Erkrankungen der Arterien, Venen und der Lymphe

Arterielle Krankheiten

Arteriosklerose

 

Definition

Arteriosklerose[1] ist die häufigste krankhafte Veränderung der Arterien. Dabei bilden sich fettreiche Plaques an der Gefäßinnenwand (Intima), die das Gefäßlumen[2] einengen.

 

Ursachen

  • ungesunde Lebensweise wie Bewegungsmangel, hyperkalorische Nahrung, hoher Alkoholkonsum
  • Rauchen
  • Adipositas und Hypertonie
  • Diabetes mellitus
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Metabolisches Syndrom[3]

 

Entstehung der Arteriosklerose

Funktionsstörungen des Endothels werden durch übermäßige Permeabilität der Intima, Oxidation, LDL-Einlagerung und Schaumzellbildung hervorgerufen.

  • Monozyten wandern in das Endothel ein, wandeln sich dort zu Makrophagen um und nehmen das LDL auf.
  • Nach zunächst stummem Verlauf folgen lokale Entzündungsprozesse mit Plaquesbildung.
  • Plaques verengen das Gefäßlumen und verhärten die Gefäßwand (Sklerose). Plaquesruptur und Thrombosen können einen akuten Gefäßverschluss wie beim Herzinfarkt oder Schlaganfall verursachen.

 

Symptome

  • langer stummer Verlauf
  • Durchblutungsstörungen mit tauben und kühlen Beinen
  • belastungsabhängiger starker Schmerz beim Gehen (Claudicatio intermittens, siehe Seite 2)
  • Ruheschmerz
  • schlecht heilende Wunden
  • Gefäßverschluss mit Nekrose

 

Therapie

  • Risikofaktoren konsequent reduzieren: Rauchstopp, Blutdruck, Blutzucker und Lipidkontrolle, Gewichtsreduktion
  • viel Bewegung, regelmäßige körperliche Aktivität
  • gesunde Ernährung, Vitamin C
  • Lipidsenker (Statine), Blutverdünner (Antikoagulanzien), Blutdrucksenker (Thrombozytenaggregationshemmer)
  • OP: Stent, Bypass

 

Komplikationen

  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Erblindung

 

Therapeutische Wirkung von Vitamin C

Vitamin C fördert die Gefäßwandstabilität und die Gefäßelastizität.

  • Als Antioxidans reduziert es oxidative Schäden an den Endothelzellen.
  • Es steigert die Interaktion verschiedener Immunzellen und trägt zu einer gesunden Immunantwort bei.
  • Es unterstützt die Abwehr von Infektionen, mindert oxidativen Stress und fördert die Eisenresorption im Darm.

 

 

Periphere arterielle Verschlusskrankheit = pAVK

 

Definition

Nach der generalisierten Arteriosklerose ist die periphere Durchblutungsstörung eine häufige chronische Gefäßerkrankung. Meist sind die Beine, seltener die Arme betroffen.

 

Ursachen

Wie bei der Arteriosklerose liegt auch bei der pAVK eine Durchblutungsstörung der Arterien vor, meist in den Beinen, selten in den Armen. Betroffen sind die Gefäßwände mit Verhärtung, Verdickung, Elastizitätsverlust und Einengung. Da Rauchen der wichtigste Risikofaktor ist, wird die pAVK auch Raucherbein genannt.

 

Symptome

  1. Stadium: keine Symptome
  2. Stadium: Claudicatio intermittens, auch Schaufensterkrankheit genannt
  3. Stadium: Ruheschmerz
  4. Stadium: schlecht heilende Wunden und Nekrosen

 

Therapie

  • Rauchen einstellen
  • Blutdruck, Blutfette und Diabetes gut einstellen
  • Gehtraining, Physiotherapie
  • Gerinnungshemmer, OP

 

Differentialdiagnose

  • Polyneuropathie
  • Lymphstau
  • Thrombose der Venen

 

Morbus Raynaud = Weißfingerkrankheit

Definition

Das Raynaud-Syndrom ist eine häufige, durch Kälte oder Stress ausgelöste Erkrankung mit extremen Gefäßverengungen in Händen oder Füßen
(Vasospasmus).

 

Ursachen

  • Primäre Form ohne bekannte Ursache und mit familiärer Häufung
  • Sekundäre Form als Begleiterscheinung bei Autoimmunerkrankungen
  • Medikamente wie Ergotamin[4], Betablocker
  • Nikotin, Kokain
  • Berufskrankheit wie Presslufthammerarbeit

 

Symptome

  • Leichenfinger (Morbus digiti), daher Weißfingerkrankheit
  • extreme Schmerzen zu Beginn, am Ende, oder auch über die ganze Zeit des Raynaud-Anfalls
  • Verhältnis Frauen zu Männer = 4 zu 1

 

Der Anfall beginnt mit Blässe der Finger, dann folgt eine Blauverfärbung durch Sauerstoffmangel (Zyanose) und endet mit der schmerzhaften
Wiederdurchblutung.[5]

 

Therapie

  • Wärme, beheizbare Akku-Handschuhe, Taschenwärmekissen
  • Rauchen einstellen, Noxen meiden
  • Bewegungsübungen
  • Ernährung[6]

 

 

Aneurysma

 

Definition

Das Aneurysma[7] ist eine krankhafte, ballonartige Erweiterung einer Arterie, die überall im Körper entstehen kann. Am häufigsten sind Aorta und die
Gefäße des Gehirns betroffen.

 

Das Aneurysma entsteht durch eine schwache Gefäßwand und bleibt oft lange unbemerkt, birgt aber stets das Risiko des Platzens mit lebensbedrohlichen Blutungen.

 

Ursachen

  • Bluthochdruck
  • Rauchen
  • familiäre Vorbelastung

 

Symptome

  • Ein geschlossenes Aneurysma verhält sich meist stumm und ist ein Zufallsbefund
  • Kommt es zum Riss (Ruptur), entsteht entweder eine kleine, schmerzhafte Blutung oder die lebensbedrohliche Massenblutung.
  • im Gehirn: Schlaganfall
  • in der Aorta: Schock

 

Therapie

  • geschlossenes Aneurysma: Abwägung zwischen OP oder Schonung
  • offenes Aneurysma: Notoperation
  • Lebensweise ändern, nur moderate Bewegungen

 

Komplikationen

  • Schmerzen, Hämatome
  • rasches inneres Verbluten, Tod

 

Differentialdiagnose

  • Tumorerkrankungen
  • Hämatome

 

 

Embolie

 

Definition

Akuter Gefäßverschluss durch einen verschleppten Thrombus.

 

Ursachen

Ein Thrombus löst sich und wird als Embolus mit dem Blutstrom mitgerissen. An der nächsten Gefäßverengung verstopft schlagartig das dahinter liegende Gewebe. Dieses wird nicht mehr mit Sauerstoff versorgt.

 

Symptome

  • Eine Hirnembolie führt zum Schlaganfall mit Halbseitenlähmung.
  • Eine Lungenembolie führt zu schlagartiger Luftnot.
  • Eine Mesenterialembolie führt zum Akuten Bauch mit kolikartigen Bauchschmerzen oder Darmlähmung.
  • Eine Armembolie oder Beinembolie führt zu wachsbleichen, kalten und gefühllosen Extremitäten.
  • Kleine Embolien bleiben meist unbemerkt.

 

Therapie

  • Notfall, Krankenhaus
  • Gerinnungshemmer wie ASS, Marcumar, Heparin
  • Not-OP

 

Komplikationen

  • bleibende Schäden durch Gewebsuntergang (Nekrose)
  • Tod

 

Differentialdiagnose

Kopfschmerzen, Migräne, Tumoren, Gallensteine, Nierensteine

Lungenembolie

 

Definition

Eine Lungenembolie ist der plötzliche Verschluss einer Lungenarterie durch einen Embolus. Meist war dieser zuvor ein Blutgerinnsel (Thrombus) aus dem venösen System, häufig weit entfernt in den tiefen Beinvenen.

 

Die Lungenembolie ist eine häufige Erkrankung und wird insbesondere während größerer Operationen gefürchtet.

 

Untersuchungen an Verstorbenen haben gezeigt, dass ein Drittel zuvor eine Embolie hatte.

 

Symptome

Eine Lungenembolie kann unbemerkt bleiben oder unspezifische Beschwerden verursachen, die als Schwäche oder allgemeine Alterserscheinung fehlinterpretiert werden.

 

Es kann zum Rückstau des Blutes in das rechte Herz kommen, und damit zum Cor pulmonale.

 

Je nach Größe des Embolus und Lokalisation

  • keine Symptome
  • Atemnot beim Treppensteigen
  • hochgradig akute Atemnot
  • Kreislaufschock
  • Tod

 

 

Therapie

  • Jede größere Lungenembolie muss stationär behandelt werden. In der Regel werden Gerinnsel auflösende (thrombolytische) Medikamente eingesetzt.
  • Herz und Kreislauf müssen intensiv überwacht und unterstützt werden.
  • Je nach Lage und Größe des Embolus wird gegebenenfalls versucht, diesen operativ zu entfernen. Dieser Eingriff ist jedoch immer mit einem erheblichen Risiko verbunden.

 

Prophylaxe

  • Thrombosestrümpfe bei Bettlägerigkeit
  • Thrombosestrümpfe auf Langstreckenflügen
  • Antikoagulantien wie ASS, Heparin, Marcumar
  • Ernährungsumstellung auf gesunde Mischkost

 

 

 

 

Venöse Krankheiten

Venenthrombose, Thrombophlebitis, Varikosis

 

Definitionen

Je nach Lage und Zustand der betroffenen Venen in den Beinen werden venöse Erkrankungen unterschiedlich eingeteilt.

  • Venenthrombose: teilweiser bis vollständiger Verschluss von Venen
  • Thrombophlebitis: durch einen Thrombus ausgelöste Entzündung der Venen[8]
  • Varikosis: knotige Aufweitung der Venen mit auf der Haut sichtbaren Schlängelungen (Varizen)
  • Varizen, umgangssprachlich Krampfadern genannt

 

Ursachen

  • Medikamente, unausgewogene Ernährung
  • Bewegungsmangel
  • Veranlagung
  • berufsbedingtes langes Stehen oder Sitzen[9]
  • Lymphstau
  • Stauungen im Darmbereich, Verstopfung
  • Störung des venösen Endothels
  • Verhältnis Frauen zu Männer = 2 zu 1

 

Symptome

  • oberflächlich: sichtbare Varizen werden als störend empfunden
  • tief: Brennen in den Beinen, tiefer, ansteigender Schmerz

 

Therapie

  • medikamentöse Auflösung oder Prophylaxe: Heparin, ASS
  • OP: kosmetisch bei oberflächlichen Varizen
  • Varizenstripping[10] bei tiefer Venenthrombose
  • Stuhlgang regulieren
  • Umstellung der Ernährung
  • Bewegung: Yoga, Massagen, Spaziergänge,
    Gymnastik
  • Thrombosestrümpfe

 

Komplikationen

  • Lungenembolie
  • Beinamputation

 

Lymphatische Krankheiten

Lymphödem

 

Definition

Schwellung der Lymphe durch Rückstau. Beine, Arme, Rumpf und auch der Kopf können betroffen sein. Meist sind die Schwellungen schmerzlos.

 

Ursachen

  • Verlegung der Lymphbahnen nach Operation
  • Verlegung der Lymphbahnen durch Parasiten[11]
  • Fehlernährung mit Wasseransammlung im Gewebe
  • gestauter Darm
  • familiäre Häufung; angeborenes Lymphödem (Foto unten)
  • Metastasen: verstreute Tumorzellen setzen sich in Lymphknoten fest, vermehren sich dort und bewirken einen Rückstau der Lymphe
  • fortgeschrittene Schwangerschaft

 

Symptome

  • Die Schuhe sind und bleiben zu eng
  • Lymphödeme sind teigig, eindrückbar und hinterlassen keine Dellen
  • langanhaltende Lymphödeme werden später fest und hart
  • Lymphödeme sind oft schmerzfrei und manchmal sehr schmerzhaft

 

Therapie

  • Ursachen beseitigen
  • Bandagen, Massagen, Bewegung
  • entwässern mit Reis oder Kartoffeln
  • Diuretika zur Anregung der Nieren

 

Komplikationen

  • Bewegungseinschränkungen
  • Schädigungen von Gelenken bei extremen Ödemen
  • Bewegungsmangel
 

[1] Atherosklerose ist die veraltete, gleichbedeutende Bezeichnung aus dem Griechischen für die latinisierte Form Arteriosklerose.

[2] Das Lumen ist der innere Hohlraum eines Gefäßes. Autopsiestudien ergaben erste arteriosklerotische Ablagerungen in den Koronararterien bei 50 % der 2 bis 15Jährigen und bei 85 % der 21 bis 39Jährigen (2025).

[3] Das Metabolische Syndrom umfasst vier Risikofaktoren: Gewicht ⬆️, Blutdruck ⬆️, Blutzucker ⬆️, Blutfette ⬆️.

[4] Ergotamin wirkt stark gefäßverengend (vasokonstriktorisch) und wird gegen Migräne eingesetzt.

[5] Zitat einer Betroffenen: „Die Finger werden erst weiß, dann blau und rot.“

[6] Manche Betroffene empfehlen Nattokinase aus der Sojabohne zur Verbesserung der Durchblutung.

[7] Der Begriff geht auf das altgriechische Wort aneúrysma zurück, das Aufweitung oder Erweiterung bedeutet.

[8] phleb = Vene (griechisch)

[9] Der Volksmund meint dazu „Sitzen ist das neue Rauchen“.

[10] to strip = abstreifen. Stripping der tiefen Vene = Vena saphena magna oder der Seitenvenenäste = Venae perforans

[11] Wucheria bancrofti, eine Fadenwurmerkrankung, die durch Mücken in den Tropen übertragen wird. Benannt nach Otto Wucherer, einem brasilianischen Arzt, sowie Joseph Bankroft, einem australischen Arzt; beide um 1850. Das Farbfoto zeigt die Elephantiasis tropica.