Haut und Schleimhaut
Die Haut ist mit einer Fläche von zwei Quadratmetern das größte Organ des Körpers und bildet dessen schützende Außenschicht. Sie fungiert als lebenswichtige Barriere zwischen der Umwelt und innerem Milieu. Dabei schützt sie vor schädigenden Einflüssen wie Krankheitserregern, UV-Strahlung und mechanischen Belastungen. Weiterhin trägt die Haut wesentlich zur Regulation von Temperatur, Wasserhaushalt und Stoffaustausch bei. Sie besitzt Sinnesrezeptoren, über die Reize wie Druck, Schmerz, Temperatur und Berührung wahrgenommen werden.
Aufgaben
- Schutz vor Kälte, Hitze, UV-Strahlung, Nässe, Chemikalien
- Barriere gegen Krankheitserreger
- Speicher für Wasser, Fett und Säuren
- Schutz vor Austrocknung
- Ausscheidung von Schweiß und Schuppen
- Thermoregulation und Schwitzen
- Sinnesorgan bei Berührungen, Druck, Schmerz, Temperatur, Vibration
- Vitamin D-Synthese aus UV-Licht
- Interaktion: Rötung, Blässe, Psyche, Krankheit
- Indikator für den Lebensstil:
- Ernährungsstatus, Schlafumfang, Sport, Flüssigkeitshaushalt
- Körperpflegeprodukte[1], Lifestyle, UV-Einwirkung
- Rauchen, Stress, Alkohol, Schadstoffe
Aufbau
Die Haut (Cutis) besteht aus der Oberhaut (Epidermis) und der Lederhaut (Corium). Beide Schichten sind klar voneinander abgegrenzt und durch zapfenartige Ausläufer der Lederhaut fest miteinander verzahnt. Die Lederhaut geht ohne scharfe Grenze in die deutlich dickere, fettreiche Unterhaut (Subcutis) über.
Schichten der Oberhaut
- Keimschicht (untere Zellschicht) mit lebenden, teilungsfähigen Zellen
- Hornschicht (obere Zellschicht) aus abgestorbenen Zellen bestehend
Während die Hornschicht kontinuierlich abgestoßen wird, ersetzt die Keimschicht fortlaufend die verlorenen Zellen.
In der Keimschicht liegen Pigmentzellen, die den Farbstoff Melanin produzieren. Melanin schützt vor UV-Strahlung[2], sie beeinflusst Hautfarbe und Hauttönung.
Die Unterhaut enthält große Fettdepots. Diese Schicht dient als Schutz vor Druckbelastung und Temperaturextremen. Zudem stellt das Fett einen Energiespeicher dar.
Das Unterhautfett ist geschlechtsspezifisch unterschiedlich verteilt.
Strukturen
- äußere Haut (Cutis)
- Hautanhangsorgane wie Nägel, Haare und Drüsen
- Schleimhäute (Mukosae[3]) zur Auskleidung von Hohlorganen wie Verdauungsorgane, Lungen, harnableitende Wege
Haare, Hautorgane und Hautanhangsorgane
Die Haut unterliegt wie jedes Organ natürlichen Alterungsprozessen. Dabei nimmt die Durchblutung der Haut ab, das Bindegewebe wird schwächer und sowohl Talg- als auch Schweißsekretion gehen zurück, wodurch die Haut dünner, schlaffer, trockener und faltiger wirkt. Im Alter treten zudem häufig Altersflecken und Alterswarzen auf, ebenso wie Juckreiz (Pruritus senilis).
Die Ausprägung dieser Veränderungen wird, neben genetischen Einflüssen, vor allem durch den Lebensstil und äußere Faktoren wie UV-Strahlen, Tabakkonsum oder Ernährung beeinflusst.
Schleimhäute
Schleimhäute kleiden innere Hohlräume des Verdauungstraktes, der Atemwege, der Harnwege und Geschlechtsorgane aus. Sie bestehen aus einem epithelartigen Gewebe, das durch Drüsen Zellen Schleim (Mukus) produziert. Dieser Schleim schützt die Organoberfläche, erhält das pH-Milieu, entfernt Fremdstoffe und erleichtert den Stofftransport.
Die Struktur und Funktion der Schleimhäute ist jeweils auf die Anforderungen des Organs angepasst und wurde dort besprochen.
Im Darm ermöglichen sie die Sekretion von Verdauungsenzymen, die Nährstoffaufnahme und bieten Schutz vor Schadstoffen. Im Atemtrakt unterstützen Schleimhäute mit Flimmerhärchen die Entfernung von Fremdkörpern, indem sie diese mit Schleim binden und nach außen transportieren. Gleichzeitig sind Schleimhäute eng mit dem Immunsystem verbunden und stellen eine erste Barriere gegen Krankheitserreger dar.
Sinnesorgane der Haut
Die Haut ist ein eigenständiges, sehr großes Sinnesorgan.
Oberflächen- und Tiefensensibilität
- Tastsinn
- Temperatursinn
- Schmerzsinn
Sinneszellen in der Haut registrieren viele Reize.
- Meissner-Körperchen nehmen feine Berührungen wahr; sehr schwache Reize werden als Kitzeln empfunden
- Merkel-Zellen und weitere Tastrezeptoren registrieren feine bis großflächige Druckempfindungen
- Pacini-Körperchen registrieren Vibrationen
- Temperaturrezeptoren unterscheiden zwischen Warm- und Kaltreizen[5]
Entwicklung beim Baby und bei Blinden
Die ersten und zugleich bedeutsamsten Wahrnehmungen eines Babys zur Entdeckung der Welt und ihrer Besonderheiten erfolgen über die Sinnesorgane der Haut. Mit fortschreitender Entwicklung treten andere Sinnesorgane in den Vordergrund, wodurch die Hautsinne weniger wichtig zu sein scheinen. Dennoch übernehmen sie weiterhin einen großen Teil der unterschwelligen Wahrnehmung.
Blinde Menschen nutzen Eindrücke der Haust deutlich intensiver als Sehende. Letztere neigen dazu, überwiegend dem Sehsinn zu vertrauen.
Zahlen zur Haut
- Gewicht: 15 - 20% des Körpergewichts
- Fläche: 1,5 bis 2 m2
- Zellenzahl: 600.000 Millionen pro cm2
- Schweißdrüsen: 100 pro cm2 mit sehr unterschiedlicher Verteilung
- Kältesinnesorgane (Gesicht): 6 - 10 pro cm2
- Wärmesinnesorgane (Gesicht): 1 pro cm2
- Tastsinnesorgane (Hand innen): 25 pro cm2
- Talgdrüsen: 15 – 900 pro cm2 mit sehr unterschiedlicher Verteilung
- Schmerzpunkte: 50 - 200 pro cm2
Wärmeregulation im Körper
Die gesunde Körpertemperatur liegt um 37 °C. Sie unterliegt leichten Tagesschwankungen. In den frühen Morgenstunden ist sie 0,5 bis 1 °C niedriger, nachmittags etwas höher im Verhältnis zum Mittelwert.
Der Körper erzeugt in der Leber und in der Muskulatur Wärme durch den Abbau von Nährstoffen (Metabolismus). Das Blut verteilt diese Wärme durch den gesamten Körper.[6]
Um die Kerntemperatur konstant zu halten, steigert der Körper die Wärmebildung bei Kälte durch Stoffwechselsteigerung in der Muskulatur. Frösteln, Zähne klappern und Zittern sind die bekannten Symptome des Kältezitterns. Insgesamt hilft Bewegung, die Körpertemperatur bei Kälte zu halten und zu erhöhen.
Die Haut hilft beim Erhalt der Kerntemperatur: Auf Kälte folgt ein Zusammenziehen der Blutgefäße (Vasokonstriktion), wodurch weniger Wärme nach außen abgegeben wird; die Haut wirkt blass.
Bei Wärmeüberschuss kommt es zur Gefäßerweiterung (Vasodilatation), die Durchblutung der Haut steigt und der Körper kann Wärme besser abgeben; die Haut wird gerötet und die Schweißproduktion steigt.
Fieber messen
Fieber wird am zuverlässigsten rektal mit einem digitalen Thermometer gemessen, da diese Methode die Körperkerntemperatur am besten widerspiegelt.
Alternativ kann die Messung auch im Ohr, unter der Achsel oder oral durchgeführt werden, wobei die Genauigkeit von der Sorgfalt ihrer Durchführung abhängt. Die Temperatur sollte bei Symptomen wie Krankheitsgefühl oder Schüttelfrost gemessen werden.
Neben digitalen Thermometern kommen in den letzten Jahren Infrarot-Thermometer zum Einsatz. Ihre Handhabung ist einfach und angenehm. Für ein besseres Ergebnis empfehlen sich mehrere Messungen.
Schüttelfrost
Schüttelfrost ist ein plötzlicher, intensiver Kältezustand mit Muskelzittern, der bei rasch ansteigendem Fieber auftritt. Der Körper versucht, sich durch Muskelbewegungen schnell zu erwärmen. Er tritt bei Infektionen wie Grippe oder Lungenentzündung auf, kann aber auch durch Unterkühlung, Stress oder andere Erkrankungen ausgelöst werden.
[1] Pro Kopf werden in der Schweiz 500 CHF für Hautpflegemittel ausgegeben.
[2] Kurzfristig einwirkende UV-Strahlung bewirkt Hautrötung und Bräunung durch Melanin-Produktion als Schutzmechanismus. Langfristig kann das Erbgut der Hautzellen geschädigt werden, was zu vorzeitiger Hautalterung und erhöhtem Hautkrebsrisiko führt. UV-B-Licht fördert die Bildung von Vitamin D in der Haut.
[3] Mukosa = Schleimhaut im Singular, Mukus = der Schleim
[4] Ursprünglich diente dieser Mechanismus als Kälteschutz, indem die aufgerichtete Körperbehaarung ein isolierendes Luftpolster bildete. Bei Tieren hat die Reaktion zudem eine Bedeutung als Drohgebärde, indem sie größer erscheinen. Beim Mensch erfüllt die Gänsehaut kaum noch eine praktische Funktion, sie gilt als Überbleibsel der evolutionären Entwicklung.
[5] Zwischen 31 °C und 36 °C wird die Temperatur als neutral empfunden. Über 45 °C entsteht Hitzeschmerz, unter 17 °C Kälteschmerz.
[6] Aufgrund der hohen Stoffwechselaktivität ist das Lebergewebe wärmer als andere Organe. Das Leberblut erreicht 2 bis 3 °C über der mittleren Körperkerntemperatur.

