Allgemeine Pathologie
Geschichtlicher Hintergrund und wichtige Begriffe
- Pathologie
- Physiologie
- Pathophysiologie
- Bedeutung der Virchowschen Zellularpathologie für das aktuelle Medizinverständnis
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Hippokrates verkündete 400 v. Chr., der Mensch denke nicht mit dem Herzen, sondern mit dem Gehirn. Im Gegensatz zu Aristoteles, der die Aufgabe des Gehirns in der Kühlung des Blutes sah. Aktuelle Forschung weist nach, dass Reptilienhirne die Temperatur des Blutes regulieren.
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Um 1625 postulierte der Philosoph René Descartes: „Ich denke, also bin ich“ = „Cogito ergo sum“. Auf ihn beruft man sich, will man den Menschen als Maschine betrachten, welche den Naturgesetzen zu gehorchen hat.
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Der italienische Anatom Morgagni beobachtete 1761, dass bestimmte Krankheiten sichtbare Veränderungen im Inneren des Organismus verursachen, indem er Leichen aufschnitt und sie auf innere Veränderungen hin untersuchte. Dies stand im Gegensatz zur bisherigen Auffassung, dass Krankheiten stets äußerlich sichtbare Veränderungen hervorrufen.
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Rudolf Virchow begründete 1858 in Berlin die Zellularpathologie. Sinngemäß: alles ist zählbar, alles ist messbar, alles ist statistisch erfassbar. Die Ursache aller Krankheiten sind physiologisch gestörte Lebensvorgänge in den Zellen. Werden diese geheilt, wird auch der Gesamtorganismus wieder gesund.
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Gegenwart: Der Mensch wird reparierbar. Ersatzorgane und Spendergewebe stehen zur Verfügung. Wir sind im Zeitalter der Reparaturmedizin angekommen. Der Tod wird als Versagen ärztlicher Kunst aufgefasst. Familien erleben den Tod immer weniger als Teil ihrer Gesellschaft. 25% der Menschen sterben zu Hause, in Städten sind es weniger. 2014 verstarben 48% im Krankenhaus, 25% zu Hause, 20% im Pflegeheim, 7% in Palliativstationen, Hospizen, durch Unfälle etc.
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Palliativmedizin: Aktuell folgt die Rückbesinnung: Menschenwürde und Schmerzlinderung stehen im Vordergrund, ebenso soziale Bindungen und von der Familie Abschied nehmen dürfen. Dem Arzt wird nahegelegt, sich an dem alten französischen Sprichwort zu orientieren: „Heilen manchmal, lindern oft, trösten immer“. Guerir: quelquefois, soulager: souvent, consoler: toujours; 16. Jhdt.
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Zukunft: Wird alles heilbar? Longevity (Langlebigkeitsforschung): wird die Alterung gestoppt und wird ewige Jugend das neue Versprechen? Sind Maschinen in der Lage, alles wieder herzustellen? Können Ersatzorgane gezüchtet werden? Smartpills oder E-Pillen, die durch den Körper wandern und alles reparieren? |
Weitere Begriffe der Allgemeinen Pathologie
- Bedeutung des Begriffes Medizin
- Die Wissenschaft vom gesunden und vom kranken Menschen, von den Ursachen, Wirkungen und der Vorbeugung und Heilung der Krankheiten.
- Das Medikament, das Arzneimittel.
- Der Mediziner, Arzt, Therapeut, Heilkundiger.
- Bedeutung des Begriffes Innere Medizin
- Alle Bereiche der Medizin, die sich auf die inneren Organe, den Bewegungsapparat und die Haut beziehen.
- Ausgeschlossen sind die Zahnheilkunde, Psychiatrie und Toxikologie.
- Im Krankenhaus: die Unterscheidung zwischen der Inneren Abteilung im Gegensatz zur Chirurgie und anderen Abteilungen.
Allgemeine Pathologie
In der Allgemeinen Pathologie werden alle Erscheinungen zusammengefasst, die sich nicht in den übrigen Kategorien unterbringen lassen.
Dazu gehören
- Missbildungen und krankhafte Veränderungen
- Atrophie, Dystrophie, Hypertrophie, Entzündungen, Degeneration und Nekrose
- Alter und Tod
Inflammation = Entzündung
Eine Entzündung ist Ausdruck der Aktivierung des Immunsystems. Mit Hilfe von Immunreaktionen sollen Krankheitserreger, Gift- und Fremdstoffe aus dem Körper eliminiert oder unschädlich gemacht werden.
In der Regel wird der Name des Organs und die Endung -itis verwendet.
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Beispiele für Entzündungen |
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Blase |
Zyste |
Zystitis |
Blasenentzündung |
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Haut |
Derma |
Dermatitis |
Hautentzündung |
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Leber |
Hepar |
Hepatitis |
Leberentzündung |
Die Kardinalsymptome der Entzündung = Inflammation
Calor – Überwärmung
Rubor – Rötung
Tumor – Schwellung
Dolor – Schmerz
Functio laesa – eingeschränkte Funktion
Wichtige Begriffe der Pathologie
Resistenz
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Widerstandskraft
Unspezifische Abwehrbereitschaft eines Organismus gegen Krankheitsverursacher, Bakterien, Viren. |
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Immunität
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Unempfänglichkeit
Erworbene, spezifische Abwehrbereitschaft auf krankheitsauslösende Substanzen. |
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Konstitution
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Angeborene geistig-seelische und körperliche Verfassung eines Menschen
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Disposition
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Krankheitsbereitschaft Angeborene oder erworbene Anfälligkeit eines Organismus für spezielle Krankheiten oder Erreger. |
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Hypertrophie
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Vergrößerung von Geweben oder Organen durch Zunahme des Zellvolumens bei gleichbleibender Zellzahl. |
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Atrophie
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Rückbildung von Geweben oder Organen durch mangelhafte Versorgung, zum Beispiel durch lokale oder grundsätzliche Ernährungsstörungen wie Vitaminmangel oder Eiweißmangel. |
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Nekrose
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Zelltod
Veränderungen einer Zelle, eines Zellverbandes, eines Gewebes oder ganzen Organs nach irreversiblem Ausfall der Zellfunktionen. |
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Insuffizienz
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Schwäche
Zu schwache oder ungenügende Leistung eines Organs oder Organsystems; wie Herzinsuffizienz, Leberinsuffizienz, Niereninsuffizienz. |

