Nicht alles, was Genuss bereitet, ist auch wohltuend.

Doch alles, was wohltuend ist, bereitet auch Genuss.

Pythagoras

Die Verdauungsorgane und der Bauch

 

Mundhöhle und Zähne

Die Verdauung beginnt im Mund. Nahrung wird von den Zähnen zerkleinert und durch Bewegungen von Zunge und Kiefer gründlich durchmischt. Gleichzeitig wird sie mit Speichel vermengt, der das Schlucken erleichtert und erste Verdauungsenzyme bereitstellt. Dabei werden die Beschaffenheit, Temperatur und der Geschmack der Nahrung geprüft und auf Verträglichkeit eingeschätzt. Anschließend wird der Nahrungsbrei in Richtung Rachen befördert und verschluckt.

 

Der Genuss am Essen entsteht durch das Zusammenspiel der Sinneswahrnehmungen Riechen, Sehen und Schmecken. Ohne Geruchssinn wirken die meisten Speisen geschmacklos, fade oder schmecken ungewohnt.

 

Nahrungsverarbeitung in der Mundhöhle

  • Die Zunge mit Geschmacksknospen zum Tasten, Saugen, Schlucken, Verteilen und Schmecken bereitet die Nahrungsaufnahme vor. Sie spielt bei der Sprachbildung eine wichtige Rolle, hat mehrfach verflochtene Muskelfasern sowie eine gewisse Gedächtnisfähigkeit.

 

  • 20 Zähne im Milchgebiss und 32 Zähne beim Erwachsenen zermahlen die Nahrung. Die Zählung der Erwachsenen-Zähne erfolgt gemäß diesem Zahnschema[1]. à und Seite 11

 

18 17 16 15 14 13 12 11

21 22 23 24 25 26 27 28

48 47 46 45 44 43 42 41

31 32 33 34 35 36 37 38

 

Dies entspricht der Lage im Kiefer:

oben rechts

oben links

unten rechts

unten links

 

  • Speicheldrüsen sondern Mundspeichel über ihre Ausführungsgänge in die Mundhöhle ab. Mit Hilfe des Speichels wird die Nahrung enzymatisch vorverdaut. Der Speichel ist dünnflüssig und enthält insbesondere das zuckerspaltende Enzym a-Amylase[2], sowie Lipase zur Fettspaltung. Letztere entfaltet erst im sauren Milieu des Magens ihre volle Wirkung.

Rachen = Pharynx

Der Rachen ist ein 12 bis 15 cm langer, muskulöser Schlauch, der hinter der Mund- und Nasenhöhle liegt und sowohl Bestandteil des Verdauungstrakts als auch des Atmungssystems ist.

 

Er verbindet die Mundhöhle mit der Speiseröhre und die Nasenhöhle mit der Luftröhre; dabei kreuzen sich im mittleren Abschnitt die Luft- und Speisewege. So dient der Rachen als gemeinsamer Weg für Nahrung und Luft. Beim Schlucken verhindert der Kehldeckel (Epiglottis), dass die Nahrung nicht in die Luftröhre, sondern in die Speiseröhre gelangt. Das Eindringen von Speiseteilen in die Atemwege wird mit reflektorischem Husten verhindert.[3]

 

Speiseröhre = Ösophagus

Die 25 Zentimeter lange Speiseröhre befördert Nahrungsbissen und Getränke vom Rachen durch den Brustraum in den Magen. Dieser Transport erfolgt mithilfe wellenförmiger, ringförmiger Muskelkontraktionen, die als peristaltische Wellen bezeichnet werden. Dadurch wird die Nahrung sicher und kontrolliert in Richtung Magen weitergeleitet. Dies gelingt auch im Liegen und im Handstand.

 

Beim Erbrechen entleert sich der Magen in umgekehrter Richtung. Das Brechzentrum im Hirnstamm aktiviert und koordiniert diese Körperreaktion, welche als Antwort auf Mageninhalt und Schwindel ausgelöst werden kann.

 

Magen = Gaster

Im Magen wird die Nahrung durch den stark sauren Magensaft[4] verflüssigt und chemisch zerkleinert. Zusammen mit eiweißspaltenden Enzymen entsteht daraus ein Speisebrei (Chymus), der durch Muskelbewegungen im Magen gründlich durchmischt wird. Anschließend wird der Chymus portionsweise über den Magenpförtner (Pylorus) in den Dünndarm weitergeleitet.

 

Drei Faktoren führen entweder zur Förderung oder Hemmung der
Magensaft-Produktion:

 

Reflektorische Phase

beim Denken an Essen, Riechen und Sehen von Nahrung, beim Schmecken und Kauen sowie bei Hunger und Appetit wird der Fluss der Säfte gefördert

Gastrische Phase

während des Verweilens von Nahrung im Magen werden Magensäfte produziert

Intestinale Phase

eine Dünndarmfüllung hemmt reflektorisch die Magentätigkeit

 

Der Magen gliedert sich in drei Abschnitte

Kardia

Mageneingang

Fundus

oberer Teil

Corpus

mittlerer Teil

Antrum

unterer Teil

Pylorus

Magenpförtner

 

Die Magenschleimhaut ist von tiefen Falten durchzogen, welche es dem Magen ermöglichen, sich während der Nahrungsaufnahme stark auszudehnen. So kann die Oberfläche für den Kontakt mit der Nahrung vergrößert werden.

 

Die innere Schicht der Schleimhaut besteht aus spezialisierten Epithelzellen, die einen zähen, alkalischen Magenschleim absondern. Dieser Schleim bildet, zusammen mit dem alkalischen Bikarbonat, eine schützende Barriere. So wird die Magenwand vor aggressiver Salzsäure (HCl) und eiweißspaltenden Enzymen bewahrt und die Selbstverdauung verhindert.

 

Tief in der Magenschleimhaut liegen hoch spezialisierte, schlauchförmige Drüsen, die je nach Magenregion unterschiedliche Aufgaben erfüllen.

  • Nebenzellen produzieren einen alkalischen Schleim, der die Magenwand vor der Magensäure schützt
  • Belegzellen bilden Salzsäure (HCl) und den Intrinsic-Faktor
  • Hauptzellen produzieren Pepsinogene. Sie sind die inaktiven Vorstufen der eiweißspaltenden Enzyme, welche im sauren Milieu des Magens zu aktivem Pepsin umgewandelt werden[5].

 

Verschiebung der Säure-Basen-Balance

Beim Übergang vom Magen durch den Pylorus in den Darm wechselt der pH-Wert radikal von stark sauer im Magen zu schwach basisch im Dünndarm. Das …

  • Bikarbonat des Dünndarms und
  • Bikarbonat der Bauchspeicheldrüse

… puffern die Magensäure.

 

Dünndarm = Intestinum tenue

Im Dünndarm findet der wichtigste Teil der Nahrungsumwandlung und die meiste Nährstoffaufnahme statt. Nachdem die Nahrung den Magen verlassen hat, gelangt sie als Speisebrei in den Dünndarm. Dort wird sie durch Verdauungssäfte weiterverarbeitet. Diese stammen aus den Drüsen des Dünndarms, aus der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und aus der Gallenblase. Die Verdauungssäfte enthalten Enzyme, welche die Nahrungsbestandteile Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße (Proteine) in kleinere Bausteine zerlegen.

Die Bauchspeicheldrüse produziert die Enzyme Amylase, Lipase und Peptidasen, die zur Spaltung der Kohlenhydrate, Fette und Proteine erforderlich sind. Der Gallensaft der Leber emulgiert die Fette, damit diese im wässrigen Milieu resorbiert werden können.

 

Start

Enzym

Ziel

Kohlenhydrate

Amylase

Glukose

Fette

Lipasen

Fettsäuren

Eiweiße = Proteine

Peptidasen

Aminosäuren

 

Mit Hilfe der Enzyme entstehen kleineren Moleküle wie Glukose, Aminosäuren und Fettsäuren, die von den Zellen der Dünndarmschleimhaut aufgenommen werden. Dieser Vorgang wird als Resorption bezeichnet. Die resorbierten Nährstoffe gelangen anschließend über Blut- und Lymphsystem in den Körperkreislauf. Damit stehen sie dem Organismus zur Energiegewinnung und zum Aufbau seiner Strukturen zur Verfügung.

 

Drei Abschnitte des Dünndarms

 

Der Dünndarm ist 6 m lang[6] und besteht aus drei Hauptabschnitten, die unterschiedliche Aufgaben im Verdauungsprozess übernehmen.

 

Der Zwölffingerdarm (Duodenum) ist der erste und mit 30 cm kürzeste Abschnitt des Dünndarms. Er schließt über den Pylorus direkt an den Magen an und verläuft C-förmig um den Kopf der Bauchspeicheldrüse. In den Zwölffingerdarm münden die Ausführungsgänge von Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und Gallenblase. Hier werden der aus dem Magen kommende Speisebrei (Chymus) durch Verdauungsenzyme und Gallensäuren weiter aufgespalten. Auch wird der saure Speisebrei aus dem Magen gepuffert, um ein optimales Milieu für die Enzyme des Dünndarms zu erzeugen.

 

Der Leerdarm (Jejunum) schließt sich mit einer Länge von 2,5 m an das Duodenum an und liegt im oberen Bauchraum. Seine Hauptaufgabe ist die Aufspaltung und Resorption verschiedener Nahrungsbestandteile, darunter Aminosäuren, Kohlenhydrate, Fettsäuren, Wasser, Vitamine und Elektrolyte. Die Oberfläche des Jejunums ist durch Zotten, Mikrovilli und Krypten stark vergrößert, was die Resorptionsleistung erheblich steigert.

 

Im Jejunum findet der Hauptteil der enzymatischen Umwandlung und Nährstoffaufnahme statt. Die Schleimhaut ist besonders reich an Falten und Zotten, was eine große Oberfläche für die Resorption von Nährstoffen, Elektrolyten[7] und Wasser schafft.

 

Name

Funktion

Duodenum

Zwölffingerdarm

Pufferung und Aufspaltung

Jejunum

Leerdarm

Aufspaltung und Resorption

Ileum

Krummdarm

Aufspaltung und weitere Resorption

 

Der Krummdarm (Ileum) ist mit 3 m der längste Abschnitt des Dünndarms und folgt auf das Jejunum. Er liegt im Unterbauch und endet an der Ileozäkalklappe (Bauhin-Klappe), dem Übergang zum Dickdarm. Im Ileum werden verbliebene Nährstoffe, Elektrolyte, Vitamin B12 und Gallensalze aufgenommen. Zudem ist das Ileum reich an lymphatischem Gewebe (Peyer-Plaques), das eine wichtige Rolle bei der Darm-Immunität spielt.

 

Bewegungen des Dünndarms

Die zweischichtige Muskulatur des Dünndarms[8] ermöglicht drei Bewegungsformen:

  • Peristaltik: Wellenförmige Kontraktionen, die den Darminhalt langsam in Richtung Dickdarm transportieren.
  • Segmentation: Rhythmische, abschnittsweise Kontraktionen der Ringmuskulatur, die den Chymus durchmischen und eine gleichmäßige Verteilung an der Darmwand bewirken. Dies erhöht die Kontaktzeit und damit die Resorptionsrate.
  • Pendelbewegung: Durch die Längsmuskulatur werden Abschnitte des Darms abwechselnd verkürzt und verlängert, was den Chymus vor- und zurückbewegt und ebenfalls die Durchmischung fördert.

Alle Bewegungen gemeinsam sorgen dafür, dass der Darminhalt optimal mit Verdauungsenzymen vermischt und innig mit der Oberfläche in Kontakt. Damit können die Nährstoffe schnell und effektiv resorbiert werden.

 

Oberflächenvergrößerung des Dünndarms

  • Falten, Zotten und Mikrovilli: Die innseitige Oberfläche des Dünndarms ist mit Kerckring-Falten ausgekleidet und mit fingerförmigen Zotten und darauf sitzenden Mikrovilli versehen, über die sich wiederum Darmwandzellen (Enterozyten) und Schleimzellen (Becherzellen) verteilen.
  • Hierdurch wird die Resorptionsfläche auf 350 bis 400 qm vergrößert. So steigern die Zotten die Oberfläche um das 40-Fache, die Mikrovilli um das 600-Fache.
  • Die Oberflächenvergrößerung bietet eine ideale Kontaktfläche zwischen Darminhalt (Chymus) und resorptiver Zellschicht.
  • Nährstoffe, Elektrolyte und Wasser werden hocheffizient aufgenommen. Deren Resorptionsstrecke durch die Enterozyten ist kurz, was die Nährstoffaufnahme begünstigt.

 

Bau und Funktion der Zotten

  • Struktur: Jede Zotte enthält Blutkapillare zur Aufnahme von Aminosäuren und Zuckern[9] sowie je ein zentrales Lymphgefäß für die Aufnahme der Fette. Die Zotten sind von Mikrovilli bedeckt, welche die Oberfläche stark vergrößern.
  • Oberfläche: die gesamte innere Oberfläche ist von Darmwandzellen (Enterozyten) bedeckt.
  • Motorik: Die Zotten führen eigene, kontraktile Bewegungen aus, die den Lymphfluss und die Resorption fördern.

 

Die Resorption des Darminhalts wird durch seine extreme Oberflächenvergrößerung erleichtert. Durch Fältelung, Zotten und Villi entsteht im Dünndarm eine innere Oberfläche von bis zu 400 m2.

 

Bauchhirn = ENS

Das Bauchhirn hat viele Namen; diese sind Enterisches Nervensystem, Darmwandnervensystem und Eingeweidenervensystem. Es besteht aus zwei Geflechten (Plexi[10]) mit 100 bis 200 Millionen Nervenzellen. Diese durchziehen den ganzen Magen-Darm-Trakt (Gastrointestinaltrakt) von der Speiseröhre bis zum Enddarm. Es enthält mehr Nervenzellen als das Rückenmark.

 

Die beiden Plexi bilden das Bauchhirn. Diese liegen in der Wand vom Dünn- und Dickdarm und dem gesamten Gastrointestinaltrakt.

 

Nervengeflechte des ENS

Plexus Auerbach

äußerer Plexus

vom Ösophagus (Speiseröhre) bis zum Rektum (Enddarm)

Plexus Meißner

innerer Plexus

vom Dünndarm bis Dickdarm

 

Das Enterische Nervensystem steuert die Verdauungstätigkeit weitgehend autonom. Zusätzlich kommuniziert es mit dem Kopf-Gehirn. Hierzu produziert das Bauchhirn Botenstoffe. Diese senden via Nerven (Nervus vagus), Blutbahnen und hormonell Signale vom Bauch zum Kopf, wodurch Stimmungslagen, Essgewohnheiten, Emotionen und Wohlbefinden maßgeblich stimuliert werden.

 

Botenstoffe = Neurotransmitter und Gewebshormone des ENS

Serotonin

Steuerung der Darmbewegung, von Appetit und Stimmungslagen

 

erzeugt Glücksgefühle

Dopamin

Durchblutungsregulation im Darm

 

erzeugt Belohnungsgefühle

Glutamat

Fördert die Regulation und schnelle Reizweiterleitung im Darm und Gehirn

 

steigert den Appetit[11]

GABA[12]

Inhibitor zur Ruhigstellung des Darmes und Gehirns[13]

dämpft Stressreaktionen

Zytokine

Förderung der Immunmodulation und Zellkommunikation

 

Steuerung der Immunantwort, reguliert Entzündungen und Fieber, fördert Wundheilung und Gewebereparatur

Botenstoffe des Mikrobioms

Das Mikrobiom beeinflusst über Botenstoffe das Bauchhirn und Kopf-Gehirn und moduliert unter anderem Lust- und Essverhalten

 

 

 

Mikrobiom

Alle Mikroorganismen, die in und auf dem Körper siedeln, bilden ein Mikrobiom[14]. Besonders reichhaltig ist das Darmmikrobiom, wo es organähnliche Aufgaben übernimmt. Zu diesen gehören die Aufschlüsselung der Nahrung, die Produktion von Vitaminen und die Eindämmung von Krankheitserregern.

 

Das Mikrobiom beeinflusst das Immunsystem, den Stoffwechsel und die Psyche. Seine Zusammensetzung ist individuell verschieden und wird durch Ernährung, Lebensstil und Medikamente stark beeinflusst. Ein gestörtes Mikrobiom kann Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Allergien oder Depressionen erzeugen oder fördern.

 

Das Mikrobiom wiegt ein bis zwei Kilogramm und wird wissenschaftlich als eigenständiges Organ bezeichnet. Die Anzahl der Mikroorganismen im Darm schwankt tagesbedingt von 30 bis 100 Billionen.

 

Organfunktionen des Mikrobioms

Metabolismus

Das Darmmikrobiom übernimmt lebenswichtige Aufgaben. Dazu gehört die Verdauung langkettiger Nährstoffe, die Produktion von Vitaminen und von Fettsäuren, die Regulation des Immunsystems und die Abwehr von Krankheitserregern.

 

Gesundheit

Befindet sich das Mikrobiom im Gleichgewicht, in der Eubiose, fördert dies die Gesundheit. Doch es kann erkranken; dieser Zustand wird Dysbiose[15] genannt.

 

Organkommunikation

Das Mikrobiom kommuniziert über Neurotransmitter und Nervenbahnen mit Gehirn und Organen.

 

Hormonregulation

Das Mikrobiom bildet Hormone und hormonähnliche Stoffe und interagiert mit den endokrinen Zellen.

 

Genom

Die Gene des Mikrobioms übersteigen die des menschlichen Genoms um das 100-Fache und greifen in dessen Epigenetik ein.

 

 

Epigenetik

Die Gene des Mikrobioms können die menschlichen Gene zwar nicht verändern, aber modulieren, indem sie ihre Aktivitäten verstärken, dämpfen, ein- oder ausschalten.

 

Vom Mikrobiom erzeugtes …

  • Serotonin erzeugt Glücksgefühle
  • GABA beruhigt Darm und Körper
  • Dopamin fördert das Belohnungsgefühl

 

Das Mikrobiom wird durch Ernährung, Medikamente, Lebensstil und Umweltfaktoren nachhaltig verändert. Diese Einflüsse bestimmen, welche Gene in Zellen aktiviert oder unterdrückt werden, und formen so das Erscheinungsbild des Menschen im Laufe des Lebens.

 

Kurz gesagt: Man ist, was man isst.

 

Dickdarm = Kolon

Der Dickdarm ist der letzte Abschnitt des Verdauungstrakts und schließt sich direkt an den Dünndarm an. Er mündet an der Bauhin-Klappe in den Dickdarm. Damit ändern sich zahlreiche Verhältnisse radikal:

  • größerer Durchmesser
  • reichhaltigeres Mikrobiom
  • veränderte Darmbeweglichkeit
  • längere Verweildauer des Darminhalts
  • Eindickung des Darminhalts

 

Der den Dünndarm umrahmende Dickdarm ist 1,5 m lang und gliedert sich in 6 Abschnitte.

 

Abschnitte des Dickdarms

Blinddarm

mit Wurmfortsatz

Caecum

mit Appendix

Aufsteigender Dickdarm

Kolon ascendens

Querverlaufender Dickdarm

Kolon transversum

Absteigender Dickdarm

Kolon descendens

S-förmige Schleife

Sigmoideum = Sigma

Enddarm = Mastdarm

mit After

Rektum

mit Anus

 

Funktionen

Der Dickdarm entzieht dem Nahrungsbrei Wasser, Salze, Vitamine und Eisen. Der Stuhl wird eingedickt. Zusätzlich wird dem Darminhalt für die Gleitfähigkeit Schleim beigemischt.

 

Das Dickdarm-Mikrobiom unterstützt die Aufschließung unverdaulicher Nahrungsbestandteile.

 

Mit Hilfe dieses Dickdarm-Mikrobioms werden lebenswichtige Vitalstoffe wie Vitamin B12 und Vitamin K gebildet. Wesentlicher Teil der Verdauungsarbeit wird im Kolon nicht mehr durch Enzyme, sondern durch den Umsetzungsprozess des symbiotischen Mikrobioms geleistet.

 

Entleerung

Der Mastdarm (Rektum) dient als Speicher für den Stuhl (Fäzes) bis zur Ausscheidung über den After (Anus). Es entsteht zunächst Stuhldrang, anschließend werden unverdauliche Reste per Defäkation durch den Anus beim Stuhlgang aus dem Körper hinausbefördert.

 

Zusammensetzung des Stuhls

Der Stuhl besteht zu 75% aus Wasser sowie aus unverdauten Nahrungsresten, Ballaststoffen, Bakterien, abgestoßenen Darmwandzellen (Enterozyten), Verdauungssäften und Gallenfarbstoffen.

 

Anus

Der Rückhalt und der kontrollierte Abgang des Fäzes erfolgt durch mehrere Rückhaltemechanismen.

 

Rückhaltemechanismen des Rektums

Das Rektum hält den Stuhl durch Dehnbarkeit, hämorrhoidale Schwellkörper, Schließmuskeln und Beckenbodenmuskulatur zurück. Die Steuerung erfolgt unwillkürlich und willkürlich. à nächste Seite

 

Speicherfunktion

Das Rektum ist dehnbar und dient als Speicher für den Stuhl. Sammelt sich genug Stuhl an, entsteht Stuhldrang.

 

Kohlrausch-Falte

Halbmondförmige Querfalte zum Zurückhalten des Stuhls.

 

Hämorrhoidale Schwellkörper

Vor dem Analkanal liegen venöse Schwellkörper, die das Austreten von Gasen und Stuhl verhindern[16].

 

Innerer Schließmuskel

Dieser Muskel arbeitet unwillkürlich und sorgt für den unbewussten Grundverschluss des Anus.

 

Äußerer Schließmuskel

Dieser Muskel kann willkürlich angespannt werden, um den Stuhl bewusst zurückhalten.

 

Beckenbodenmuskel

Schlingenartiger Hebemuskel des Rektums[17].

 

 

Steuerung der Entleerung

Dehnungsrezeptoren in der Rektumwand melden dem Gehirn, wenn das Rektum gefüllt ist. Durch sie entsteht das Gefühl von Stuhldrang.

 

Der Stuhlgang kann durch Anspannung der äußeren Muskulatur bewusst hinausgezögert werden.

 

Damit es zur Defäkation kommen kann, müssen alle zurückhaltenden Muskeln und Schwellkörper erschlaffen sowie die Kohlrausch-Falte verstreichen. Nur der äußere Schließmuskel ist dem Willen unterworfen, alle übrigen Mechanismen werden vegetativ gesteuert. Eine Entspannung durch die parasympathischen Sakralnerven Nervi pelvici muss abgewartet werden[18].

 

Aufspaltung der Nahrung

Wo?

Was?

Wie?     -ogen = inaktive Vorstufe

Mund

Kohlenhydrate (KH), Fette

Alpha-Amylase, Zungen-Lipase (inbs. Baby)

Magen

Eiweiße (EW), Fette

Pepsin(-ogen), Magen-Lipase (gering)

Dünndarm

KH, EW, Fette

Bauchspeichel: Amylase, Trypsin(-ogen), Pankreas-Lipase

Gallensäuren: Fette werden durch Emulsion wasserlöslich

Dickdarm

Unverdautes & Faserstoffe

Mikrobiom

 

Bauchfell = Peritoneum und Mesenterium

Die Bauchhöhle (Cavitas abdominalis) wird vom Bauchfell ausgekleidet. Darin liegen die intraperitonealen Bauchorgane.

 

Das Bauchfell besteht aus einem äußeren (parietalen) und einem inneren (viszeralen) Blatt, die mit dem Mesenterium eine Duplikatur bilden. Dadurch sind die Organe in der Bauchhöhle fixiert. Das Peritoneum schützt die Bauchorgane, ermöglicht ihr reibungsloses Gleiten und dient als Transitraum für Gefäße und Nerven. Zudem trägt es zur Immunabwehr in der Bauchhöhle bei.

 

Die Blutversorgung der Organe erfolgt über die Mesenterialgefäße. Das venöse Blut der unpaarigen Bauchorgane fließt anschließend über die Pfortader (Vena portae) zur Leber ab.

 

Intraperitoneale Organe

Extraperitoneale Organe

Speiseröhre unterer Teil

Nieren, Nebennieren

Magen

 

Duodenum partiell, Dünndarm, querverlaufender Dickdarm

Duodenum partiell,
auf- und absteigender Dickdarm, Rektum

Milz, Leber, Gallenblase

Pankreas

Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter

Vagina, Hoden

 

Funktionen des Bauchfells

  • Schutz der Bauchorgane vor äußeren Einflüssen und Halt
  • Produktion von seröser Gleitflüssigkeit für die reibungsarme Bewegung der Organe in der Bauchhöhle
  • Sterilität der Bauchhöhle und Barriere gegen Keime
  • Verlauf von Blutgefäßen, Nerven und Lymphbahnen zur Versorgung und Entsorgung der Bauchorgane

 

Versorgung der Bauchorgane

Alle intraperitonealen Organe werden über die im Mesenterium verlaufenden Blutgefäße versorgt. Die arterielle Versorgung erfolgt durch die Äste der Aorta abdominalis. Der venöse Abfluss des Blutes aus den Verdauungsorganen erfolgt über die Vena portae zur Leber.

 

[1] Sprich: eins – acht; eins – sieben; …; gemeint ist damit: erster Quadrant, achter Zahn, …

[2] Sprich: Alpha-Amylase = Ptyalin

[3] Während Säuglinge gleichzeitig schlucken und atmen können, wird bei Erwachsenen die Atmung durch den Kehldeckel beim Schluckvorgang verhindert. Dessen Koordination müssen Kinder erst lernen und verschlucken sich daher gelegentlich heftig.

[4] Salzsäure mit einem pH-Wert von 1 bis 2

[5] 2 Pepsinogenen-Haupttypen und 5 Variablen werden in den Hauptzellen produziert

[6] Die Gesamtlänge des 4 bis 7 m langen Dünndarms variiert stark, je nach Anspannung und Entspannung der Muskulatur, Füllungszustand und Muskeltonus.

[7] Elektrolyte = geladene Teilchen, die entweder positiv oder negativ geladen sind

[8] Sie besteht aus einer inneren Ringmuskulatur und einer äußeren Längsmuskulatur

[9] Drei Zucker-Arten werden von den Zotten des Dünndarms resorbiert und ins Blut überführt:

  • Glukose zur zentralen Energiegewinnung für den ganzen Körper
  • Galaktose als Brennstoff für den Energiestoffwechsel des Gehirns
  • Fruktose als Energielieferant und für den schnellen Aufbau von Speicherfett. Fruktose hemmt das Sättigungsgefühl und führt zu längerer Nahrungsaufnahme.  

[10] Nervengeflecht(e): Plexus im Singular; Plexi im Plural

[11] Sehr hohe Dosen an Glutamat wirken neurotoxisch.

[12] Gamma-Aminobuttersäure

[13] Ein ausgewogener GABA-Spiegel ist entscheidend für Entspannung, Stressresistenz und emotionale Stabilität

[14] Um 1900 wurde der Begriff Darmflora geprägt, da Mikroorganismen dem Pflanzenreich = Flora zuordnet wurden. Ab 1990 erhielten Bakterien eine eigene Gattung und Darmflora wurde in Fachpublikationen durch die Begriffe Mikrobiom und Mikrobiota ersetzt.

Darmflora ist im allgemeinen Sprachgebrauch weiterhin gebräuchlich, im medizinischen Kontext wird meist vom Mikrobiom gesprochen.

[15] Eubiose = Gleichgewicht, Dysbiose = Ungleichgewicht

[16] Der Ursprungsort für hämorrhoidale Leiden

[17] Ein wichtiger Schließmuskel für die Kontinenz ist der Musculus levator ani.

 

[18] Der Vagus (X. Hirnnerv) innerviert nur bis zum Querkolon, unterhalb übernehmen die parasympathischen Sakralnerven.