Psychiatrische Krankheiten

 

Depressive Störungen

 

Hinweise

Die Diagnose Depression wird oft gestellt, doch zwischen einer depressiven Stimmungslage, die viele Menschen zweitweise erleben, und einer klinisch manifesten Depression bestehen fließende Übergänge.

 

Emotionale Tiefs, Traurigkeit, zeitweilige Lustlosigkeit, Gefühle von Sinnlosigkeit oder Ohnmacht gelten erst dann als krankheitswertig, wenn sie über einen längeren Zeitraum anhalten. Solche Zustände können durch belastende Ereignisse wie den Verlust einer Partnerin oder eines Partners, eines Familienmitglieds oder der Arbeitsstelle ausgelöst werden, müssen aber keinen erkennbaren Auslöser haben.

 

Betroffene leiden oft unter Schlafstörungen und quälendem Grübeln. Sie beschäftigen sich gedanklich stark mit der Vergangenheit und gehen frühere Situationen immer wieder durch. Gedanken können sich um Sinnlosigkeit drehen und zu Suizidgedanken steigern, oder zu gegen die eigene Person gerichtetem, aggressivem Verhalten führen.

 

Symptome und Schweregrade

  • Depressive Episode
    • zeitlich begrenzt
    • gedrückte Stimmung, Antriebsmangel, Interessenverlust
    • meist einmaliges oder vereinzeltes Auftreten
  • Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion
    • Folge eines belastenden Ereignisses
    • oft mit Angst und Überforderung gemischt
    • eher kürzere Dauer mit Besserung nach Wegfall oder Verarbeitung des Stressors
  • Rezidivierende depressive Störung
    • wiederholte depressive Episoden
    • oft lebenslanger Verlauf
    • langfristige Therapie und Rückfallprophylaxe

 

Therapie

  • Symptomreduktion, Nervoheel, Ypsiloheel, Johanneskraut[1]
  • Psychotherapie, Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie
  • Antidepressiva

 

Differentialdiagnose

  • Trauer, Belastung, Überforderung, Trauma, Entbindung[2]
  • Angststörungen, Phobie, Sucht, medikamenteninduziert
  • körperliche Grunderkrankung, Vitaminmangel

Bipolare affektive Störung = Manische Depression

 

Eine Sonderform ist das abwechselnde Auftreten von Manie und Depression. Insbesondere der Übergang von der Manie zur Depression ist riskant, da in dieser Phase Schäden gegen die eigene Person angerichtet werden können.

 

Manie

In der manischen Phase finden Selbstüberschätzung, Getriebenheit, Kaufrausch, Redefluss, sexuelle Enthemmung und maximale Begeisterung statt. Erkrankte schließen Verträge ab, feiert Nächte durch, reden sehr viel und betrachten sich als Mittelpunkt allen Geschehens.

 

Die Manie führt zwar oft zu Arbeitsunfähigkeit, doch im leichten Zustand der Manie (Hypomanie) können gesteigerter Ideenreichtum und Begeisterung zu besonders guten Arbeitsergebnissen führen.

 

Therapie

  • Krisenintervention
  • In schweren Fällen ist ein Klinikaufenthalt unumgänglich, auch aus Gründen des Schutzes der erkrankten Person. In der manischen Phase unternehmen Betroffene oft viel, um aus der Klinik zu entweichen oder die eigene Einweisung zu boykottieren.
  • Lithium und Antipsychotika als zentrale Therapieoptionen
  • Bewegung, Sport, Yoga, Gespräche und Gesprächstherapie können helfen, depressive Symptome zu lindern.

 

Borderline-Syndrom =

Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS)

 

Hohe Impulsivität, rasche Stimmungsveränderungen und Schwierigkeiten, stabile zwischenmenschliche Beziehungen aufrechtzuerhalten, prägen die BPS.  Das Selbstbild wirkt wenig konsistent und für Bezugspersonen kann es eine Herausforderung sein, das Kontaktgefüge verlässlich zu gestalten.

 

Diagnose-Kriterien

Die Diagnose wird nach DSM5 gestellt, wenn tiefgreifende Muster von Instabilität in Beziehungen, Affektregulationen, im Selbstbild und deutlich impulsives Verhalten vorliegt, plus mindestens fünf der folgenden Merkmale erfüllt sind (zusammengefasst):

  • starkes Bemühen, Verlassenwerden zu vermeiden
  • instabile Beziehungen zwischen Idealisierung und Entwertung
  • Identitätsstörung und Instabilität der Selbstwahrnehmung
  • Impulsivität in zwei oder mehr selbstschädigenden Bereichen (wie Geldausgaben, Sexualität, Substanzkonsum, riskantes Fahren, Essanfälle)
  • wiederholte suizidale Handlungen oder Suizidandrohungen
  • affektive Instabilität, Reizbarkeit oder Angst
  • chronische Gefühle von Leere
  • unangemessene Wut, häufige Wutausbrüche, anhaltender Ärger

 

Ursachen

  • genetisch
  • problematisches Elternhaus wie Streit, Trennung
  • anatomische Veränderungen im Gehirn

 

Therapie

  • Psychotherapie
  • Verhaltenstherapie
  • kognitive Umstrukturierung wie Änderung der Lebenskonzepte
  • medikamentös, Antidepressiva
  • Verbesserung möglich, vollständige Ausheilung selten

 

Differentialdiagnose

  • Depression
  • ADHS

Schizophrenie

Krankheitsbild der Schizophrenie

In der Schizophrenie werden die eigenen psychischen und physischen Grenzen gestört wahrgenommen. Erkrankte können zwischen eigenen Gedanken und den Gedanken anderer nicht mehr unterscheiden, hören fremde Stimmen oder erkennen ihr eigenes Ich nicht mehr. Fremde Stimmen können in das eigene Handeln massiv eingreifen und auffordernd werden. Eigene Körperteile können als fremd wahrgenommen werden. Es entsteht unendlich viel Unsicherheit, Leere und Angst.[3]

 

Der episodische Krankheitsverlauf ist meist schubweise.

 

Ursachen

  • Glutamat, Drogen, Cannabis
  • gelegentlich genetisch, Sauerstoffmangel während der Geburt
  • belastende Lebensereignisse, Migrationsstress, Diskriminierung, Traumatisierungen, anhaltender Stress

 

Therapie

  • medikamentös
  • Psychotherapie

 

Anorexia nervosa & Bulimie

Beide Varianten sind in unserer Gesellschaft immer stärker verbreitet. Insbesondere junge Frauen leiden zunehmend unter den subjektiv wahrgenommenen Anforderungen bezüglich ihres Aussehens und ihrer Wirkung auf die Umwelt. Das Bedürfnis nach einem bestimmten Körperumfang oder Gewicht steht oft in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Erscheinungsbild.

Bei Anorexie kommt es zu einer ausgeprägten Gewichtsabnahme, oft deutlich unter dem individuell zu erwartenden Normalgewicht, teilweise bis zum körperlichen Zusammenbruch. Typischerweise bleibt die Menstruation aus; das Gesicht verändert sich meist kaum. Häufig zeigen Betroffene zudem eine stark erhöhte körperliche Aktivität, um ihr niedriges Gewicht zu halten.

 

Bei der Bulimie kommt es abwechselnd zu ungezügelten Fressattacken, die mit Abführmitteln und Mitteln zur Gewichtsreduktion beantwortet werden. Oft wird das Erbrechen herbeigeführt, was Reizungen der Speiseröhre und Zahnverfall nach sich zieht.

 

 

Angststörungen, Panikstörung, Agoraphobie,
soziale Phobie, generalisierte Angststörung

 

Bei Angststörungen nehmen Angst und Sorge überhand und belasten den Alltag stark. Betroffene wissen in der Regel, dass ihre Angst irgendwie übertrieben ist, können sie aber nicht abstellen.

 

Bei einer Panikstörung treten plötzlich heftige Angstanfälle auf, oft begleitet von Herzrasen, Zittern, Schwindel oder dem Gefühl, gleich umzufallen oder zu sterben. Aus Angst vor Triggern meiden Betroffene eventuell auslösende Situationen.

 

Agoraphobie beschreibt die Angst vor Orten, an denen man glaubt, im Notfall nicht gut wegzukommen. Dies können Fahrstühle sein, aber auch Rolltreppen, Bussen, Bahnen, große Geschäfte oder Menschenansammlungen.[4]

 

Bei sozialer Phobie haben Menschen starke Angst, sich vor anderen zu blamieren oder negativ beurteilt zu werden, etwa beim Reden vor Gruppen oder im direkten Kontakt mit Fremden.

 

Die generalisierte Angststörung zeigt sich als dauerndes Grübeln und Sorgen um viele Lebensbereiche, oft verbunden mit innerer Unruhe, Anspannung und Schlafproblemen.

 

Therapie

Angststörungen sind häufig und können mit verständnisvoller Unterstützung, Psychotherapie und manchmal Medikamenten gut begleitet und behandelt werden.

 

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Traumafolgestörungen

 

PTBS und andere Traumafolgestörungen entstehen als Reaktion auf extrem belastende oder lebensbedrohliche Ereignisse. Dazu gehören schwere Unfälle, körperliche oder sexuelle Gewalt, Kriegserfahrungen, Naturkatastrophen oder plötzliche Verlusterlebnisse. Entscheidend ist, dass das Erlebte die Bewältigungsmöglichkeiten der betroffenen Person übersteigt und ein tiefes Gefühl von Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein und Bedrohung hinterlässt.

 

Kern der PTBS ist, dass das traumatische Ereignis „nicht zu Ende“ ist, sondern sich innerlich immer wieder aufdrängt.

 

Symptome

  • Wiedererleben des Traumas: belastende Erinnerungen, Albträume, intensive emotionale und körperliche Reaktionen bei Erinnerungen an das auslösende Ereignis.
  • Vermeidung: Betroffene meiden Orte, Personen, Gesprächsthemen oder Aktivitäten, die an das Trauma erinnern könnten oder Gespräche darüber.
  • Anhaltende innere Alarmbereitschaft: erhöhte Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit, Wutausbrüche, Anspannung, Angst vor akuter Gefahr.
  • Negative Veränderungen von Denken und Fühlen: Schuld- und Schamgefühle, Gefühl von Entfremdung („ich bin nicht mehr wie früher“), Misstrauen, Hoffnungslosigkeit, düsterer Blick auf die Welt.

 

Hinweise

Wurden Menschen über längere Zeit hinweg traumatisierenden Situationen ausgesetzt – etwa in der Kindheit durch wiederholte Gewalt, Vernachlässigung, sexuellen Missbrauch oder in Gefangenschaft –, können sich komplexere Traumafolgestörungen und Mischformen entwickeln.

 

Viele Betroffene haben Schwierigkeiten, Arbeit oder Ausbildung aufrechtzuerhalten, Beziehungen zu gestalten oder sich sicher zu fühlen – selbst in objektiv ungefährlichen Situationen. Der Körper reagiert mit Symptomen wie Schmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen, Erschöpfung oder Herz-Kreislauf-Beschwerden, ohne dass sich eine organische Erklärung findet. Das Trauma zeigt sich oft im ganzen Körper.

 

Therapie

  • Stabilisierung und Sicherheit
  • behutsame, strukturierte Bearbeitung der traumatischen Erinnerung, EMDR, imaginative Verfahren
  • Arbeit mit Körperwahrnehmung, Schlafhygiene, Tagesstruktur, soziales Netz, Verständnis, Aufklärung
  • medikamentös

 

ADS = Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom
ADHS = Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung

 

Definition

  • ADS beschreibt eine Störung mit Konzentrationsproblemen ohne Hyperaktivität, wobei Betroffene ruhig bis verträumt wirken können.
  • ADHS wird durch Hyperaktivität und Impulsivität geprägt, was sich in Unruhe und impulsivem Verhalten äußert.

 

Hyperaktivität wird bei Kindern und Erwachsenen immer häufiger beobachtet. Auch wenn die Ursache offiziell als unbekannt gilt, geben namhafte Autoren der Ernährung viel Beachtung. So stehen Fastfood, Softdrinks, der Geschmacksverstärker Glutamat[5] und der Süßstoff Aspartam in Verdacht, dieses Syndrom zu fördern.

 

Betroffene werden mit vielen Schwierigkeiten im alltäglichen Leben und sozialem Austausch konfrontiert. Mangelnde Selbstkontrolle, Ruhelosigkeit und Depression wirken verstärkend.

 

Therapie ADHS

Ritalin® (Methylphenidat) unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz und bedarf einer speziellen Verordnung.

 

 

Substanzgebrauchsstörungen

Erkrankungen, bei denen der Konsum einer Substanz zunehmend außer Kontrolle gerät, trotz klarer körperlicher, seelischer oder sozialer Schäden. Kennzeichen sind starkes Verlangen, Kontrollverlust, Toleranzentwicklung und Entzugssymptome.[6]

 

Auslöser

  • Alkohol
  • Schlafmittel, Sedativa, Drogen
  • Zucker
 

[1] Vorsicht bei Sonnenexposition und Kontrazeptiva-Einnahme

[2] Wochenbettdepression

[3] Einen tiefen Einblick vermittelt das Buch von Oliver Sacks mit dem Titel „Der Tag, an dem mein Bein fort ging“, in dem er nach einem Wanderunfall in Norwegen einen Teilzustand dieser Krankheit erlebte und sehr detailliert beschreibt. Sein eigenes Bein empfand er nicht mehr nur als fremd, sondern sogar als widerwärtig und forderte die Krankenschwestern nachdrücklich auf, dieses fremde Ding aus seinem Bett zu entfernen.

[4] agora (gr.) = Markplatz, phobie (gr) = Angst

[5] Glutamat ist eine Substanz, die auch im menschlichen Organismus als Neurotransmitter vorkommt. Es muss rasch abgebaut werden. Es gibt jedoch Menschen, die eine genetisch bedingt verzögerte Abbaukapazität haben.

Aspartam als künstlicher Zuckeraustauschstoff spielt eine ähnliche Rolle. Menschen, die auf diese Stoffe reagieren, sollten beide komplett meiden.

[6] Die Anonymen Alkoholiker fragen: „Willst Du oder musst Du?“