Bewegungsapparat
Der Bewegungsapparat ist ein komplexes Organsystem, das dem Körper Stabilität verleiht und bewusst gesteuerte, kontrollierte Fortbewegungen ermöglicht.
Durch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel passiver Strukturen wie Knochen, Bändern und Gelenken sowie aktiver Elemente wie Muskeln und Sehnen werden gezielte Bewegungen ermöglicht. So kann sich der Körper sowohl aktiv bewegen als auch passiv-stabil gegenüber äußeren Kräften verharren. Faszien spielen eine Sonderrolle, indem sie sich sowohl aktiv als auch passiv verhalten.
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Passive Strukturen |
Aktive Strukturen |
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Knochen |
Muskeln |
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Bänder |
Sehnen |
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Gelenke |
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Faszien |
Faszien |
Muskeln und Knochen ermöglichen nicht nur die Bewegung des Körpers, sondern stabilisieren ihn auch gegenüber äußeren Kräften wie Gravitation, Fliehkräften, Luftdruck sowie mechanischen Belastungen wie Stoß, Druck und Zug.
- passiver Bewegungsapparat
- 212 Knochen und Gelenke[1]
- Knorpel und Bänder
- aktiver Bewegungsapparat
- 650 quergestreifte Muskeln und ihre Sehnen
- aktive und passive Faszien
- ungezählt viele oberflächliche, tiefe und viszerale[2] Faszien
Faszien
Faszien bestehen aus Bindegewebe. Sie sind passiv, aktiv, speichernd und sensorisch. Damit nehmen sie eine Sonderrolle im Bewegungsapparat ein.
- Passiv-verbindend gewährleisten Faszien Struktur, Stabilität und Schutz. Sie bieten starke Kraftübertragungen zwischen Muskeln und Knochen.
- Aktiv-verstärkend bewirken Faszien eine Vorspannung der Sehnen und fördern rasche Start-Bewegungen.
- Kollagenhaltige Faszien speichern Wasser, Säuren und Metabolite. Sie können von hochelastisch (Sol-Zustand) bis hin zu verhärtet und verfilzt (Gel-Zustand) sein.
- Rezeptoren innerhalb der Faszien messen Druck, Schmerz und Körperpositionen. Sie leiten diese sensorischen Informationen an das Nervensystem weiter. Damit sind sie über ihre Propriozeptoren wie Muskelspindeln wesentlich an der Tiefensensibilität beteiligt.
Passiver Bewegungsapparat
Der Passive Bewegungsapparat umfasst alle Strukturen des Körpers, die keine Eigenbewegung ausführen. Dazu gehören Knochen, Bänder, Gelenke, Knorpel und Bandscheiben sowie bedingt auch Faszien. Knochen und Gelenke bilden das Skelettsystem und geben dem Körper Form, Halt und Schutz gegenüber Kräften von außen.
Knochenaufbau
Knochen sind von Knochenhaut (Periost) umgeben, welche in Sehnen und Bänder übergeht. Dieser Übergang ermöglicht eine feste Verbindung zwischen Knochen und Muskeln und wird Sehne genannt.
Knochenarten
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Namen |
Beispiele |
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Röhrenknochen |
Ober- und Unterschenkelknochen, Ober- und Unterarmknochen |
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Platte Knochen |
Rippen, Schädelknochen, Beckenknochen, Brustbein |
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Kurze Knochen |
Fuß- und Handwurzelknochen |
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Sesambeine[3] |
Kniescheiben |
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Unregelmäßige Knochen |
Wirbelknochen, Unterkieferknochen |
Knochenverbindungen
Knochen sind über Gelenke miteinander verbunden.
- Unechte Gelenke sind miteinander durch Bänder, Knorpel oder Knochen verhaftet und relativ unbeweglich oder nur gelegentlich beweglich. Sein Kennzeichen ist:
- Bandhaft
- Beispiele: Schambeinfuge, Schädelknochen
- Bandhaft
- Echte Gelenke besitzen einen Gelenkspalt und damit eine räumliche Trennung zwischen den beteiligten Knochen. à
Seine Kennzeichen sind:
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- Gelenkflächen mit Knorpel
- Gelenkhöhle mit Gelenkkapsel und Gelenkflüssigkeit
- Menisken im Knie, Zwischenwirbelscheiben
- Beispiele: Kniegelenk, Wirbelsäule, Kiefergelenk
- Eine Ausnahme bilden die Sesambeine. Sie sind nie gelenkig verbunden, sondern werden durch Muskeln und Bänder gehalten.
- Beispiele: Kniescheibe, Zungenbein
Echte Gelenke werden nach ihrem Bewegungsradius gegliedert.
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Abb. |
Gelenkart |
Beispiel & Bewegungsradius |
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1 |
Kugelgelenk |
Hüftgelenk drei Bewegungsebenen |
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2 |
Eigelenk |
Handgelenk zwei Bewegungsebenen |
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3 |
Sattelgelenk |
Daumengelenk zwei Bewegungsebenen |
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4 |
Scharniergelenk |
Ellenbogengelenk eine Bewegungsebene |
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5 |
Zapfengelenk |
Drehgelenk des Kopfes auf dem 2. Halswirbel eine Bewegungsebene |
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Plane Gelenke |
Kleine Wirbelgelenke mit einer geringfügigen Verschieblichkeit |
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- |
Straffe Gelenke |
Kreuzbein-Darmbein-Gelenk geringe Beweglichkeit |
Wirbelsäule = Columna vertebralis
Die Doppel-S-förmige Krümmung der Wirbelsäule ermöglicht eine Abfederung des empfindlichen Kopfes beim Gehen und Springen. Die Vorwölbung wird Lordose genannt (HWS und LWS), die Hintenwölbung Kyphose (BWS).
Eine krankhafte seitliche Beugung der Wirbelsäule ist die Skoliose.
Die Wirbelsäule gliedert sich in fünf Abschnitte:
Abschnitte der Wirbelsäule
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Wirbelknochen |
Wirbelknochen |
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Vertebra cervicales mit C1 bis C7 |
7 Halswirbel mit Atlas, Axis und Prominens |
C1 – C7 |
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Vertebra thoracicae mit Th1 bis Th12 |
12 Brustwirbel |
Th1 – Th12 |
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Vertebra lumbales mit L1 bis L5 |
5 Lendenwirbel |
L1 – L5 |
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Os sacrale |
5 Kreuzbeinwirbel |
S1 – S5 |
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Os coccygis |
4 - 5 Steißbeinwirbel |
Co1 – Co4 bis 5 |
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33 - 34 Wirbel[4] |
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Auf der Wirbelsäule ruht der Schädel.
Aufbau eines Wirbelknochens
- Der Wirbelkörper trägt die Hauptlast des Körpers. Seine Deck- und Grundplatte sorgen für die Verbindung zu den Bandscheiben.
- Der Wirbelbogen schließt sich an den Wirbelkörper an und bildet das Wirbelloch.
- Das Wirbelloch (Foramen vertebrale) ist die zentrale Öffnung jedes Wirbels. Die übereinanderliegenden Wirbellöcher bilden den Wirbelkanal (Canalis vertebralis) mit Rückenmark.
- Vom Wirbelbogen gehen sieben Knochenfortsätze ab:
- Ein Dornfortsatz (Processus spinosus): mittig, nach hinten gerichtet, gut tastbar
- Zwei Querfortsätze (Processus transversi): seitlich nach rechts und links abgehend
- Vier Gelenkfortsätze bieten die Gelenkflächen zu den Nachbarwirbeln
- Diese Gelenke sind echte Gelenke
Bandscheiben (Zwischenwirbelscheiben) verbessern und dämpfen zwischen den Wirbelknochen die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Sie fungieren als stoßdämpfende Polster und verteilen Belastungen gleichmäßig auf die Wirbelsäule. Dadurch wird das Risiko von Abnutzungserscheinungen und Verletzungen der Wirbelkörper reduziert.
Rückenstrecker
Die Wirbelsäule wird durch zahlreiche kleine Rückenstreckermuskeln aufrechterhalten, welche fischgrätenartig von Wirbel zu Wirbel gespannt sind. Durch ihre spezielle Anordnung sind sie in der Lage, die Wirbelsäule zu beugen und zu strecken. (Vergleiche hierzu auch Seite 10.)
Atlas und Axis
Der 2. Halswirbel (Axis) besitzt einen Zahn (Dens axis), der senkrecht nach oben ragt und durch den Ring des
1. Halswirbels (Atlas) führt. Dieser bildet einen Drehzapfen und ermöglicht eine Teilrotation des Kopfes um die eigene Achse sowie das Nicken.
Auf Atlas und Axis lagert auf Gelenkflächen der Schädel und das Hinterhauptbein. Zwischen diesen Gelenkflächen befindet sich das Hinterhauptsloch (Foramen magnum), durch das der Wirbelkanal verläuft und das Rückenmark aus dem Spinalkanal in die Schädelhöhle eintritt, wo es in das Gehirn übergeht.
Brustkorb
Der Brustkorb (Thorax) umschließt die Brustorgane Herz und Lungenflügel und besteht aus Brustwirbeln, Rippen und Brustbein. Er bildet durch seine Muskeln und knöchernen Strukturen ein Gegenlager für die Atemmechanik und Aufrechterhaltung des Unterdrucks der Lungen. Gleichzeitig schützt er das Herz, die großen Blutgefäße und Lymphbahnen.
Die Einatmung erfolgt unter Anspannung der Atemmuskulatur und bei Bedarf zusätzlich der Atemhilfsmuskulatur. Dabei wird das Zwerchfell abgesenkt und der Brustkorb erweitert. Es entsteht ein Unterdruck im Pleuraspalt, dem die Lungenflügel passiv folgen, sodass sich ihr Volumen vergrößert und damit Luft über die Atemwege in die Lungen eingesaugt wird.
Erfolgt die anschließende Ausatmung passiv, ziehen sich die Lungen aufgrund ihrer Eigenspannung wieder zusammen, der Brustkorb verkleinert sich, und Luft entweicht aus den Lungen. Doch die Ausatemluft kann mit Hilfe der Rumpfmuskulatur auch aus den Lungen hinausgepresst werden.
Aufbau des Thorax
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Knochen |
Beschreibung |
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12 Brustwirbel |
paarweise rechts und links, jeweils
davon 2 freie Rippen XI – XII |
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12 Rippen |
paarweise rechts und links |
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1 Brustbein (Sternum) |
mittig |
Die unteren beiden Rippenpaare XI – XII heißen freie Rippen, da sie ohne Verbindung zum Brustbein ungebunden enden.
- Bauchwärts (ventral) sind die Rippen mit dem Brustbein (Sternum) direkt (I – VII) oder indirekt (VIII – X) verknorpelt
- VIII – XII sind ohne Knorpelverbindung
- Rückenwärts (dorsal) sind die Rippen mit der Wirbelsäule über Wirbelgelenke (Spondylen) gelenkig verbunden
Aktiver Bewegungsapparat
Der aktive Bewegungsapparat umfasst die Skelettmuskulatur sowie deren unterstützenden Strukturen wie Sehnen und Faszien. Er wird für gezielte Bewegungen des Körpers eingesetzt und überträgt durch Muskelkontraktionen isotonische und isometrische Kräfte auf die Knochen, um diese zu bewegen oder zu halten.
Der aktive Bewegungsapparat wird über das gesamte Nervensystem gesteuert und koordiniert. Er ermöglicht nicht nur Fortbewegung, sondern auch Haltungskorrekturen, Mimik und feinmotorische Tätigkeiten. Eine enge funktionelle Verbindung besteht zum passiven Bewegungsapparat, da Bewegungen nur im Zusammenspiel mit Knochen, Gelenken und Bändern erfolgen können.
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Begriff |
Definition |
Merkmal |
Beispiel |
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Isotonie |
Muskelkontraktion bei gleichbleibender Muskelspannung und Veränderung der Länge
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Der Muskel verkürzt sich bei konstanter Spannung |
Anheben eines Gewichts mit Lageveränderung |
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Isometrie |
Muskelkontraktion bei gleichbleibender Länge und zunehmender Spannung
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Der Muskel bleibt konstant bei veränderter Spannung |
Halten eines Gewichts ohne Lageveränderung |
Die Muskeln des Bewegungsapparates sind quergestreifte Muskeln, das bedeutet, sie besitzen alle einen regelmäßigen Aufbau, sind rasch und willkürlich steuerbar und können ermüden. Ihre Formen variieren stark, von spindelförmig[5] oder bauchig über flach bis mehrbäuchig.
Faszien umziehen und durchziehen Muskeln als zugfeste Fasern, an deren Enden sie gebündelt in Sehnen übergehen. Diese Sehnen verbinden ihre Muskeln mit den ihnen zugehörigen Knochen.
Bändern hingegen verbinden stets Knochen mit Knochen elastisch miteinander.
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Unterscheide Sehnen und Bänder |
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Sehnen verbinden Muskeln mit Knochen. Sie sind zugfest.
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Bänder verbinden Knochen mit Knochen. Sie sind elastisch.
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Muskeln sind gegenläufig angeordnet, dies bedeutet, dass jeder Bewegungsrichtung ein oder mehrere Gegenspieler (Antagonisten) zugeordnet sind. So wird ein Beugemuskel durch einen Streckmuskel in seine Ausgangsposition zurückgedehnt, und umgekehrt jeder Streckmuskel durch seinen Beugemuskel.
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Drei Arten von Muskulatur |
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Skelettmuskulatur des Bewegungsapparates Willkürliche Muskulatur
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Organmuskulatur der Eingeweide Unwillkürliche Muskulatur
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Herzmuskulatur Unwillkürliche Muskulatur
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Muskelgruppen und ausgewählte Muskeln
Das Skelett wird von oberflächlichen und von tiefliegenden Muskeln bedeckt.[9]
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Zwei Muskelschichten |
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Die oberflächlichen Muskeln sind für rasche, kräftige Bewegungen ausgebildet und werden bei schweren Arbeiten sowie im Leistungssport trainiert. Die äußere Form des Körpers, ob muskulös oder schmächtig, wird hauptsächlich durch sie geprägt.
Alternative Bezeichnung: oberflächlich-mobilisierende Muskulatur.
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Die tiefliegende Muskulatur spielt eine zentrale Rolle für innere Aufrichtung, Stabilität und feine Bewegungskoordination. Sie sorgt für geschmeidige und ökonomische Bewegungsabläufe. Diese Muskulatur arbeitet meist unbewusst, gewährleistet eine gesunde Körperhaltung und schützt vor Überlastung.
Alternative Bezeichnung: tief-stabilisierende Muskulatur.
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Die tiefe Muskulatur wird mit Bewegungsformen wie Yoga, Tai-Chi, Pilates, klassischem Tanz und beim Musizieren gezielt trainiert. Dort stehen langsame, kontrollierte Abläufe im Vordergrund, die Körperbewusstsein, Gleichgewicht und Körperspannung fördern. Zudem unterstützt ein gut entwickeltes tiefes Muskelsystem die Ausdauer bei komplexen Bewegungen und verleiht ihnen Leichtigkeit sowie Eleganz.
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Im Gegensatz dazu ist die oberflächliche Muskulatur bevorzugt an kraftvollen, großräumigen Bewegungen beteiligt. Sie spielt eine wichtige Rolle in klassischen Krafttrainingsprogrammen. Bodybilder trainieren die Oberflächenmuskulatur auch wegen ihrer optischen Eigenschaften.
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Ursprung und Ansatz
Als Ursprung eines Muskels wird die meist fixe, körpernahe Anheftungsstelle am Skelett bezeichnet. Am Ansatz eines Muskels wirkt seine Kraft, die die Bewegung auslöst. In der Regel ist der Ursprung körpernah und der Ansatz körperfern. Daher werden sie auch Punctum fixum und Punctum mobile genannt.
Musculus trapezius = Trapezmuskel = Kapuzenmuskel
Der Trapezmuskel erstreckt sich von der Rückseite des Schädels über das Nackenband und die Dornfortsätze aller 7 Halswirbel und
12 Brustwirbel. Er setzt am lateralen Drittel des Schlüsselbeins (Clavicula), dem Schulterdach (Acromion) und der Wirbelsäule (Spina) an.
Der Trapezmuskel stabilisiert und bewegt das Schulterblatt (Scapula), unterstützt das Heben der Arme und das Drehen des Schädels. Außerdem kippt er den Kopf nach hinten.
Musculus latissimus dorsi = Großer Rückenmuskel
Der Latissimus ist der flächenmäßig größte Skelettmuskel. Er liegt im unteren Rückenbereich und bildet dort den Hauptanteil der oberflächlichen Rückenmuskulatur.
Der Muskel entspringt an den Dornfortsätzen von Th7 bis L5 sowie am Kreuzbein (Sacrum). Er setzt an den unteren Rippen und Darmbeinschaufeln an. Dabei wird er zum Teil vom Trapezius überdeckt.
Der Latissimus dreht den Arm auf den Rücken, dreht die Handflächen nach außen (Hand in die Gesäßtasche stecken) und fördert die forcierte Ausatmung beim Lachen, Husten und Niesen. Er zieht den erhobenen Arm wieder zurück zum Körper und ist damit der Gegenspieler von Deltamuskel (M. deltoideus) und Trapezius.
Musculus gluteus = Gesäßmuskel
Die Gesäßmuskulatur (Gluteus) besteht aus drei übereinanderliegenden Muskelschichten, welche die Körperstabilität, Form des Gesäßes und den aufrechten Stand gewährleisten. Ihre gemeinsamen Aufgaben sind die kraftvolle Streckung der Hüftgelenke wie beim Aufstehen vom Stuhl, Treppensteigen und Klettern, aber auch beim Laufen und Spazierengehen. Der aufrechte Gang wäre ohne Gluteus nicht möglich.
Eine Sonderrolle nimmt der tiefliegende Musculus piriformis ein.
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Drei Gesäßmuskeln |
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Musculus gluteus maximus |
Der Gluteus maximus ist der größte und kräftigste dieser drei. Er formt als oberflächlicher Muskel das Gesäß. Sein Ursprung liegt am Darmbein (Os ilium) entlang des Beckenrandes sowie am Kreuz- und Steißbein. Sein größter Ansatzpunkt befindet sich am Oberschenkelknochen (Femur) und am Tractus iliotibialis, dem breiten Faserzug an der Außenseite des Beins, sowie an der Fascia lata.[10]
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Musculus gluteus medius |
Der Gluteus medius liegt direkt darunter. Er entspringt am Darmbein (Os Ilium) und setzt am Trochanter major des Oberschenkelknochens an, einem gut tastbaren Knochenvorsprung. Der Muskel stabilisiert das Becken und unterstützt die Abspreizung (Abduktion) des Beins. |
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Musculus gluteus minimus |
Der Gluteus minimus liegt wiederum darunter. Wie dieser entspringt er als tiefer Muskel am Darmbein (Os Ilium) und setzt am Trochanter major an. Seine Funktion entspricht weitgehend der des Gluteus medius. Auch er unterstützt alle kraftvolle Bewegungen im Beckenbereich und stabilisiert den aufrechten Gang.
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6 tiefe Rotatoren |
Die tiefste Schicht der Gesäßmuskulatur besteht aus den sechs tiefen Rotatoren.[11] Sie unterstützen ebenfalls die Stabilisierung des Hüftgelenks und ermöglichen seine Rotation. Auch verlaufen die sechs tiefen Rotatoren direkt unterhalb des Gluteus maximus und unterstützen die Außenrotation des Oberschenkels. |
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Musculus piriformis |
Der Piriformis gehört zu den sechs tiefen Rotatoren, die das Becken stabilisieren und die Drehung (Rotation) im Hüftgelenk absichern. Der Birnenförmige (Piriformis) gilt als Unruhestifter im Becken. Ist der Piriformis chronisch verspannt, kann er den ihn passierenden Ischiasnerv abklemmen.[12]
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Musculus iliopsoas = Darmbein-Lendenmuskel
Der Iliopsoas ist ein zusammengesetzter Muskel, der aus zwei Teilen besteht: Musculus iliacus und Musculus psoas major.
Er liegt tief im unteren Bauchraum und Beckenbereich, entspringt an Wirbelsäule und Becken und setzt am Oberschenkelknochen (Trochanter minor) an.
Die Hauptfunktionen des Iliopsoas sind die Beugung (Flexion) des Hüftgelenks, die Außenrotation des Oberschenkels und das Anheben sowie Aufrichten des Beckens aus der Rückenlage bei gestrecktem Bein. Außerdem stabilisiert er das Becken und die Lendenwirbelsäule und ist maßgeblich an einer guten Körperhaltung, sowie an dynamischen Bewegungen beim aufrechten Stehen, Gehen und Laufen, beteiligt.
Ein gut geübter Iliopsoas fördert die elegant-aufrechte Körperhaltung und ermöglicht effiziente, geschmeidige Bewegungsabläufe beim Gehen und Laufen.
Musculi erector spinae = die Rückenstrecker
Der Erector spinae ist keine einzelne Muskelstruktur, sondern eine Muskelgruppe aus mehreren, parallel verlaufenden Muskeln. Gemeinsam bewirken sie die Aufrichtung der Wirbelsäule, die Stabilisierung des aufrechten Stands und die Rückenbeweglichkeit.
Gemeinsam verbinden sie den Schädel, alle Wirbel, Rippen sowie das Kreuz- und Steißbein. An der Wirbelsäule entspringen sie überwiegend an den Dorn- und Querfortsätzen der Wirbel und setzen an den Rippen an. Am Steißbein vereinigen sich viele dieser Muskeln in einer kräftigen bindegewebigen Platte. Am Schädelrand ansetzend ermöglichen sie die Streckung, Drehung und Seitneigung des Kopfes.[13]
Musculus deltoideus = Schultermuskel
Der Deltoideus ist dreieckig geformt und überwölbt das Schultergelenk mit seiner charakteristischen Kontur.
Er ermöglicht das seitliche Anheben des Arms (Abduktion) und ist an der Vorwärts- und Rückwärtsbewegung sowie Innen- und Außenrotation beteiligt. Sein Ursprung liegt am Schlüsselbein, Schulterdach und Schulterblatt, sein Ansatz befindet sich am Oberarmknochen.
Musculus pectoralis major = Großer Brustmuskel
Als kräftiger Muskel bedeckt der Brustmuskel fächerförmig die vordere Brustwand. Seine Ursprünge sind am Schlüsselbein, Brustbein einigen Rippen sowie an der Rektusscheide.
Sein Ansatz ist am Oberarm, damit ist er damit maßgeblich an Bewegungen im Schultergelenk beteiligt. Zu seinen wichtigsten Funktionen gehören viele Armbewegungen; bei fixierten Armen unterstützt er die Einatmung (Atemhilfsmuskel).
Rektusscheide
Die Rektusscheide (Vagina musculi recti abdominis[14]) ist die bindegewebige Hülle, welche den geraden Bauchmuskel umhüllt. Sie wird von den Sehnenplatten (Aponeurosen) der seitlichen Bauchmuskeln gebildet. Die Rektusscheide schützt und führt den geraden Bauchmuskel.
Die Rektusscheide ist maßgeblich an der Bildung des Sixpacks beteiligt, da sie den Geraden Bauchmuskel gliedert. In der Schwangerschaft dehnt sie sich gemeinsam mit den Bauchmuskeln, stabilisiert den Bauch der werdenden Mutter und verschafft gleichzeitig dem Baby mehr Platz.
Musculus rectus abdominis = Gerader Bauchmuskel
Der Gerade Bauchmuskel (M. rectus abdominis) ermöglicht die Vorbeugung. Gemeinsam mit dem Schrägen Bauchmuskel
(M. obliquus internus abdominis) und dem Querverlaufendem Bauchmuskel (M. transversus abdominis) fördert er die Seitbeugung, die Ausatmung und schützt alle empfindlichen Bauchorgane.
[1] Das Skelett besteht aus 700 Knochen beim Neugeborenen und bis zu 180 Knochen beim gealterten Menschen. Die Zahl von 212 Knochen bezieht sich auf das beste Lebensalter von 20 bis 30 Jahren.
[2] Viszerale Faszien sind die Faszien der inneren Organe; viszerum = Eingeweide
[3] Ein Sesambein ist ohne Knochenverbindung in eine oder mehrere Sehnen eingebettet und wirkt als Abstandhalter oder Umlenkrolle
[4] Kreuzbein und Steißbein verschmelzen im Erwachsenenalter zu jeweils einem Knochen
[5] Spindelförmig ist beispielsweise der starke Bizeps des Oberarms; seine spiralförmig-verdickte Form optimiert die Kraftübertragung.
[6] Beispiel: tonisch arbeitet die Muskulatur von Harnblase und Blutgefäßen
[7] Beispiel: rhythmisch arbeitet die Muskulatur des Dickdarms und Dünndarms
[8] Sympathikus = Beschleunigung, Parasympathikus = Verlangsamung
[9] Fokus auf Körperarbeit und Bodybuilding verleihen diesem Thema verstärkte Aufmerksamkeit.
[10] Der Tractus iliotibialis ist ein mehrere Zentimeter breiter Faserzug an der äußeren Seite der lateralen Seite des Oberschenkels; er unterstützt wie ein Zuggurt Knie und Hüfte. Eine Überlastung kann zum Läuferknie führen. Fascia lata ist die Bindegewebshülle (Faszie) des Oberschenkels, sie umhüllt die Oberschenkelmuskulatur und verleiht ihr Form und Festigkeit.
[11] Die Einzelmuskeln der sechs tiefen Rotatoren sind Musculus piriformis, M. gemellus superior, M. gemellus inferior, M. obturator internus, M. obturator externus, M. quadratus femoris.
[12] Der Piriformis kann schmerzhafte Symptome im Bein auslösen. Der Ischiasnerv verläuft häufig direkt unterhalb des Piriformis, kann aber auch, je nach anatomischer Variante, durch den Muskel hindurch ziehen. Eine Piriformis-Verspannung oder ein Piriformis-Spasmus kann den Ischiasnerv irritieren und zu Symptomen wie Schmerzen, Stechen, Kribbeln, Missempfindungen (Parästhesien) und Taubheit im Bein sowie Einschränkungen beim Sitzen, Gehen oder Treppensteigen führen (Piriformis-Syndrom).
[13] Einzelmuskeln des Erector spinae sind unter anderem der M. longissimus, M. iliocostalis,
M. splenius capitis, M. splenius cervicis, M. spinalis, MM. interspinalis.
[14] Dieser ungewöhnliche Name ist kein Plural-Begriff, sondern steht im Genitiv. Die wörtliche Übersetzung wäre Hülle des geraden Bauchmuskels, Rektusscheide bedeutet Hülle des Geraden.

