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Blut


Das Blut (Hämatologie)

 

Ein erwachsener Mensch hat ca. 5 (4 bis 7) Liter Blut. Es besteht zu gut 50% aus Plasma und zu knapp 50% aus Zellen und anderen festen Bestandteilen. Das Blut kann als eigenständiges, flüssiges Organ betrachtet werden, weshalb eine Bluttransfusion auch unter dem Gesichtspunkt einer Organspende beurteilt werden darf.

 

Die Aufrechterhaltung der Homöostase des ganzen Körpers (= dynamisches Gleichgewicht des inneren Milieus) ist eine wesentliche Aufgabe des Blutes.

 

Die Bestandteile des Blutes:

  • Blutplasma = Blutflüssigkeit mit gelösten Stoffen und mit Fibrin
    • (Serum = Plasma ohne Fibrin)
  • Blutzellen = Rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen

 

Das Blutplasma besteht zu 90% aus Wasser, zu ca. 8% aus Bluteiweißen und zu ca. 2% aus anderen Stoffen:

  • Bluteiweiße: Gerinnungseiweiße, Albumine, Immunglobuline, ...
  • Elektrolyte: Natrium, Kalium, Magnesium, Kalzium, ...
  • Nährstoffe: Glukose, Aminosäuren, Fettsäuren, Spurenelemente, Vitamine, ...
  • Metabolite: Harnstoff, Harnsäure, Kreatinin, ...
  • Blutgase: Sauerstoff, Kohlendioxyd, Stickstoff
  • Hormone = Botenstoffe: Adrenalin, EPO, ...

 

 

 

Die Blutzellen:

Beinahe alle Blutzellen werden im roten Knochenmark gebildet. Dort befinden sich pluripotente Stammzellen (ganz links in der Grafik, quasi die „Alleskönner“ unter den Blutzellen), aus denen die rote Reihe und die hervorgehen:

 

  • Rote Reihe:
    • Erythrozyten

 

    • Leukozyten
      • Granulozyten
        • Neutrophile Granulozyten
        • Basophile Granulozyten
        • Eosinophile Granulozyten
      • Monozyten
      • Lymphozyten
        • B- Lymphozyten
        • T- Lymphozyten
    • Thrombozyten

 

 

 

 

 

Erythrozyten (5 Mio/mm3)[1]:

Innerhalb von 120 Tagen werden alle Erythrozyten vollständig neu gebildet (= Erythropoese), also 160 Millionen „Erys“ pro Minute. Unter Sauerstoffmangel schütten die Nieren das Hormon Erythropoetin aus, welches die vermehrte Neubildung von Erythrozyten stimuliert. Hochleistungssportler nutzen das aus, indem sie Monate vor dem Wettkampf entweder in großen Höhen trainieren oder in einem Zelt unter Sauerstoffmangel schlafen. Die Einnahme des Hormons (EPO) gilt jedoch als Doping.

 

 

 

Leukozyten (4.000 bis 9.000/ mm3):

Die Lebensdauer der weißen Blutzellen ist sehr unterschiedlich und reicht von wenigen Stunden bis wahrscheinlich ein Menschenleben lang.

 

Rund 90% der Leukozyten halten sich außerhalb vom Blut auf und verwenden dieses als nur Transportsystem. Die „Leukos“  besitzen auf Grund ihrer hohen Verformbarkeit die Fähigkeit, aus den Blutgefäßen zu emigrieren. Gewebssubstanzen veranlassen sie zu dieser zielgerichteten, amöboiden Fortbewegung. Diese Anlockung wird „Chemotaxis“ genannt.

 

Granulozyten und Monozyten gehören zur unspezifischen Abwehr, Lymphozyten dagegen zur spezifischen Abwehr.

 

Monozyten besitzen die Fähigkeit zu sehr großer Umwandlung und werden je nach Lokalisation dementsprechend unterschiedlich benannt. Am wichtigsten ist ihre Aufgabe als Makrophagen = Fresszellen, da sie Fremdkörper und Zelltrümmer phagozitieren. Hierbei arbeiten sie den Lymphozyten durch Antigen-Präsentation entgegen, und regen diese zur Antikörperbildung an.

 

Granulozyten werden auch als Mikrophagen bezeichnet. Im Zellleib befinden sich granulaähnliche Strukturen, wodurch sie ihren Namen bekommen haben.

 

Thrombozyten (150.000 bis 400.000/mm3)

... sind im eigentlichen Sinne keine Zellen mehr, sondern Zellfragmente mit einer Lebensdauer von ca. 10 Tagen, die sich aus Vorstufen gebildet haben. Sie werden zur Blutgerinnung benötigt.

 

 

 


Blutgruppen

Die Erythrozyten sind Träger von Individualitätsmerkmalen, die als sogenannte Blutgruppen bezeichnet werden. Derzeit sind ca. 450 Blutgruppensysteme bekannt, von denen das AB0-System (sprich: „A – B – Null – System“) das bekannteste ist. Nebenstehende Tabelle zeigt einen Auszug derzeit bekannter Blutgruppensysteme.

 

 

Das AB0-System hat vier Blutgruppen:

Antigen

Antikörper im Blutplasma

Häufigkeit ca.

A

Anti-B

44%

B

Anti-A

10%

AB

keine

4%

0

Anti-A und Anti-B

42%

 

Kommt es bei einer Transfusion zur Zusammenfügung falscher Blutgruppen, folgt die Agglutination (Verklebung) der Antigene der Erythrozyten mit den Antikörpern im Blutplasma. Anschließend platzen die roten Blutkörperchen und stehen damit für den Gastransport nicht mehr zur Verfügung.

 

Ein weiteres sehr bekanntes System sind die Rhesus Blutgruppen. Von den ca. 80 Kombinationsmöglichkeiten sind hier die Eigenschaften Rh+ (sprich: „R – H – Positiv“) und rh- (sprich: „R – H – Negativ“) die bekanntesten und auch die übergeordneten Gruppen. Rh+ kommt in Mitteleuropa mit einer Häufigkeit von 85% vor, die übrigen 15% entfallen auf rh-.

 

 

 

Blutgerinnung

Kommt es zu einer inneren oder äußeren Verletzung der Blutgefäße, wird eine sogenannte Gerinnungskaskade ausgelöst. Dabei werden Gerinnungsfaktoren aktiviert, die mit den römischen Ziffern I bis XIII gekennzeichnet wurden. Die Reihenfolge dieser Kennziffern ist jedoch historisch und leider nicht physiologisch gegliedert.

 

Wichtige Gerinnungsfaktoren sind

  • Faktor I = Fibrinogen
  • Faktor II = Prothrombin
  • Faktor IV = Kalzium
  • Vitamin K, welches für die Synthese von Faktor VII, IX und X benötigt wird.

 

 

Menschen mit Hämophilie (der Bluterkrankheit) fehlt nur ein einziger Gerinnungsfaktor (entweder Faktor VIII oder Faktor IX), wodurch die Blutgerinnung nicht stattfinden kann.

 



[1] Umrechnugstabelle:

1 mm3 = 1 ml (sprich: 1 Kubikmillimeter = 1 Mikroliter)

10 ml = 1 ml (sprich: 10 Mikroliter = 1 Mililiter)