Onkologie

Tumoren = entartete Gewebe

Die Diagnose Krebs zählt zu der angsteinflößendsten in unserer Gesellschaft. Während wir einerseits die beeindruckenden Fortschritte in der medizinischen Diagnostik bewundern, stehen wir andererseits oft vor einer gewissen therapeutischen Ohnmacht. Kaum ein anderes medizinisches Fachgebiet weist eine so große Bandbreite zwischen diagnostischen Möglichkeiten und therapeutischen Erfolgen auf wie die Onkologie.

 

Statistisch gesehen stirbt jeder vierte Mensch an Krebs, und bei nahezu jedem zweiten wird im Laufe seines Lebens ein Tumor diagnostiziert. Gutartige Tumoren sind dabei nur selten lebensbedrohlich. Die entscheidende Frage lautet dann: Handelt es sich um einen gutartigen oder bösartigen Tumor?

 

Definition

Benigner Tumor

= Gutartiger Tumor

= Geschwulst

Maligner Tumor

= Bösartiger Tumor

= Krebs

 

 

Unterscheide

Benigne Tumoren

Maligne Tumoren

Wachstum

langsam

rasch

Kapsel

vorhanden

nicht vorhanden

Funktion des Gewebes

vorhanden

nicht vorhanden

Metastasen

nein

ja

Symptomatik

wenig Störungen

starke Störungen

Gefahr

gering

groß

Ausnahmen

Bei kritischer Lokalisation kann das Leben auch hier bedroht sein.

Das Wesen von Spontanheilung wird bis heute nicht verstanden, weshalb sie meist abgestritten wird.

Bedeutung und Ursachen

Jede Gesellschaft und die verschiedenen Geschlechter haben ihre eigene Häufigkeitsverteilung bei Tumorerkrankungen. Die Lebensweise scheint eine wichtige Rolle zu spielen, allein ausschlaggebend ist sie jedoch nicht.

 

  • Männer in Mitteleuropa erkranken am häufigsten am Prostatakrebs und sterben am häufigsten am Lungenkrebs. (Stand 2025)
  • Frauen erkranken und sterben am häufigsten am Brustkrebs, gefolgt von Lungen- und Bronchialkrebs.
  • Dickdarmkrebs steht bei beiden Geschlechtern an dritter Stelle.
  • Menschen mit Migrationsgeschichte übernehmen im statistischen Mittel die Häufigkeitsverteilung des Landes, in das sie eingewandert sind.

 

Zahlreiche auslösende Faktoren sind bekannt. Dazu gehören Nikotin, Radioaktivität, aromatische Kohlenwasserstoffe wie Benzpyren beim Grillen, Nitrosamine in Kosmetika und Kautschukprodukten, Asbest und Medikamente, genetische Faktoren, Hormone wie die Pille und viele mehr.

Eine Kombination von Risikofaktoren ergibt oft ein höheres Risiko als die Summe der Einzelfaktoren. So gelten Rauchen und hormonelle Kontrazeptiva als überadditiv.[1]

 

Typische Merkmale von Krebszellen

  1. Zellteilung ohne externe Wachstumssignale. Zellen warten auf Wachstumsbefehle. Krebszellen stimulieren sich selbst.
  2. Wachstum trotz Stoppsignal der Nachbarzellen. Tumorzellen ignorieren die Aufforderung des umliegenden Gewebes, ihren Verdrängungsprozess einzustellen.
  3. Umgehen des Selbstzerstörungsprogramms. Krebszellen hebeln trotz ihrer DNA-Schäden ihr eingebautes Autolyse-Programm aus.[2]
  4. Stimulation des Blutgefäßwachstums. Blutgefäße werden zur Aussprossung neuer Gefäße und Kapillare angeregt, um den hohen Energiebedarf der Krebszellen zu bedienen.
  5. Gewinn von Unsterblichkeit. Gesunde Zellen teilen sich rund 70-mal. Krebszellen unterlaufen dieses System und teilen sich theoretisch unbegrenzt. Hierzu stabilisieren sie an den Enden ihre Telomere.
  6. Metastasenbildung. Verlässt der Ursprungstumor sein Herkunftsgewebe, wird er bedrohlich. Tochtergeschwülste werden an anderen Stellen des Körpers gebildet.

Stammzellen-Therapie

Stammzellen spielen eine zentrale Rolle in der Krebsforschung, da sie sowohl für die Teilung der Blutzellen im Knochenmark als auch für die Regeneration und Zellerneuerung in anderen Organen notwendig sind.

Es wird angenommen, dass fehlerhafte Prozesse in Stammzellen zur Tumorbildung beitragen können, wobei die genauen Ursachen noch nicht vollständig bekannt sind.

Stammzellen sind oft schwer für Chemotherapeutika erreichbar, da sie in einem schützenden Zellverband eingebunden sind. Die eingeschränkte Zugänglichkeit von Stammzellen kann dazu führen, dass Chemotherapeutika mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen.

Metastasen

  • Maligne Tumoren haben die Fähigkeit, Metastasen zu bilden, indem Tochtergeschwülste entstehen, die sich räumlich vom Primärtumor entfernen.
  • Tumorzellen lösen sich aus dem Zellverband und wandern über Blut- oder Lymphbahnen in andere Gewebe.
  • Metastasen können lebensgefährlich sein, insbesondere wenn sie in lebenswichtige Organe wie Gehirn, Leber oder Lunge eindringen und deren Funktionen beeinträchtigen.
  • Die Gefährlichkeit von Tochtergeschwülsten hängt von der Art des Primärtumors und der Lokalisation der Metastasen ab.
  • Das maligne Melanom ist eine besonders gefährliche Form von Hautkrebs, da es schnell Metastasen bildet und lebenswichtige Organe angreifen kann.

 

Malignes Melanom = Schwarzer Hautkrebs

Melanozyten in der Haut sind die Ursprungszellen dieses besonders aggressiven Hautkrebses. Die anfänglichen Verfärbungen können leicht mit einem harmlosen Muttermal verwechselt werden, lassen sich jedoch anhand charakteristischer Merkmale unterscheiden. Eine hilfreiche Methode zur Erkennung ist die ABCDE-Regel.

 

ABCDE-Regel

  • Asymmetrische Form
  • Begrenzung unscharf
  • Color = Pigmentierung ungleichmäßig, ggf. Satellitenknötchen
  • Durchmesser über 5 mm
  • Erhabenheit über 1 mm, aber auch
    • Evolution = Größenzunahme. Größe verändert sich in einem Zeitfenster von 3 Monaten

 

Sind 3 oder mehr Kriterien erfüllt, liegt ein begründeter Verdacht vor.

 

Das maligne Melanom hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Eine starke, wiederkehrende UV-Belastung, insbesondere Sonnenbrände in der Kindheit, sowie regelmäßige Besuche im Solarium gelten als Hauptursachen für das maligne Melanom.

 

Derzeit erkranken von 1 Million Einwohnern Mitteleuropas 150 pro Jahr mit einer Verdoppelungsrate pro 20 Jahren.

 

 

Therapie

Frühzeitige ärztliche Entfernung des Primärtumors.

 

Das Melanom wird zu oft zu spät entdeckt, wenn bereits Metastasen, oft in Lunge oder Leber, diagnostiziert wurden.

 

Tumormarker

Bei Verdacht auf einen Tumor oder im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung können verschiedene diagnostische Methoden eingesetzt werden.

  • Der CRP-Wert ist ein unspezifischer Entzündungsmarker und kein spezifisches Hilfsmittel zur Feststellung eines Tumors. Ein erhöhter CRP-Wert (über 100 mg/l) weist auf eine starke Entzündungsreaktion hin, die durch verschiedene Ursachen wie Infektionen, Verletzungen oder auch Tumorerkrankungen ausgelöst werden kann. Werte über 150 mg/l erfordern weitere Abklärung, liefern jedoch keinen direkten Hinweis auf das Vorliegen eines Tumors.
  • Tumorzellen produzieren selbst Tumormarker. Sie können im Blut oder Urin nachgewiesen werden.

 

Tumormarker

  • PSA = Prostataspezifisches Antigen (Prostata). Normal < 4ng/ml
  • CEA = Carcinoembryonales Antigen (Kolon, Bronchien, Mamma) Normal < 5 mg/l
  • Wikipedia bietet eine sehr gute Übersicht

 

  • Rauchen kann höhere Tumormarker erzeugen, ohne dass ein Tumor vorliegt.
  • Die Schweizer Arbeitsgruppe um Dr. Hertel untersuchte den Zusammenhang zwischen Mikrowellennahrung und Krebs.

 

Onkologie

Das Ziel der Onkologie besteht in der Erforschung sowie der Behandlung von Tumorerkrankungen. Die traditionelle Krebstherapie stützt sich dabei im Wesentlichen auf drei zentrale Säulen:

  1. Stahl = operative Tumorentfernung mit dem Chirurgenmesser
  2. Strahl = Bestrahlung des Gewebes wie mit radioaktiven Strahlen, Photonenstrahlen, lokal oder großflächig
  3. Chemie = Chemotherapie mit Zytostatika (Zellwachstumshemmer), also medikamentös

sowie:

  • Hormonersatztherapie
  • Antihormontherapie wie Anti-Östrogene
  • Immuntherapie mit Immunglobulinen
  • Biologika, siehe Podcast letzte Seite

 

 

Alternative Heilmethoden

  • Pflanzliche Heilmethoden mit Misteltherapie
  • Hyperthermie (Fiebertherapie)
  • Bewegungstherapie
  • Kunsttherapie wie Bewegung, Malen, Tanzen, Theater
  • Psychoonkologie
  • Fasten
  • gesunde Ernährung
  • Spurenelemente wie Selentherapie
  • Vitamin C

 

Misteltherapie

Weleda vertreibt in der Schweiz und Deutschland die folgenden Mistelpräparate unter dem Namen Iscador® (Auszug):

  • M = Mistel, die auf dem Apfelbaum wächst
  • P = Mistel, die auf der Kiefer wächst
  • Qu = Mistel, die auf der Eiche wächst
  • U = Mistel, die auf der Ulme wächst

in Kombination mit

  • Arg = Silber
  • Cu = Kupfer
  • Hg = Quecksilber

in Einzeldosen und Serienpackungen.

 

 

Psychoonkologie

 

Die Diagnose Krebs ist für Betroffene häufig eine Überforderung und sie benötigen vertrauensvolle Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner.

 

  • Die Diagnose Krebs kann selbst ein Trauma auslösen, welches begleitende Therapien erschweren kann.
  • Umgekehrt kann die Diagnose aus einem eher dem Schicksal hingegebenen Menschen eine kämpferische Person machen, die aufsteht und sagt: ‚Nicht mit mir, nun werde ich gesund!‘.

 

Psychoonkologie unterstützt Menschen mit Krebs und ihre Angehörigen dabei, die seelischen und sozialen Folgen der Erkrankung besser zu bewältigen und ihre Lebensqualität zu erhalten.
 Sie bietet psychologische Beratung und Therapien zur Linderung von Angst, Depression und Überforderung an.

 

 

[1] Eine Faustformel bezeichnet, dass beide Faktoren gemeinsam rund zehnmal riskanter seien als einer der beiden Faktoren alleine, also 1 + 1 = 10 ergibt.

[2] Ein anderer Begriff hierfür ist die Apoptose, der selbsteingeleitete Zelltod.