraubenförmig und sehr beweglich.[7]

 

Sehr verbreitet ist die Lyme-Borreliose, welche vor allem in Europa und Nordamerika auftritt und durch das Bakterium Borrelia burgdorferi ausgelöst wird.

 

Ursache

  • Zecken
  • inzwischen auch Pferdebremsen und Stechmücken

 

Symptome

  • Nach einer Inkubationszeit von einer Woche kommt es rasch zu einem schweren Krankheitsbild mit Kopf-, Glieder- und Rückenschmerzen sowie Fieber und Lebervergrößerung. – Oder auch nicht...
  • An der Eintrittsstelle kommt es zur Rötung mit typischem Hof, der größer wird (Wanderröte). – Oder auch nicht...
  • Das Bakterium ist sehr beweglich und verweilt nicht am Ort, also im Zentrum des Einstiches. So kommt es zur Hofbildung.

 

  • Nach Tagen oder Wochen verschwindet die Rötung und heilt ab.
  • Bei weiterer Wanderung der Erreger kommt es zu rheumatischen Beschwerden, Gehirnhautentzündung und ständigem Krankheitsgefühl.
  • Borreliose ist der Affe unter den Krankheiten.

 

Therapie

  • Antibiotika (Doxycyclin®)
  • Wilde Karde[8]

 

Komplikationen

  • Gelenkbeschwerden
  • Nierenschädigungen
  • Pneumonie
  • Nervenschädigungen

 

Differentialdiagnose

  • Es kommt häufig zu Fehldiagnosen wie Grippe, Rheuma oder Polyarthrose, was eine schnelle Therapie behindert oder verhindert.
  • Der Nachweis wird mit verschiedenen Blutuntersuchungen erbracht.

 

Osteoporose

Definition

  • Verminderung der Knochendichte mit erhöhter Bruchgefahr (poros = löcherig, porös)
  • Das Verhältnis zwischen Mineralien und organischen Elementen bleibt bei der Osteoporose unverändert.

 

Ursachen

  • anhaltender Bewegungsmangel wie bei langer Bettlägerigkeit
  • langanhaltende sitzende Tätigkeiten
  • Nebenwirkung vieler Medikamente bei längerer Einnahme[9]
  • hormonelle Krankheiten, die die Knochen angreifen wie Morbus Cushing, Hyperthyreose

 

Reiner Calciummangel führt nicht zur Osteoporose, sondern zur Osteomalazie. Das Klimakterium führt, entgegen anderen Aussagen, nicht zur Osteoporose, kann aber zeitgleich oder zeitnah auftreten.

 

Symptome

  • Schmerzen
  • es kommt leicht zu Knochenbrüchen und Spontanfrakturen

 

Therapie

  • Prävention durch Bewegung
  • kalziumreiche Ernährung (Tabellen )

 

 

Osteomalazie

Definition

Mangelnder Einbau von Mineralstoffen mit erhöhter Verformbarkeit der Knochen (malacia = Weichheit). Das Verhältnis zwischen Mineralien und organischen Elementen ist gestört.

 

Ursachen

  • Rachitis[10] durch gestörte Mineralisation bei Mangel an Vitamin D, Kalzium, Phosphat
  • Stoffwechselstörungen wie Morbus Crohn, Tumore
  • Medikamentennebenwirkungen wie Antiepileptika
  • chronische Mangel- und Fehlernährung

 

Wahrscheinlich liegt eine Osteomalazie häufig unerkannt vor.

 

Symptome

  • diffuse Skelettbeschwerden
  • Trichterbrust, falls während der Wachstumsphase entstanden
 

[1] Bei Entzündung mancher Gelenke wird der Name des Gelenks vorangestellt:
Gonarthritis = Kniegelenksarthritis, Spondylarthritis = Wirbelgelenksarthritis,
Coxarthritis = Hüftgelenksarthritis

[2] Bei Gelenksarthrosen kann der Name des Gelenks vorangestellt werden
Gonarthrose = Kniegelenksarthrose
Spondylarthrose = Wirbelgelenksarthrose
Coxarthrose = Hüftgelenksarthrose

[3] Achtung, nicht versehentlich in die Augen reiben

[4] Das Schober-Zeichen ist ein Funktionstest, der die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule in der Vorwärtsneigung überprüft. Markiere an der Wirbelsäule den Dornfortsatz von S1 und einen Punkt 10 cm darüber bei aufrechtem Rücken. Die Person beugt sich anschließend maximal nach vorne: Eine Zunahme des Abstands von 4 cm oder weniger weist auf eine eingeschränkte Beweglichkeit hin und wird Schober-positiv genannt.

[5] Weitere Vorfälle sind der Blasen-Prolaps, Uterus-Prolaps, Anal-Prolaps, Rektum-Prolaps. Lapsus = Vorfall; Fehler.

[6] Hierzu gehören Fahrradhelme, Integralhelme, Kopfstützen, Sicherheitsgurte, Airbags und Knautschzonen.

[7] Spirochäten sind außergewöhnlich beweglich und besitzen eine einzigartige Fortbewegungsweise, die sie von anderen Bakterien unterscheidet. Ihre besondere Beweglichkeit ermöglicht es ihnen, sich auch in hochviskosen, gelartigen Geweben fortzubewegen, in denen andere begeißelte Bakterien feststecken würden.

[8] Borreliose natürlich heilen, Dr. Wolf Dieter Storl. Beschreibung der Pflanze und Therapie mit der Wilden Karde

 

[9] Cortison und Derivate, Heparin, Antiepileptika, Immunsuppressiva, Schilddrüsenhormone, Säureblocker, Chemotherapeutika

[10] Rachitis = wörtlich Krankheit des Rückgrats (gr.); es liegt keine Entzündung vor