Allergien und Autoimmunkrankheiten
Reagieren Menschen stark auf körperfremde, an sich harmlose Substanzen, werden diese Überempfindlichkeitsreaktionen oder Allergien genannt. Diese können entweder angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein. Die immunologische Reaktion kann für Betroffene sehr belastend und in schwe-ren Fällen sogar lebensbedrohlich sein.
Grundlage einer allergischen Reaktion ist die Sensibilisierung. Diese tritt beim Erstkontakt mit dem Allergen auf. Bei erneutem Allergen-Kontakt nach Tagen, Monaten oder Jahren entsteht die Überempfindlichkeitsreaktion.
Allergie, Anaphylaxie, Atopie
Definitionen
- Allergie: Überreaktion des Körpers auf harmlose Substanzen wie Hundehaare
- Anaphylaxie: schwere, systemische Sofortreaktion bei Allergien
- Atopie: angeborene Neigung zu allergischen Reaktionen des Soforttyps mit vermehrter IgE‑Bildung [1][2]
Allergien
- Der Begriff Allergie wird heute oft verwendet, auch wenn keine echte Allergie vorliegt. Er ist zu einer Floskel geworden.
- Klassische Soforttyp‑Allergien (Typ I) sind IgE‑vermittelt; daneben gibt es weitere Allergietypen (II–IV) mit anderen Mechanismen.
Anaphylaxie
- Anaphylaxie ist eine schwere, systemische Reaktion vom Soforttyp, die bis zum anaphylaktischen Schock führen kann. Es ist grundsätzlich medizinische Intervention erforderlich, so dass keine ambulant Praktizierenden, auch nicht die Ärztin oder der Arzt, auf einen
Notruf beim Rettungsdienst verzichten dürfen. Notarztwagen und Krankenhäuser sind mit Medikamenten ausgestattet, die die
Histaminreaktion im Körper mit Adrenalin und Antihistaminika stoppen. - Die Granula der Mastzellen speichern Histamin, welche bei Allergen-Kontakt ausgeschüttet werden.
Atopie und Atopische Krankheiten
- Allergisches Asthma bronchiale, Neurodermitis, Urtikaria, Nahrungsmittelallergien, Ekzeme, Milchschorf, allergischer Schnupfen, allergische Enteritis, allergische Konjunktivitis und weitere gelten medizinisch als unerklärlich, da sie übertriebene Reaktionen auf geringfügige Auslöser darstellen.
Vier Allergie-Typen
Allergische Reaktion vom Typ I
= Soforttyp
Die Reaktion auf ein Allergen entsteht schnell. Es kommt zu einer heftigen Reaktion an der Haut oder Schleimhaut mit Juckreiz.
20% der Kinder und 5% der Erwachsenen sind davon aktuell betroffen.
Notfall Anaphylaxie
- lebensbedrohliche Reaktionen müssen intensivmedizinisch behandelt werden
- Erstickungsanfälle können tödlich enden
- sofort Rettung rufen
- Betroffene Person mit erhöhten Beinen lagern
Allergische Reaktion vom Typ II
= Zytotoxischer Typ
Ty II tritt zum Beispiel bei der Transfusion einer falschen Blutgruppe auf. Es folgt die Hämolyse innerhalb von Stunden.
Allergische Reaktion vom Typ III
= Immunkomplextyp
Ohne Aufnahme von Allergenen können im Körper zirkulierende Komplexe allergische Reaktionen auslösen. Betroffen sind Nieren, Gelenke, Haut, Herz und andere Organe. Die Entzündung oder Degeneration tritt langsam ein.
Allergische Reaktion vom Typ IV
= Verzögerter Typ
Abstoßung von Transplantaten wie Nieren oder Haut sowie Nickelallergien gehören zu diesem Typ. Zytokine werden ausgeschüttet und führen zum Untergang des transplantierten Organs oder zur Entzündung.
Hinweise
Die Allergiebereitschaft in der Bevölkerung steigt derzeit. Wechselwirkungen zwischen Hunderten bis Tausenden chemischer Substanzen im alltäglichen Leben lassen immer neue allergische Reaktionsmuster entstehen. Nicht alle Menschen sind diesen Belastungen gewachsen.
Hinzu kommen Belastungen wie Rauchen, Alkohol, Arbeitsplatzbelastungen, Ernährungsfehler und ungesunde Lebensweisen.
Autoimmunkrankheiten
Das Immunsystem hat die Aufgabe, auf der einen Seite körperfremdes Gewebe abzuwehren und zu phagozitieren, um so die eigene Integrität zu wahren. Auf der anderen Seite darf körpereigenes Gewebe nicht attackiert werden. Diese Unterscheidung erbringen die B- und T-Lymphozyten, welche an ihren Prägungsorten (Blut und Thymus) diesbezüglich geschult werden.
Das Nicht-Vorgehen gegen körpereigenes Gewebe wird Immuntoleranz genannt; bricht diese zusammen, entsteht eine Autoimmunkrankheit.
Klinische Beispiele
- Diabetes mellitus Typ I
- chronische Polyarthritis (Gelenkentzündung)
- chronische Dickdarmentzündung (Colitis ulcerosa)
- Schuppenflechte (Psoriasis)
sowie im weiteren Sinne
- Allergien
- Nahrungsmittelüberempfindlichkeiten
- Neurodermitis
- Immunsuppression durch Chemotherapie

