Verdauung beginnt im Kopf

 

Kaum etwas fällt dem Menschen schwerer zu verändern als seine Ernährungsgewohnheiten.

Während Nahrung nur für kurze Zeit im Mund verweilt und dort die Sinne erfreut, sind anschließend die Verdauungsorgane stunden- oder tagelang mit ihrer Weiterverarbeitung beschäftigt – bis schließlich die nicht verwertbaren Bestandteile ausgeschieden werden.

 

Hunger und Sättigung erzeugende Gewebshormone[1]

Ghrelin

Hungerhormon

Es wird im Magen gebildet.

Leptin

Sättigungshormon

Es wird in Adipozyten der Fettzellen gebildet.
Je mehr Fettzellen, desto mehr Sättigung.
[2]

 

Verdauungsorgane – Basics

Die Verdauungsorgane dienen nicht nur der Aufnahme und Verwertung von Nährstoffen, sie sind auch Schauplatz einer faszinierenden Symbiose zwischen Mensch und Mikrobiom. Weiterhin sind sie der wichtigste Ort des Immunsystems.

 

Die Zahl der mikrobiellen Symbionten im Darm übersteigt die der Körperzellen erheblich. Aktuelle Analysen gehen von 100 Billionen Mikroorganismen aus, während der menschliche Organismus insgesamt 30 Billionen Zellen umfasst. Das Darmmikrobiom besitzt somit eine enorme biologische Dichte mit einer Gesamtmasse von 1,5 bis 2 kg. Seine metabolische Aktivität ist mit derjenigen der Leber vergleichbar und spielt eine zentrale Rolle in der Regulation zahlreicher physiologischer und immunologischer Prozesse.

 

Die Eingeweide sind sehr geduldige Organe. Werden sie durch Fehlernährung, mikrobielle Fehlbesiedelung oder andere chronische Schädigungen traktiert, erzeugen sie über lange Zeit kaum Symptome oder Schmerzen. Die Leber ist mangels Nervenzellen sogar völlig schmerzunempfindlich. Treten doch Beschwerden auf, sind diese eher dumpf und schwer lokalisierbar.

 

Entzündliche Erkrankungen des Verdauungssystems beginnen typischerweise zunächst im Bereich des Enddarms und breiten sich von dort aufsteigend über den Dickdarm, Dünndarm und schließlich bis zum Magen oder der Speiseröhre aus.

 

Die Eingeweide sind sehr geduldige Organe. Werden sie durch Fehlernährung, mikrobielle Fehlbesiedelung oder andere chronische Schädigungen traktiert, erzeugen sie über lange Zeit kaum Symptome oder Schmerzen. Die Leber ist mangels Nervenzellen sogar völlig schmerzunempfindlich. Treten doch Beschwerden auf, sind diese eher dumpf und schwer lokalisierbar.

Entzündliche Erkrankungen des Verdauungssystems beginnen typischerweise zunächst im Bereich des Enddarms und breiten sich von dort aufsteigend über den Dickdarm, Dünndarm und schließlich bis zum Magen oder der Speiseröhre aus.

 

Nahrungsaufnahme – Basics

  • Der Organismus ist biologisch auf periodische Nahrungsaufnahme eingerichtet.
  • Ein bis drei Mahlzeiten pro Tag gelten als normal und empfehlenswert; von Diäten und Fastenzeiten abgesehen.
  • Pausenloses Essen überfordert die Verdauungsorgane und führt zu einem Zustand, welcher in der Tierhaltung Mast genannt wird.

 

Stoff-Wechsel = Metabolismus

Metabolismus

Wechsel eines Stoffes von einem zum anderen Zustand[4]

Metabolismus

Nahrungspassage von der Aufnahme bis zur Ausscheidung

 

Ausscheidung – Basics

Frequenz

  • Ein gesunder Darm scheidet ein- bis dreimal täglich Stuhl aus. Idealerweise, wie aus der Beobachtung von Naturvölkern hervorgeht, so oft, wie er Hauptmahlzeiten zu sich nimmt. Dies wären 1 – 3 Entleerungen / Tag.

 

Konsistenz und Geruch

  • Anhand der Stuhlbeschaffenheit lassen sich zahlreiche Rückschlüsse auf die Gesundheit ziehen, weshalb einige Tiere wie Hunde und Katzen an ihren Ausscheidungen schnuppern.
  • Angenehmer Stuhl-Abgang wird als befriedigend empfunden.
  • Die menschliche Nase ist für Fäzes zehnmal geruchsempfindlicher als für andere Geruchssignale. Stuhl-Geruch ist eine wichtige soziale Komponente zur inner-familiären Gesundheitskontrolle.

 

Farbe

  • Die Farbe des Stuhls wird durch seine Beschaffenheit und durch das Alter des abgesetzten Darminhalts bestimmt.
  • Faustregel: umso dunkler der Stuhl, desto länger hatte er im Darm verweilt, und umgekehrt.

 

Spezifisches Gewicht

  • Am Schwimmverhalten des Stuhls lässt sich grob der Fasergehalt bestimmen.
    • Umso schwerer der Stuhl (= sinkt nach unten), desto faserärmer und aus tierischen Eiweißen stammend.
    • Umso leichter der Stuhl (= schwimmt oben), desto faserreicher und aus pflanzlichen Quellen stammend.

 

Passagezeit

  • Die Passagezeit ist die Zeit von der Nahrungsaufnahme bis zur Defäkation der unverdaulichen Reste der Nahrung.
  • Optimal wären 24 Stunden, gut wären ein bis drei Tage.

 

 

Krankheiten der Verdauungsorgane

Diarrhoe = Durchfall

Definition

Gehäufte Entleerungen mit beschleunigter Darmpassage. Der Stuhl ist breiig bis flüssig, da im Kolon das Wasser nicht genügend rückresorbiert werden kann.

 

Ursachen

Die Diarrhoe ist keine Krankheit, sondern ein Symptom.

 

Mögliche Auslöser

  • Infektionen
    • mit Salmonellen kontaminiertes Softeis, Eier, aufgetautes Fleisch, Fisch
    • Cholera, Ruhr, Typhus
  • auf Reisen: Folge der Besiedelung mit dem Darm unbekannten Mikroorganismen (Montezumas Rache[5])
    • daher stets an eine Tropenanamnese denken
  • Reizkolon, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn

 

Therapie

Diarrhoe sollte nicht unterbunden werden, sondern der Darm in seinen Bemühungen, Krankheitserreger oder andere Auslöser auszuscheiden, gefördert werden.

 

Komplikationen

  • Bei Kindern besteht das Risiko der Dehydration. Sie sollten daher viel trinken oder Einläufe bekommen.
  • Bei der Cholera: Exsikkose[6] auch bei Erwachsenen

 

Obstipation = Verstopfung

Definition

  • verzögerter Transport des Darminhalts
  • Störung der Defäkation

 

Ursachen

  • faserstoffarme Nahrung durch eiweißbetonte Kost; der Stuhl sinkt nach unten
  • Flüssigkeitsmangel
  • Tonusmangel des Darmes
  • Hämorrhoiden
  • Entzündungen im Analbereich
  • Tumoren
  • Invagination
  • psychische Einflüsse wie fehlende Ruhe, oder die Schwierigkeit, den Darm auf einer fremden Toilette zu entleeren

 

Symptome

Mindestens eine Entleerung am Tag ist als normal anzusehen. Bei weniger als 3 Stuhlgängen pro Woche liegt eine Obstipation vor.

 

Umso länger der Fäzes im Kolon verweilt, desto mehr Wasser wird rückresorbiert. Der Stuhl wird trockener und härter, die Obstipation gefördert; ein Teufelskreis.

 

Therapie

  • bei körperlichen Ursachen: ursächlich behandeln
  • viel trinken, Kochsalzinfusionen oder Einläufe
  • faserstoffreiche Kost
  • Leinsamen, Flohsamenschalen

 

Komplikationen

Langzeigebrauch von Abführmitteln, denn Laxantien (Abführmittel) fördern die Obstipation.

Generelle Krankheiten der Verdauungsorgane

 

Metabolisches Syndrom

 

Multimorbidität mit vier gleichzeitig auftretenden Erkrankungen. Das Metabolische Syndrom tritt zunehmend häufiger auf und gilt neben dem Rauchen als eines der wichtigsten Risikofaktoren für Arteriosklerose, Venenthrombose und Herzinfarkt.

 

Vier Risikofaktoren

  1. Adipositas = abdominelle Fettleibigkeit durch Überernährung und Bewegungsmangel
  2. Hypertonie = zu hoher Blutdruck
  3. Diabetes mellitus = gestörter Blutzucker mit Insulinresistenz
  4. Hyperlipidämie = hohe Blutfettwerte

 

Vier Mal zu viel

Bauchumfang

Blutzucker

Blutdruck

Blutfette

 

Alle vier Faktoren gemeinsam bergen ein höheres Krankheitsrisiko als jeder einzelne für sich. Aufgrund des damit verbundenen Sterberisikos werden sie Tödliches Quartett genannt.

 

Die Adipozyten des viszeralen Fettgewebes im Bauchraum produzieren Entzündungsmediatoren wie
Interleukin-6, welche Entzündungen im Körper fördern.
[7]

 

Zur Therapie werden Medikamente verordnet, die zusätzlich die Leber belasten und zahlreiche Nebenwirkungen haben können.

EigenbrauerSyndrom

 

Definition

Rauschzustand durch alkoholische Autodestille im Darm. Betroffene können benebelt oder betrunken wirken.[8]

 

Ursachen

Mikroorganismen erzeugen aus kohlenhydratreicher Nahrung und Darm-Pilzen Ethanol im Darm.[9]

  • Antibiotika mit Störungen des Mikrobioms
  • Darmerkrankungen wie Morbus Crohn
  • Adipositas, Diabetes mellitus
  • Candida albicans, Hefepilze
  • Stress

 

Die Autodestille wird bislang eher selten diagnostiziert, erhält aber inzwischen mehr medizinische Beachtung.

 

Symptome

  • Brain Fog[10], Schwindel
  • Konzentrationsstörungen, Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Stimmungsschwankungen
  • Betrunkenheit, Gangunsicherheit
  • erhöhter Alkoholspiegel im Blut[11]

 

Therapie

  • temporär kohlenhydratarme bis -freie Ernährung
  • kein Zucker
  • Antimykotika (Nystatin[12])
  • Probiotika
  • Alkoholkarenz

 

Komplikationen

  • zahlreiche Fehldiagnosen
  • Vorwurf der eingebildeten Krankheit (Hypochondrie)

 

Differentialdiagnose

  • Alkoholrausch
  • Diabetes mellitus

 

 

Erkrankungen der Speiseröhre und des Magens

Ösophagitis

Definition

Schmerzhafte Entzündung der Speiseröhrenschleimhaut.

 

Ursachen

  • kranker Magen mit Refluxösophagitis
  • starkes Erbrechen
  • Genuss aggressiver Speisen
  • alkoholische Getränke
  • Folge von Leberzirrhose

 

Symptome

  • Sodbrennen = Brennen hinter dem Brustbein (Sternum)

 

Therapie

  • Ursachen ermitteln
  • Noxen sofern möglich meiden
  • Magen kurieren
  • Heilerde

 

Komplikationen

  • Ösophagusvarizen-Blutungen = Blutungen in die Speiseröhre

 

Differentialdiagnose

  • Speiseröhrenkrebs

 

Hiatushernie

Definition

Hernie bedeutet das Vorliegen eines Bruchs, bei dem sich Gewebe oder ein Organ durch eine natürliche oder entstandene Lücke in einer Körperwand vorwölbt.

 

Als Hiatushernie wird ein Zwerchfellbruch bezeichnet, bei dem sich Teile des Magens durch die natürliche Öffnung des Zwerchfells für die Speiseröhre (Hiatus) in den Brustraum verlagern.

 

Ursachen

  • Überfüllung des Bauchraums
  • Gärungsgase

 

Symptome

  • keine
  • Aufstoßen
  • verträgt nur kleine Portionen
  • Tachykardie

 

Therapie

  • Ernährung umstellen
  • Verdauungsorgane sanieren

 

Komplikationen

  • Refluxösophagitis = Entzündung der Speiseröhre durch ständiges Aufstoßen

 

Differentialdiagnose

  • Reflux
  • Pankreatitis

 

 

Gastritis

 

Definition

Entzündung der Magenschleimhaut

 

Ursachen

  • Fehlernährung
  • Nahrungsaufnahme zur falschen Zeit
  • Medikamente wie ASS & Ibuprofen
  • psychischer Stress
  • Helikobacter pylori

 

Symptome

  • keinerlei Symptome
  • Völlegefühl
  • Magenschmerzen
  • Brechreiz, Übelkeit

 

Therapie

  • Heilerde, trocken im Mund auflösen lassen
  • Kamillenrollkur
  • Zucker, Kaffee und Alkohol meiden
  • Schonkost
  • Säureblocker wie Pantoprazol

 

Komplikationen

  • Refluxösophagitis

 

Differentialdiagnose

  • Magen-Darm-Infektionen
  • Pankreatitis

 

Die Gastritis ist zwar häufig, aber meist harmlos. Sie kann mit Geduld und Schonkost ambulant auskuriert werden. Wird sie durch Medikamente verursacht, sollten diese überprüft werden. Daher stets auf Nebenwirkungen achten.

 

 

Erkrankungen des Darms

 

Enteritis & Duodenitis

 

Definition

  • Die Enteritis ist eine entzündliche Erkrankung des ganzen Dünndarms (enteron = Darm), meist der Schleimhaut.
  • Die Duodenitis ist eine entzündliche Erkrankung des Zwölffingerdarms (Duodenum), meist der Schleimhaut.
  • Eine Sonderform ist die Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie).

 

Ursachen

  • Folgen von Fehlernährung
  • infektiös: Bakterien, Viren, Protozoen, Parasiten
  • Typhus, Cholera, Ruhr
  • Antibiotika mit darauffolgender Fehlbesiedelung
  • Darmpilze
  • Salmonellen-Infektionen durch rohe Eier, Eis, Fleisch
  • Verzehr von verdorbenen Lebensmitteln

 

leichte Symptome

  • viele Enteritiden verlaufen unbemerkt
  • diffuse Bauchbeschwerden, mag keinen engen Gürtel tragen
  • allgemeines Unwohlsein
  • Diarrhoe

 

schwere Symptome

  • heftige Durchfälle mit Bauch- und Gliederschmerzen
  • Koliken, Fieber, schwerstkrank
  • Brechdurchfälle

 

Therapie

  • viel trinken
  • Kamillentee, Heilerde
  • Nahrungskarenz, Reistage, Fasten
  • Durchfall fördern, um die Erreger auszuschwemmen
  • Antibiotika

 

Komplikationen

  • Exsikkose mit Elektrolytstörungen
  • Kreislaufversagen

 

Differentialdiagnose

  • Medikamentenunverträglichkeiten
  • Missbrauch von Abführmitteln
  • Morbus Crohn
  • Zöliakie

 

 

 

Zöliakie und Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität

 

Definition

  • Die Zöliakie ist eine echte Glutenunverträglichkeit, bei der die Dünndarmschleimhaut betroffen ist.