Becken, Arme, Beine, Kopf

Von Fortpflanzung und Ausscheidung

 

Ausscheidung

Ausscheidung gilt gemeinhin als das ungezeigteste unter den Körperprozessen, dabei ist sie eigentlich eine stille Meisterleistung der Unterscheidung: Der Körper trennt unablässig das, was er behalten will, von dem, was er loslassen muss, und trifft diese Entscheidung mit einer Konsequenz, die man sich im seelischen Bereich oft wünschen würde. Nichts, was einmal aufgenommen wurde, bleibt unbegrenzt brauchbar – Nahrung, Gedanken, Erfahrungen, alles muss irgendwann verstoffwechselt und das Nicht-mehr-Dienliche abgegeben werden, sonst verwandelt sich selbst Nützliches in Belastung. Existenziell gelesen ist Ausscheidung damit ein Sinnbild für Loslassen als aktive, notwendige Leistung, nicht als Mangel oder Verlust: Wer nichts mehr abgeben kann – körperlich wie seelisch –, wird nicht reicher, sondern vergiftet sich an dem, was eigentlich längst hätte gehen sollen.

 

Fortpflanzung

Fortpflanzung steht dieser Bewegung des Loslassens diametral entgegen, denn sie ist der Prozess, der nicht abgibt, sondern etwas gänzlich Neues hervorbringt und dabei über den eigenen Organismus hinausweist – kein anderer Lebensprozess zielt so unmittelbar auf das, was nach dem eigenen Leben weiterbesteht. Biologisch betrachtet ist Fortpflanzung reine Zukunftsgerichtetheit: Wo Ausscheidung sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt und Ballast abwirft, öffnet sich hier der Organismus einer Möglichkeit, die er selbst nie vollständig erleben wird. Diese Polarität lässt sich auch seelisch weiterdenken: Es gibt im Leben Momente, die einzig dem eigenen Werden und der eigenen Reifung dienen, und andere Momente, in denen man bewusst etwas erzeugt, weitergibt oder in die Welt setzt, das größer ist als man selbst – ein Kind, ein Werk, ein Gedanke, der andere überlebt.

 

Das Verhältnis von beidem

So gegensätzlich Ausscheidung und Fortpflanzung erscheinen – die eine gerichtet auf Trennung und Abgabe, die andere auf Verbindung und Neuschöpfung – so sehr gehören sie doch zusammen als zwei Enden derselben Lebensbewegung: dem stetigen Werden durch beständiges Sich-Erneuern. Ohne Ausscheidung würde sich der Organismus an seiner eigenen Vergangenheit verschlucken, ohne Fortpflanzung bliebe er auf sich selbst begrenzt und ohne Zukunft. In dieser Spannweite zwischen Loslassen und Hervorbringen zeigt sich vielleicht die tiefste Wahrheit alles Lebendigen: Es ist nur dort wirklich lebendig, wo es beides zugleich kann – sich von Überflüssigem trennen und zugleich Neues in die Welt setzen, ohne im einen zu erstarren oder im anderen sich selbst zu verlieren.

 

Dieser Text wurde teilweise mit KI-Untertützung geschrieben.